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Goethe Universität: Schrecken von Auschwitz

Studenten der Frankfurter Goethe Universität zeigen eine Ausstellung zum Auschwitz-Lager Monowitz. Ihre Fotos zeigen Unerwartetes, kein Schild mit „Arbeit macht frei“, keine Gaskammern.

        

Nikolas Lelle, Marie Schulz-Triebe, Tobias Schmitz und Lisa Gehrlein (von links) vor den Fotos ihrer Ausstellung.
Nikolas Lelle, Marie Schulz-Triebe, Tobias Schmitz und Lisa Gehrlein (von links) vor den Fotos ihrer Ausstellung.
Foto: Chris Hartung

Es sind exakt 753 Kilometer. 753 Kilometer und über 66 Jahre, die zwischen dem friedlichen Treiben dieses Morgens und dem Grauen von damals liegen. So wenige Kilometer nur trennen das IG-Farben-Haus auf dem Campus Westend der Goethe-Uni vom polnischen Arbeitslager Buna-Monowitz, bekannt als Auschwitz III. Bis zu 11.000 meist jüdische Zwangsarbeiter schufteten hier für den seinerzeit größten deutschen Konzern. Wer krank wurde oder zu schwach, wurde in die Gaskammern geschickt.

Gedenktag

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee Auschwitz. Seit 1996 ist dieser Tag offizieller deutscher Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus.

Die Foto-Ausstellung ist im Foyer des IG-Farben-Hauses bis 3. Februar von 7 bis 22.30 Uhr zu sehen. Zum Jahrestag werden dort heute, 12.30 Uhr, die Namen der Opfer von Monowitz verlesen.

Tobias Schmitz steht im Foyer des Hochhauses. „Hier war die Konzern-Zentrale. Hier wurde entschieden, was in Monowitz umgesetzt wurde“, sagt der Geografiestudent. „Die wenigsten Studenten kennen die Geschichte des Uni-Campus und des Lagers. Wir wollen einen Beitrag zur Aufklärung leisten.“ Mit seinen Kommilitonen Lisa Gehrlein, Marie Schulz-Triebe und Nikolas Lelle hat Schmitz im vergangenen Herbst eine Studienfahrt nach Auschwitz unternommen. Die Freunde haben Fotos vom Stammlager, von Birkenau und Monowitz mit nach Hause gebracht. Die zeigen sie zum heutigen Gedenktag der Auschwitz-Befreiung im Foyer des IG-Farben-Hauses.

„Es gibt immer weniger Zeitzeugen. Einen Besuch in Auschwitz sollte man nicht aufschieben“, sagt Lisa Gehrlein, Studentin der Erziehungswissenschaften. Sie haben mit Zeitzeugen dort gesprochen, mit Wilhelm Brasse, dem Fotografen des Lagers. Nachzulesen in einem Interview in der Asta-Zeitung. „Uns war schon vor der Fahrt klar, dass wir unseren Besuch dokumentieren wollten“, erzählt Nikolas Lelle. Bewusst haben sie für ihre Ausstellung daher den Ort und Zeitpunkt ausgesucht. Ihre Fotos zeigen Unerwartetes, kein Schild mit „Arbeit macht frei“, keine Gaskammern oder Häftlingsbilder. „Wir wollten nichts Plakatives dokumentieren oder das, das jeder kennt“, sagt Tobias Schmitz. Nichts, das zum „etablierten, alltäglichen Erinnerungsdiskurs“ gehört. Stattdessen zeigen sie scheinbare Kleinigkeiten, subjektive Eindrücke – wie den grünen Rasen, den es früher nicht gab, oder das rote Gartenhäuschen am Eingang zum Vernichtungslager.

Weil sie auf den Spuren der Campus-Historie wandeln wollten, ist Monowitz ihr Schwerpunkt. Das Dorf ist bewohnt. Alles wirkt geradezu unnormal normal. Wären da nicht Bunkerreste oder Betonpfähle, die früher Stacheldraht hielten und heute Gartenzäune. Die Studenten haben Satellitenbilder des Dorfes mit Lagerzeichnungen verglichen. „Die Umrisse sind noch immer gleich“, sagt Marie Schulz-Triebe. Für September haben sie eine Studentenfahrt nach Auschwitz organisiert. Die 15 Plätze waren sofort belegt.

Autor:  Astrid Ludwig
Datum:  27 | 1 | 2012
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