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Goethe-Uni verlässt Bockenheim: Die Ersten spüren den Wegzug der Studenten

        

Die Goethe-Uni verlässt Bockenheim, der Kulturcampus kommt.
Die Goethe-Uni verlässt Bockenheim, der Kulturcampus kommt.
Foto: Alex Kraus

Der Wegzug der Uni aus Bockenheim hinterlässt Spuren bei denen, die von der Hochschule leben: Copy-Shop-Inhaber fürchten um ihre Zukunft, Studentenkneipen öffnen nur noch abends.

Aus dem Geburtstagsgeschenk wird nichts mehr. Bis 2014 – zum 100-jährigen Bestehen – wollte die Goethe-Uni komplett vom Campus Bockenheim auf das ehemalige IG-Farben-Areal umgezogen sein. Doch der Geldfluss aus Wiesbaden stockt, und daher auch der Zeitplan. Statt im Herbst 2012 werden die Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften erst im Frühjahr 2013 aus dem AfE-Turm auf den neuen Campus ziehen, beim Neubau der Bibliothek ist von 2019 die Rede. Doch auch wenn sich der Umzug verzögert und die Hochschule für Musik sich am neuen Kulturcampus ansiedeln will, wird die Mehrheit der Studenten dem alten Campus den Rücken kehren. In Bockenheim lassen sie eine studentisch geprägte Infrastruktur zurück. Was wird aus den Copy-Shops, Studentenkneipen und Buchhandlungen, wenn die traditionelle Zielgruppe wegfällt?

Karl-Marx-Buchhandlung

Noch läuft das Mutterschiff in Bockenheim.
Noch läuft das Mutterschiff in Bockenheim.
Foto: Chris Hartung

Michael Müller von der Karl-Marx-Buchhandlung hält sich zurück. Zwar eröffnete schon 2001, nachdem die geisteswissenschaftlichen Fachbereiche ins Westend gezogen waren, eine gemeinsame Filiale der Karl- Marx- und der Autorenbuchhandlung Frankfurt in der Nähe des neuen Campus, doch über die Zukunft des Mutterschiffs will und kann Mitarbeiter Michael Müller nichts sagen: „Noch läuft’s, aber es ist schwer zu sagen, ob wir schon irgendwelche Auswirkungen des Umzugs spüren. Das geht ja alles so unendlich langsam“, sagt er. Die Buchhandlung – 1970 als „Kind der Studentenbewegung“ gegründet – ist eine Gehminute vom alten Campus entfernt und mit allem bestückt, was das sozialwissenschaftliche Herz begehrt. Die Mitarbeiter gehen fast schon lässig mit dem baldigen Umzug der Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften um. Das liegt aber auch daran, dass „wir etwas angenervt sind, dass überall der Tod Bockenheims beschrien wird“. Generell habe man in der Buchhandlung keine hohen Ansprüche: „Wir sind als Kollektiv organisiert und betreiben sowieso schon seit Jahren fröhliche Selbstausbeutung.“

Kopie-Corner

Shahab Hosseini, Mitinhaber des Kopie-Corner.
Shahab Hosseini, Mitinhaber des Kopie-Corner.
Foto: Chris Hartung

Shahab Hosseini, Mitinhaber des „Kopie-Corner“ in der Adalbertstraße, hat Glück: Viele Studenten, deren Fachbereiche schon ins Westend umgezogen sind, kommen weiterhin zu ihm, um größere Arbeiten drucken zu lassen. „Bockenheim hat sich als Copy-Zentrum etabliert – da ist es nicht so wichtig, auf welchem Campus man studiert.“ Er bemüht sich weiter um Studenten, lockt mit Angeboten, hat Flyer auf dem neuen Campus verteilen lassen. Ans Umziehen denkt er nicht.

Copie etc.

 Necat Sarnik vom Copie etc.
Necat Sarnik vom Copie etc.
Foto: Chris Hartung

Necat Sarnik macht sich über die Zukunft keine Illusionen mehr. Der immer freundliche Herr über das kleine Reich des Copies etc. in der Gräfstraße ist ausschließlich auf Laufkundschaft angewiesen – hauptsächlich Studenten der Erziehungswissenschaften, die bei ihm die Seminarlektüre kaufen, die ihre Dozenten vorher bei Sarnik in Druck gegeben haben. „Wenn die weg sind, kommt hier niemand mehr her.“ Er ist sicher: „Diese Filiale wird komplett geschlossen.“

Café Albatros

 Eliza Lein vom Café Albatros.
Eliza Lein vom Café Albatros.
Foto: Chris Hartung

Eliza Lein ist skeptisch: Im Café Albatros sind zwar an diesem Nachmittag rund die Hälfte der Tische besetzt, aber die Kellnerin, die seit neun Jahren hier arbeitet, sorgt sich um die Zukunft ihres Arbeitsplatzes. „Seit ein paar Jahren wird es vor allem mittags immer leerer.“ Sie ist überzeugt, dass das am Umzug der Uni liegt. „Schließlich sind wir das Studentencafé in Bockenheim. Wenn dieses Label wegfällt, dann wird das hier ein stinknormales Bockenheimer Restaurant.“

Volkswirtschaft

Karsten Maaß,  Pächter und Wirt der Volkswirtschaft.
Karsten Maaß, Pächter und Wirt der Volkswirtschaft.

Karsten Maaß hat als Pächter und Wirt 1997 die „Volkswirtschaft“ in der Jordanstraße eröffnet. Die „Vowi“ war zunächst eine reine Uni-Kneipe. Das wurde Maaß bewusst, als die Uni begann, sukzessive Studenten aus Bockenheim abzuziehen. „Wir merken seit Jahren, dass viel weniger Leute kommen.“ Maaß hat Konsequenzen gezogen, öffnet nun erst um sechs Uhr abends: „Wer tagsüber in eine Kneipe kommt, ist entweder Schwerstalkoholiker oder Student. Und die Ersteren sind nicht unsere Klientel.“ Leben kann er trotzdem noch von dem, was die „Vowi“ einbringt.

Frankfurt Bockenheim - die neue Ära ohne Uni

Bildergalerie ( 25 Bilder )
Autor:  Alicia Lindhoff
Datum:  31 | 1 | 2012
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