Abo | ePaper | App | Newsletter | Facebook | Anzeigen | Trauer

Campus
Campus-News: Studium und Studenten-Leben an den Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet

30. November 2012

Forschung : So wandeln sich Migrantenfamilien

 Von 
Apitzsch: Die zweite Migrantengeneration ist gegenüber der ersten benachteiligt.  Foto: dapd

Forscherinnen der Frankfurter Goethe-Universität befragen Offenbacher Jugendliche zu ihrer Lebensgeschichte. Die Interviews zeigen interessante Entwicklungen.

Drucken per Mail

Asiye war in einer Sackgasse. Nach der Realschule fand sie keinen Ausbildungsplatz. Die junge Frau machte aus der Not eine Tugend, holte ihr Abitur nach, fing an zu studieren. „Die Erkenntnis, dass auch Schüler mit Migrationshintergrund an Hauptschulen und Realschulen den Aufstieg schaffen können, war eine befreiende Erfahrung für Asiye“, sagt Anil Al-Rebholz.

Asiye, die eigentlich anders heißt, ist eine von zehn Jugendlichen aus dem Patenschaftsmodell Offenbach, die für ein Forschungsprojekt der Goethe Universität ihre Lebensgeschichte erzählt haben. In insgesamt rund 60 narrativ-biografischen Interviews, die auch in weiteren Orten des Rhein-Main-Gebiets geführt wurden, untersuchten die Frankfurter Forscherinnen den Wertewandel in Familien mit Migrationshintergrund. „Wir wollten die Generationenverhältnisse in den Familien darstellen“, sagen die Soziologie- und Politikprofessorin Ursula Apitzsch und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Al-Rebholz, die gemeinsam die Ergebnisse ihrer Studie vorstellen.
Die Forscherinnen ließen die Interviewten – Zuwanderer der zweiten und dritten Generation vor allem aus türkischen und marokkanischen Familien – frei erzählen. Ein Ziel war, die verschiedenen Strategien nachzuzeichnen, „die junge Frauen ergreifen, um Bildungserfolg zu haben“.

Migranten: Frauen werden mächtiger

Um Zugang zu Gesprächspartnern zu bekommen, arbeiteten die Frankfurterinnen mit lokalen Initiativen zusammen, etwa dem Patenschaftsmodell Offenbach. „Wir fühlen uns darin bestätigt, dass Bildung die Grundlage für sozialen Aufstieg ist“, sagte Jörg Meyer vom Jugendamt Offenbach, der das Patenschaftsmodell gemeinsam mit der evangelischen Pfarrerin Anja Harzke leitet. Ehrenamtliche Paten unterstützen in dem Projekt Schüler beim Einstieg ins Berufsleben. 91 Prozent seien zuletzt in Ausbildungsbetriebe oder weiterführende Schulen vermittelt worden. Viele seien überrascht, „was wir für tolle Jugendliche haben“, so Harzke.

Auch in der Studie der Forscherinnen ging es darum, gesellschaftliche Vorurteile mit unerwarteten Beispielen zu durchbrechen, sagt Apitzsch. So habe sich etwa gezeigt, dass die zweite Migrantengeneration gegenüber der ersten benachteiligt sei. Während die Selbstzugewanderten meist feste Jobs hatten und sowohl in der Herkunftskultur als auch in demokratischen Strukturen etwa gewerkschaftlich integriert gewesen seien, hätten ihre Kinder oft mit Arbeitslosigkeit und wenig kultureller Teilhabe zu kämpfen.

Frauen der ersten Generation gewannen im Migrationsprozess an Macht, so Apitzsch’ zweite These. „Sie eroberten sich in Deutschland eine zweite Welt neben der Familie“ und ermutigten auch ihre Töchter zur Bildung, während die Söhne sich diese trotz größerer Freiheiten durch Regelverstöße oft verbauten.

Ein drittes Phänomen soll eine Folgestudie untersuchen: junge Frauen der dritten Generation, die sich Ehemänner im Land der Großeltern suchen, in der Hoffnung, Beruf und Familie verbinden zu können.

Jetzt kommentieren

Übersicht

Wir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie dazu bitte auf das orange Symbol.

Frankfurt

Rhein-Main

Bad Homburg, Hochtaunus

Bad Vilbel, Wetterau

Darmstadt

Kreis Groß Gerau

Hanau, Main-Kinzig

Main-Taunus

Mainz

Offenbach

Kreis Offenbach

Wiesbaden

Twitter
FR-Event

Ferien zu Hause

Ferien zu Hause

Leser-Touren: Die FR führt Sie in Unternehmen und Institutionen. Programm und Anmeldeformular.

Einzigartige Erlebnisse: Praktikant in der Schokokuss-Fabrik, Tierpfleger bei den Wölfen oder Kapitän eines Mainschiffs - jeden zweiten Tag gibt's unsere große Verlosung. Programm und Teilnahme-Gewinnspiel.

Rabatte: Jeden Tag Coupon aus der Zeitung schneiden und günstig in Zoo, Schwimmbad oder Kino gehen. Mit dem FR-Sommerabo verpassen Sie keine Zeitung. Bestellformular.

Alle Informationen in unserem Online-Dossier.

Online-Kataloge
Anzeige
Sonderheft

Die Siebziger sind die Frankfurter Jahre. Von hier aus strahlt in die Republik, was das Jahrzehnt bestimmt: das Aufbegehren der Jugend, der Häuserkampf in und ums Westend, die terroristische Bedrohung der RAF - und die Flügelzange der Eintracht mit Grabowski und Hölzenbein.

FR-Geschichte: 70er Jahre in Frankfurt

Unser Sonderheft blickt zurück, dokumentiert Originaltexte und zeigt das Jahrzehnt in Bildern.

Mountainbike-Touren im Video
ANZEIGE
- Partner