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Campus-News: Studium und Studenten-Leben an den Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet

05. März 2014

Frankfurter Goethe-Universität: Frankfurterin erhält Deutschen Krebspreis

 Von 
Simone Fulda im Institut für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie.  Foto: peter-juelich.com

Die Frankfurter Forscherin und Kinderärztin Simone Fulda erforscht an der Goethe-Universität, wie Krebs bei Kindern und Jugendlichen entsteht. Für ihre Studien zum programmierten Zelltod wird sie mit dem Deutschen Krebspreis 2014 ausgezeichnet.

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Die Frankfurter Forscherin und Kinderärztin Simone Fulda erforscht an der Goethe-Universität, wie Krebs bei Kindern und Jugendlichen entsteht. Für ihre Studien zum programmierten Zelltod wird sie mit dem Deutschen Krebspreis 2014 ausgezeichnet.

Frankfurt. –  

Simone Fulda brennt für das, was sie tut. Sie strahlt es aus, wenn sie von ihrer Arbeit als Krebsforscherin erzählt, von der Hoffnung, neue Therapieansätze zu finden oder wenn sie dafür wirbt, dass junge Mediziner nicht nur eine Karriere als niedergelassener Arzt im Auge haben, sondern sich häufiger auch für die Forschung interessieren sollten. Denn der Medizin in Deutschland fehlt es an wissenschaftlichem Nachwuchs.

Simone Fulda hat die Leidenschaft früh während ihres Medizinstudiums an mehreren internationalen Stationen gepackt und schließlich vollends während ihrer Zeit als Heisenberg-Stipendiatin der Deutschen Forschungsgemeinschaft 2002 bis 2007, die ihrer Qualifikation als Kinderärztin und der Habilitation folgten. Direkt im Anschluss nahm sie eine Forschungsprofessur an der Universität Ulm an. Für die Entwicklung der Hochschulen und der Forschung in Deutschland setzt sie sich seit 2012 zudem auch als Mitglied des Wissenschaftsrates ein.

Seit 2010 ist die heute 45-Jährige Direktorin des Instituts für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie am Universitären Centrum für Tumorerkrankungen der Uniklinik Frankfurt; es ist der einzige Lehrstuhl in Deutschland, der sich speziell mit der Krebsforschung bei Kindern und Jugendlichen beschäftigt.

Für ihre Untersuchungen der molekularen Mechanismen bei der Apoptose – dem programmierten Zelltod – von bösartigen Tumoren bei Kindern ist Professor Simone Fulda jetzt mit dem Deutschen Krebspreis 2014 in der Kategorie „Translationale Forschung“ ausgezeichnet worden. Translational bezeichnet in diesem Zusammenhang die Schnittstelle zwischen der Grundlagenforschung und der klinischen Anwendung in der Praxis. Die Auszeichnung, die zu den wichtigsten in der nationalen Krebsmedizin zählt, wurde der gebürtigen Kölnerin auf dem Deutschen Krebskongress in Berlin verliehen.

Simone Fulda entdeckte bei ihrer Forschungsarbeit am Frankfurter Institut Störungen im Zelltodprogramm, die Krebs zum ungehemmten Wachstum verhelfen. Das programmierte Zellsterben ist ein grundlegender Mechanismus in unseren sämtlichen Körperzellen und für die Selbstregulation in Gewebeprozessen unerlässlich, um alte, beschädigte oder eben auch entartete Zellen auszulöschen, erklärt Simone Fulda. Täglich spielt sich diese Selbstzerstörung milliardenfach in unserem Körper ab. „Normalerweise gibt es eine Balance zwischen Wachstum und Absterben. Funktioniert das allerdings nicht mehr richtig, so kann sich immer mehr Gewebe bilden und ein Tumor entstehen.“

„Selbstmordprogramm“ der Zellen stimulieren

Im Gegenzug kann ein Zuviel an Zelltod ebenfalls zu Krankheiten wie Alzheimer oder Multipler Sklerose führen. Bei ihren Untersuchungen richtete Simone Fulda den Fokus darauf, „herauszufinden, wo bei Krebs der Defekt im Programm liegt“. Ein Grund, sagt sie, können zum Beispiel bestimmte „überaktivierte“ Blockaden in Gestalt bestimmter Proteine sein, die den Zelltod verhindern.

Auf der anderen Seite wiederum können auch Schlüsselmoleküle des natürlichen Sterbeprozesses der Zellen plötzlich inaktiv werden, so dass der programmierte Zelltod blockiert wird. „Das ist ähnlich wie bei einem Auto: Wenn bestimmte Rädchen nicht mehr funktionieren, fährt es nicht mehr richtig. Wir versuchen wie ein Automechaniker, den Fehler zu finden.“ Simone Fulda geht davon aus, mit ihren Erkenntnissen Angriffspunkte für die Entwicklung neuer Medikamente gefunden zu haben. Eine solche innovative Therapie müsste auf Substanzen setzen, die in der Lage seien, das so lebenswichtige „Selbstmordprogramm“ der Zellen zu stimulieren und wieder in Gang zu setzen.

Der fatale Mechanismus des gestörten Zellsterbens läuft generell bei Krebs ab – und nicht allein, wenn Kinder daran erkranken. Allerdings habe jede Tumorart „ihre eigene Strategie entwickelt, wie sie dem Zelltod-Programm entrinnen kann“. Die Wissenschaftler um Simone Fulda haben für ihre Untersuchungen speziell pädiatrische Tumore als Modell genommen. Jährlich erkranken in Deutschland rund 2000 Kinder und Jugendliche an Krebs. Die meisten von ihnen erkranken an Leukämie, wo die Heilungsraten heute bereits bei 80 Prozent liegen, rund ein Viertel leidet an Tumoren der Weichteile, die schwieriger zu behandeln sind.

Ziel der Arbeit am Frankfurter Institut für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie ist es, die Forschungsergebnisse möglich schnell in klinische Studien umzusetzen, sagt Simone Fulda. Bei dieser praxisbezogenen Ausrichtung kommt ihr neben ihrer Qualifikation als Kinderonokolgin auch die enge Kooperation insbesondere mit der von Professor Thomas Klingebiel geleiteten Klinik für Kinder und Jugendmedizin des benachbarten Frankfurter Universitätsklinikums zugute. Die preisgekrönte Wissenschaftlerin hofft, dass dort schon in nicht allzu langer Zeit eine auf ihren jüngsten Forschungen basierende Therapie eingesetzt werden kann.

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