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Goethe-Uni: Vorwürfe gegen Asta-Chefin

Im Gremium der Goethe-Uni brodelt's heftig. Der Asta-Vorsitzenden wird vorgeworfen, sie habe eigenmächtig einen vom Studentenparlament abgesegneten Tarifvertrag geändert und bekomme "die einfachen politischen Tätigkeiten" nicht auf die Reihe.

Claudia Tinaui (rechts) leitet den Asta, Jessica Lütgens hat ihr Amt niedergelegt.  Foto: Christoph Boeckheler

Im Asta der Goethe-Uni läuft zur Zeit nicht mehr viel zusammen. Eine Vorsitzende übt ihr Amt nur noch kommissarisch aus, die zweite erscheint ein wenig amtsmüde. Dabei brodelt es im Hintergrund: Die Juso-Hochschulgruppe sowie der universitäre Arm von Attac (Attac/is) erheben massive Vorwürfe und fordern den Rücktritt der verbliebenen Vorsitzenden, Claudia Tinaui von den Schildkröten.

Der Hauptgrund: Sie habe eigenmächtig einen vom Studentenparlament abgesegneten Tarifvertrag geändert. Der Vertrag soll den Angestellten, die der Asta beschäftigt, ein tarifrechtlich abgesichertes Arbeitsverhältnis garantieren. Aber auch andere Vorwürfe gehen an die Adresse der Asta-Vorsitzenden. Tinaui sei weder politisch präsent – etwa beim Thema Wohnungsnot – noch bekomme sie „die einfachen unpolitischen Tätigkeiten“ auf die Reihe. Zuletzt habe das Studentenparlament drängen müssen, damit das Quartier Latin, als Studentenfest eine Institution an der Goethe-Uni, stattfinde.

Die Asta-Vorsitzende weist die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurück. Nach ihrer Darstellung gehe die kritisierte Vertragsänderung nicht auf ihr Wirken zurück, sondern sei von Betroffenen und einem eingeschalteten Vertreter der Gewerkschaft Verdi vorgenommen worden. Die Besonderheit im Vertrag: Er ist zwar für die rund anderthalb Dutzend Angestellten – vom Geschäftsführer bis zum Hausmeistergehilfen – abgefasst, führt aber mehrere Posten auf, die davon ausgenommen sind. Für die würde der Vertrag finanziell eine Verschlechterung bedeuten.

Im nun vorliegenden Kontrakt wurde, so die Auskunft von Beteiligten, eine weitere Ausnahme eingefügt. Nach Auskunft von Tinaui falle der Posten des „Hausreferenten“, um den handelt es sich, „eh nicht“ in den Vertragsbereich. Wer die Textänderung betrieb, und ob es mit einer finanziellen Verschlechterung verbunden ist, ließ sich bislang nicht klären – Aussage steht gegen Aussage.

Als Grund für die späte Ausschreibung des Quartier Latins gibt Tinaui die ungewisse Raumsituation an. Es sei unklar gewesen, ob die Unileitung den üblichen Raum zur Verfügung stelle: „Die Zusage fehlte.“ Die liegt mittlerweile vor. Tinaui geht davon aus, dass trotz der Verspätung das Quartier Latin stattfindet.

Die Rücktrittsforderung will die seit März amtierende Vorsitzende nicht direkt kommentieren. Sie hat den Januar im Blick: Da steht die nächste Wahl zum Studentenparlament an: „Die Karten werden neu gemischt.“

Ob dann die aktuelle Koalition noch Bestand hat, ist mehr als ungewiss: Von der Grünen-Hochschulgruppe mit sechs Sitzen abgesehen, kommen die anderen Partner wie Demokratische Linke Liste, Linke Liste, „Pinguine“, Sozialistisch-Demokratischer Studierendenverband und Fachschaftsinitiative Demokratische Hochschule je auf einen Sitz, die „Schildkröten“ auf zwei. Über ihre Position danach hat sich Tinaui „noch keine Gedanken gemacht“. Sie hält die Vorwürfe von Jusos und Attac/is, die den vorherigen Asta-Vorstand gestellt haben, für den Beginn des Wahlkampfes.

Die wenig professionelle Außendarstellung der Interessenvertretung von 41 000 Studenten – Tinaui war erst nach mehreren Tagen und Anläufen zu erreichen – hat ihre Gründe im Bruch innerhalb der Koalition. Im Oktober hatte die zweite Asta-Vorsitzende, Jessica Lütgens von den Grünen, ihr Amt niedergelegt und versieht den Job seither nur noch kommissarisch. Hintergrund dafür ist ein seit langem schwelender Streit unter den Studentengruppen.

Im Kern geht es um den Führungsstil im Asta: Soll der hierarchisch oder kollegial sein? Außer dem Vorstand müssten dann auch die rund 16 Einzelreferate in Entscheidungen eingebunden sein. Juso-Wortführer Hans-Georg von Schweinichen hält das für schwierig: „Der Asta ist jetzt schon schwerfällig.“ Über diese Frage diskutieren die Hochschulgruppen seit Jahren. Für eine Änderung der Verfassung – etwa eine Gleichstellung von Vorstandsmitgliedern und Referenten – braucht es eine Zweidrittelmehrheit. Unter den gegebenen Mehrheitsverhältnissen praktisch ein Ding der Unmöglichkeit.

Auch Nadia Sergan, Grüne und Ex-Asta-Chefin, bestätigt, dass aufgrund der „verschiedenen Vorstellungen“ die Zusammenarbeit immer schwieriger geworden sei. Der Versuch, ohne Verfassungsänderung die Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen, sei schiefgegangen. Ihr ist die Struktur jedoch nicht so wichtig. Entscheidender sei, dass das Bachelor-Studium kaum Raum für die Arbeit im Asta lasse: „Das muss sich ändern.“

Autor:  Alexander Kraft
Datum:  14 | 12 | 2011
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