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14. Dezember 2012

Goethe-Universität Frankfurt Homosexualität: Klein, aber nicht dumm

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Größe ist nicht alles, das beweisen die kleinen Männchen der Atlantikkärpflinge einfallsreich.  Foto: Goethe-Universität

Getrickst wird auch in der Männerwelt unter Wasser. Warum Fische homosexuelles Verhalten an den Tag legen, haben Frankfurter Evolutionsbiologen herausgefunden.

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Der Atlantikkärpfling ist ein Fisch – und zumindest so manches Männchen dieser Gattung ein echter Blender. Mitnichten lebt er im Atlantik oder in irgendeinem anderen salzigen Meer. Der wenige Zentimeter kleine Fisch treibt sich vielmehr in Flüssen in Mexiko herum, ist also ein tropischer Süßwasser-Geselle. Das Männchen legt Verhaltensweisen an den Tag, die mehr Schein als Sein sind – vor allem um die Kärpfling-Damenwelt zu beeindrucken. Der Grund, wie so oft: Sexualkontakte.

Vor allem die kleinen Atlantikkärpfling-Männchen haben es bei den Weibchen schwer. Die stehen mehr auf die großen, schillernd bunten Exemplare ihrer Art. Klingt irgendwie bekannt. Da die Anzahl der Nachkommen in der Evolutionsbiologie jedoch die entscheidende Frage für den Erfolg eines Individuums ist, greifen die kleinen Männchen zu einer List. Sie stellen nicht nur den Weibchen nach, sondern suchen sexuellen Kontakt auch zu ihren eigenen Geschlechtsgenossen. Sie zeigen homosexuelles oder vielmehr bisexuelles Verhalten und täuschen gar Scheinkopulationen mit anderen Männchen vor.

Sex mit Männchen macht attraktiver

Was in der menschlichen Damenwelt nicht immer unbedingt die passende Strategie wäre, hat bei Atlantikkärpfling-Weibchen Erfolg. „Sexuelle Aktivität an sich ist ein Qualitätsmerkmal, das gesunde von kranken Partnern unterscheidet“, hat David Bierbach, Wissenschaftler an der Frankfurter Goethe-Universität herausgefunden. Auch kleine Kärpflinge wirken so attraktiver und haben bei den Weibchen größere Fortpflanzungschancen.

Der Evolutionsbiologe schreibt gerade an seiner Doktorarbeit über „Die Partnerwahl im sozialen Kontext“. Gegenstand der Untersuchung ist das Paarungsverhalten besagter mexikanischer Kärpflinge. Bierbach und Privatdozent Martin Plath haben damit zumindest für diese Fischart das Auftreten homosexuellen Verhaltens entschlüsselt, das Forschern in der Tierwelt Rätsel aufgibt.

David Bierbach (r.), Martin Plath und die Kärpflinge im Labor.
David Bierbach (r.), Martin Plath und die Kärpflinge im Labor.
 Foto: Rolf Oeser

Fische und Säugetiere sind der Forschungsschwerpunkt der Evolutionsbiologen um Martin Plath. „Fische“, sagt der Privatdozent, „sind ideal für die Verhaltensforschung.“ Sie sind klein, gut zu halten und verfügen über ein Kommunikationsnetzwerk untereinander. Jeder im Schwarm beobachtet jeden. Seit 12 Jahren schon arbeiten die Frankfurter Forscher mit dem lebendgebärenden Atlantikkärpfling. Einmal im Jahr reisen Dozenten und Studenten nach Mexiko zu Forschungszwecken, unterhalten regen Kontakt zu Fischbiologen im Land.
Im institutseigenen Labor tummeln sich die tropischen Süßwasserfische in zahlreichen Aquarien. Für seine Doktorarbeit hat Bierbach den Weibchen Videos vorgeführt. Zwei große Monitore hat er vor dem Aquarium aufgebaut und Computeranimationen ablaufen lassen. Können Fische sehen? Ja, können sie, sagt Bierbach. „Farben sogar besser als Menschen und selbst UV-Strahlen sind für sie sichtbar.“

Kärpfling-Weibchen schauen Videos

Der 28-jährige Forscher hat dem Weibchen im Aquarium Männchen auf den Monitoren vorgeführt, die auch homosexuelles Verhalten zeigen. Gemessen hat Bierbach dann die Zeit, die die Kärpfling-Dame bei bestimmten Szenen vor dem Monitor verbracht hat. Das hat er mit 100 Weibchen wiederholt.

Dozent Martin Plath ist begeistert. Mit Hilfe digitaler Hightech mit Fischen zu kommunizieren, „ist ein Traum“, sagt der 38-Jährige. In der Verhaltensbiologie gebe es viel „statistisches Rauschen“. Gemeint sind damit Reaktionen, die nicht eindeutig zugeordnet werden können. Tiere machen bei Versuchen ja nicht immer das, was die Forscher wollen. Mit Videos lassen sich jedoch gezielt bestimmte Verhaltensweisen vorspielen und die Antworten darauf ablesen. Und die Atlantikkärpflinge verhalten sich im Labor ähnlich wie in freier Natur.
Lässt das Rückschlüsse auch auf andere Tierarten zu? Die Forscher wollen das jetzt auch bei anderen Fischarten testen.

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