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Campus
Campus-News: Studium und Studenten-Leben an den Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet

28. Januar 2014

Goethe-Universität: Uni Frankfurt soll Adresse ändern

 Von Martin Steinhagen
Im November 2008 wurde auf dem Campus Westend der Goethe-Universität das Norbert Wollheim Memorial eröffnet.

Der Studienkreis Deutscher Widerstand will den Platz vor der Frankfurter Goethe-Universität nach dem KZ-Überlebenden Norbert Wollheim benennen.

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Die Forderung ist nicht neu. Bereits vor 10 Jahren hatten Überlebende des Konzentrationslagers Buna/Monowitz sich gewünscht, dass der Platz vor dem ehemaligen Hauptsitz der IG Farben im Frankfurter Westend umbenannt wird. Jetzt wurde dies im Rahmen einer Tagung an der Goethe-Universität, die das Gebäude seit 2001 nutzt, wieder aufgegriffen.

Der Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 hat die Konferenz zur Vermittlung der Geschichte des Nationalsozialismus in Kooperation mit der hessischen Landeszentrale für politische Bildung und der Universität ausgerichtet und ist Initiator der Resolution. Darin werden die Stadt Frankfurt und die Universität aufgefordert, den Platz nach dem KZ-Überlebenden Norbert Wollheim zu benennen. „Wenn wir in diesen Räumen tagen, dann müssen wir uns auch mit der Geschichte des Ortes auseinandersetzen“ erklärt Cora Mohr, Vorstandsmitglied im Studienkreis.

Dementsprechend beschäftigte sich ein Workshop mit dem Umgang der Universität mit dem Gelände.

„Massiver Druck“

Die IG Farben hatten dort ihr Verwaltungsgebäude. Während des zweiten Weltkriegs hatte das Chemieunternehmen eine Fabrik in der Nähe des Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz errichten lassen. Die Zwangsarbeiter, die auf der Baustelle arbeiteten, wurden in dem dafür angelegten KZ Buna/Monowitz inhaftiert. Zehntausende Menschen starben dort oder wurden als „Arbeitsunfähige“ in Auschwitz ermordet. Am Beispiel der Auseinandersetzung um das Norbert-Wollheim-Memorial, ein kleiner Bau am Rande des Campus, das an die Häftlinge des KZ erinnert, referierte der Politologe Peer Heinelt auf der Tagung zu den Auseinandersetzungen um die Form der Erinnerung daran. „Erst auf massiven Druck, gerade auch von Studenten, musste die Strategie der Reinwaschung aufgegeben werden“, resümiert er.

Ein Streitpunkt war dabei stets der Name des Ortes. „Das Gelände und die Haltestelle heißen Campus Westend, die Adresse der Uni ist der Grüneburgplatz – aus der öffentlichen Wahrnehmung ist das IG-Farben-Haus getilgt“, findet Heinelt. Mit den Teilnehmern wurde deshalb auch über die Forderung nach einer Umbennenung des Platzes diskutiert, die auch eine Änderung der Postadresse der Universität zur Folge hätte. Der Studienkreis Deutscher Widerstand entschied sich daraufhin eine Resolution zu verabschieden. Stadt und Universität werden aufgefordert, die Umbennenung zu veranlassen – „auch wenn dieses Zeichen der Erinnerung für die meisten aus der Generation der Überlebenden leider viel zu spät kommt“, wie es in dem Text heißt.

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Universität, das dieses Jahr gefeiert wird, wäre dies „ein notwendiges Zeichen“. Der Name Norbert Wollheim soll dabei sowohl an das Leid der Opfer als auch an ihren Kampf um Entschädigung erinnern. Wollheim musste für die IG Farben Zwangsarbeit leisten und war in dem KZ inhaftiert. Vor seiner Deportation hatte er bis 1939 Transporte für jüdische Kinder organisiert, die so aus Deutschland fliehen konnten. Nach Kriegsende verklagte Wollheim die IG Farben in Auflösung auf Entschädigung. Er erreichte ein Abkommen und kümmerte sich mit um die Verteilung der erstrittenen Gelder an Überlebende. Olaf Kaltenborn, Sprecher der Universität, lag die Resolution am Montag noch nicht vor. Er wollte sich deswegen dazu nicht äußern.

„Man kann uns eines nicht vorwerfen: Dass wir mit der Geschichte des Geländes nicht verantwortungsbewusst umgehen“, sagt er. Damit die Resolution Erfolg hat, müsste sie sich zunächst der Ortsbeirat zu eigen machen. Die Stadt Frankfurt führt eine Liste mit Vorschlägen für die Bennenung von Straßen. Dort ist der Name Norbert Wollheim bereits zu finden.

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