Aktuell: Zuwanderung Rhein-Main | Fotostrecken | Polizeimeldungen
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Campus
Campus-News: Studium und Studenten-Leben an den Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet

15. Januar 2016

Goethe-Universität: "Pick-Up-Artist" verklagt Asta

 Von 
Über was der Asta der Goethe-Universität berichten darf, ist gesetztlich geregelt.  Foto: Peter Jülich

Das Oberlandesgericht untersagt dem Frankfurter Asta die Berichterstattung über einen Studenten, der nebenberuflich als sogenannter Pick-Up-Artist arbeitet. Er bringt Männern bei, wie sie „auf einfache Art Frauen erfolgreich verführen“.

Drucken per Mail

Mehrere Autorinnen haben vergangenen Sommer in der Asta-Zeitung der Frankfurter Universität Übergriffe auf Frauen und den damit verbunden Sexismus auf dem Campus Westend angeprangert. Auch wurde ein Frankfurter Vertreter des Casanova Coachings, der an der Goethe-Uni studiert, in einem Artikel namentlich genannt. Auf der Webseite dieser Kölner Coaching-Agentur wird damit geworben, dass die Trainer Männern in Seminaren beibringen, wie sie „auf einfache Art Frauen erfolgreich verführen“. Ein Markenzeichen der so genannten Pick-Up-Artists ist, dass sie im großen Stil Frauen an öffentlichen Orten ansprechen, um letztlich mit ihnen sexuelle Handlungen zu vollziehen.

Der Betroffene hat daraufhin vor Gericht eine Unterlassungsklage gegen die Berichterstattung des Asta (Allgemeiner Studierendenausschuss) eingereicht. Nachdem das Landgericht Frankfurt seine Beschwerde abgewiesen hatte, hat das Oberlandesgericht nun dem Asta mittels einer einstweiligen Verfügung untersagt, über den nebenberuflichen Pick-Up-Artist identifizierend zu berichten, auch wenn es sich dabei um Studenten der Universität Frankfurt handele. Bei Zuwiderhandlung wird ein Ordnungsgeld bis zu 250 000 Euro fällig.

Der Asta-Vorsitzende Valentin Fuchs (Grüne Hochschulgruppe) kritisierte das Urteil und kündigte an, dass der Asta die einstweilige Verfügung und die damit verbundene Zensur nicht akzeptieren werde. Er pocht auf das studentische Presserecht und beharrt darauf, dass der Asta die Interessen der Studierenden öffentlichkeitswirksam vertreten dürfe. Dazu gehöre ihrem Selbstverständnis nach, auch feministische Positionen zu vertreten.

„Gerade nach den Vorfällen in Köln kann ich die Entscheidung des Gerichts nicht nachvollziehen“, sagte Fuchs der Frankfurter Rundschau. Der Asta bemängelt, dass bei der Entscheidungsfindung im Gerichtsaal formale Fragen im Vordergrund standen. Dass es sich bei den Annäherungstechniken der Pick-Up-Artists um „gewalttätige Übergriffe“ handele, sei jedoch kein Thema bei der juristischen Auseinandersetzung gewesen, kritisieren die Studierendenvertreter.

Wie hohe Wellen sexistische Aufreißer-Seminare in den Medien, aber auch in der Gesellschaft schlagen, zeigte sich in Frankfurt bereits Ende 2014.

Damals hatte ein anderer Pick-Up-Artist stadtweit für Empörung gesorgt und eine heftige Sexismus-Debatte ausgelöst: Der bekannte US-Amerikaner Julien Blanc wollte eins seiner manipulativen Aufreißer-Seminar in Frankfurt abhalten, das die Stadtverordneten jedoch per Eilantrag untersagten.

Im aktuellen Rechtsstreit stellt Medienanwalt Lucas Brost von der Kölner Kanzlei Höcker auf FR-Anfrage die Persönlichkeitsrechte seines Mandanten in den Vordergrund und klagt den Asta an, seine Befugnisse zu überschreiten: „Anstatt die Regeln einer fairen Berichterstattung zu berücksichtigen, stellt der AStA einen Studenten in seiner Zeitung derart an den Pranger, dass er in der Folge bedroht wird. Zur Rechtfertigung beruft er sich auf Grundrechte, ohne zu erkennen, dass er dies als staatliche Stelle nicht darf.“

Der Asta-Vorsitzende Fuchs wiederum weist darauf hin, dass der Frankfurter Casanova-Coach zuvor selbst die Medienöffentlichkeit gesucht habe: In einem ARD-Fernsehbeitrag zeigte dieser beispielsweise, wie er seine Anbagger-Methoden bei Frauen auf der Zeil einsetzt. In dem TV-Beitrag vom April 2014 distanziert sich der Betroffene zwar von manipulativen Techniken, sieht sich aber als Teil der Szene, die darum wetteifere möglichst viele Frauen in kurzer Zeit zu verführen.

Das Oberlandesgericht Frankfurt stellt nun klar: „Bei der Pick-Up-Artists-Szene handelt es sich erkennbar um ein Phänomen von allgemeiner sozialer Bedeutung, das die Öffentlichkeit, insbesondere Frauen jüngeren Alters gleichermaßen angeht und Fragen der Hochschulpolitik oder sonstige studentische Angelegenheiten nicht in besonderer hochschulspezifischer Weise betrifft.“ Dass sowohl Studenten der Goethe-Uni der Pick-Up-Szene angehören als auch Studentinnen zu ihrer Zielgruppe gehören, erkennt das Gericht zwar an. Nur begründe dieser Fakt allein noch nicht dem im Hessischen Hochschulgesetz geforderten Hochschulbezug, im Rahmen dessen dem Asta Meinungsäußerungen gestattet sind.

Das Gericht stellt fest, dass es keinen Zusammenhang zwischen den Übergriffen auf dem Campus und den Aktivitäten des in der Asta-Zeitung namentlich genannten Casanova-Coach gibt. Daher müsse es der Kläger nicht hinnehmen, dass er durch die Berichterstattung „nachhaltig der Kritik ausgesetzt wird“. Zudem verletzte der Artikel das Recht am eigenen Bild, der Betroffene sei darauf für sein soziales Umfeld unschwer zu erkennen. Doch in dem Streit ist das letzte Wort offenbar noch nicht gesprochen: Wie es derzeit aussieht, geht die Auseinandersetzung vor Gericht vermutlich in die nächste Runde. Die Prozesskosten trägt am Ende die Partei, die den Streit verliert.

[ Lesen Sie jetzt das EM-Spezial der FR - digital oder gedruckt sechs Wochen lang ab 27,30 Euro. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Übersicht

Wir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie bitte auf das orange Symbol.

Regionale Startseite

Frankfurt

Rhein-Main

Bad Homburg, Hochtaunus

Bad Vilbel, Wetterau

Darmstadt

Kreis Groß Gerau

Hanau, Main-Kinzig

Main-Taunus

Offenbach

Kreis Offenbach

Wiesbaden

Twitter

Anzeige

Mountainbike-Touren im Video
ANZEIGE
- Partner