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Campus-News: Studium und Studenten-Leben an den Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet

08. Januar 2013

Geschlechter-Emanzipation: Altherren-Runde?

 Von 
Foto: dpa

Wissenschaftler der Fachhochschule Frankfurt haben untersucht, wie sich Aufsichtsräte in den deutschen DAX-Unternehmen zusammensetzen - und was sich dort verändert hat. Die Ergebnisse waren teilweise überraschend.

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Frankfurt –  

Altherren-Mief in Chefetagen? Regiert in Aufsichtsräten deutscher Unternehmen das Gesetz vom Männer-Netzwerk und der Quotenfrau? Oder sind das alles Vorurteile? Christian Rieck, Wirtschaftswissenschaftler und Professor an der Fachhochschule Frankfurt, hat in einer Studie über die Zusammensetzung deutscher Aufsichtsräte beides zutage gefördert: Verblüffende Ergebnisse und solche, die zu erwarten waren. Sein Fazit: Es gibt mehr Frauen – auch mehr Quotenfrauen. Und: Die Qualifikations-Kluft innerhalb der Gremien ist eklatant.
Rieck hat Fleißarbeit geleistet. Eineinhalb Jahre lang haben er und seine Mitarbeiter rund tausend Lebensläufe und 500 Mandate durchforstet. Eine Datenbank haben sie über alle Aufsichtsratsmitglieder der 30 wichtigsten deutschen, an der Frankfurter Börse notierten Unternehmen angelegt. Untersucht haben sie zweierlei: die Zusammensetzung der Gremien 2011 nach Geschlecht, Alter, Bildungsabschluss, Herkunft und beruflicher Vergangenheit und die Veränderungen, die sich dort von 2001 bis 2011 ergeben haben. Unter die Lupe genommen haben sie dabei sowohl die Arbeitgeber- als auch die Arbeitnehmerseite in den Aufsichtsräten.

Der Frauenanteil hat sich verachtfacht - allerdings auf niedrigem Niveau

Riecks Bilanz: „Verändert hat sich sehr viel.“ Vor allem der Frauenanteil ist im Untersuchungszeitraum „signifikant angestiegen und hat sich in dieser Zeit verachtfacht“. Allerdings lag der Ausgangswert im Jahr 2001 nur bei etwa 1,4 Prozent, so dass auch der
heutige Frauenanteil lediglich 11,3 Prozent beträgt. Dennoch hält der Wirtschaftswissenschaftler das für eine hohe Steigerungsrate: „Mehr kann man in zwei Legislaturperioden nicht erwarten.“
Die in seiner Datenbank erfassten Frauen sind kürzere Zeit in Aufsichtsräten tätig, „was darauf hindeutet, dass in den letzten vier Jahren verstärkt Frauen berufen wurden“, so Rieck. Sie haben allerdings auch eine deutlich geringere Vorstandserfahrung als ihre männlichen Kollegen. „Frauen werden also offenbar auch mit einer geringeren Qualifikation in den Aufsichtsrat berufen als Männer“, schlussfolgert er. Also doch die Quotenfrau? „Das bedeutet nicht, dass die Frauen schlechter sind“, sagt Rieck. Er kritisiert eher die Personalpolitik: „Der Pool muss ja erst einmal mit genügend Frauen gefüllt sein.“

Arbeitgebervertreter haben bei der Qualifikation die Nase vorn

Überrascht hat den Wissenschaftler ein anderes Ergebnis. Danach sind die Arbeitnehmervertreter in den Gremien deutlich schlechter qualifiziert als ihre Arbeitgeberkollegen. Sie haben fast nie einen Doktortitel, haben seltener studiert und geben weniger häufig eine absolvierte Berufsausbildung an. Auf der Arbeitgeberseite dagegen sitzen Wirtschaftswissenschaftler, Ingenieure und immer mehr Juristen im Aufsichtsrat. „Das deutet auf die zunehmend gefragte Fachqualifikation hin“, sagt Rieck. Die zähle mehr als Netzwerke.
Auf 25 Prozent stark gestiegen ist der Anteil ausländischer Ratsmitglieder. Rieck hatte hier die „buntere Gruppe“ bei den Arbeitnehmern vermutet. Es ist aber die Arbeitgeberseite, die Kollegen aus dem Ausland beruft – allerdings meist Experten aus dem deutschsprachigen Raum.
Im Mittel sind Aufsichtsräte übrigens 58,3 Jahre alt. Kein Wunder, findet Rieck. Denn der Aufsichtsrat stehe meist am Ende der beruflichen Laufbahn.

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