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Campus-News: Studium und Studenten-Leben an den Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet

14. August 2014

Goethe-Universität: Von Habermas lernen

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Inspirierend: Jürgen Habermas' Theorie des kommunikativen Handelns.  Foto: Martin Gerten/dpa

Rund 700 Wissenschaftler diskutieren an der Goethe-Universität in Frankfurt über Internationale Beziehungen. Dabei stehen die Denkansätze des Philosophen und Soziologen Jürgen Habermas im Mittelpunkt.

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Krieg und Frieden sowie ganz allgemein dem Verhältnis zwischen Staaten widmet sich in der Politikwissenschaft die Teildisziplin Internationale Beziehungen. Bei der Jahreskonferenz der Fachvereinigung World International Studies Committee an der Goethe-Universität in Frankfurt war unter anderem die Denktradition ein Thema, welche die Hochschule in den Geistes- und Sozialwissenschaften bekannt gemacht hat.

Vier Politikwissenschaftler fragten etwa, was die Kritische Theorie in den Internationale Beziehungen beizutragen hat. Beate Jahn, Professorin für Internationale Beziehungen in Sussex, identifizierte drei große Rezeptionswellen der Kritischen Theorie in ihrem Fach. In den 1980er Jahren hätten Wissenschaftler in England Kategorien aus Jürgen Habermas’ Werk in die Sprache der Internationalen Beziehungen „übersetzt“. In Frankfurt selbst habe die Habermas-Rezeption in den Internationalen Beziehungen dagegen erst in den 1990er Jahren begonnen.

Lothar Brock war damals Professor für Internationale Beziehungen in Frankfurt, als Habermas’ Theorie systematisch in seiner Teildisziplin rezipiert wurde. Vor allem dessen Theorie des kommunikativen Handelns, bereits 1981 erschienen, inspirierte viele Politikwissenschaftler.

Sie habe als Alternative zu den vorherrschenden Rational-Choice-Ansätzen und dem sogenannten Realismus gegolten, der vor allem mit der Machtverteilung zwischen den Staaten deren Verhalten erklärt. Außerdem lieferte Habermas aus seiner Sicht damals „eine emanzipatorische Perspektive jenseits von Marx“. Auch Habermas selbst beteiligte sich an den Debatten. Seine Positionen wurden aber nicht immer geteilt. Für Diskussionen sorgte, dass er für den umstrittenen Bundeswehr-Einsatz in Jugoslawien argumentierte, so Brock.

Derzeit beobachtet Jahn eine dritte Welle, die sich vor allem auf Theodor W. Adorno beziehe und dessen Gesellschaftskritik auch gegen Habermas’sche Positionen stark machte. Zeit und Ort seien für die Rezeption entscheidend, sagte sie: In den 90ern endete der Kalte Krieg. Habermas’ Überlegungen zu einer politisch verfassten Weltgesellschaft, eine Vorstufe dazu erblickt er in der EU, schienen auf der Tagesordnung zu stehen. Den Rückgriff auf Adorno erklärt sie sich auch damit, dass dieser Optimismus heute längst verflogen ist.

Benjamin Herborth, der an der Universität Groningen arbeitet, argumentierte dafür, sich wieder stärker mit der Kritischen Theorie der frühen Jahre zu beschäftigen. Von Max Horkheimer könne man lernen, dass eine einfache „Übertragung“ einer Theorie auf einen anderen Gegenstand nicht sinnvoll sei, deswegen könne auch die Kritische Theorie nicht ohne Weiteres in die Internationalen Beziehungen übersetzt werden. Es komme darauf an, die Theorie an ihrem jeweiligen Objekt zu entwickeln und dabei den gesellschaftlichen Kontext zu reflektieren – auch den eigenen.

„Kritisch“ ist alles

Heute schmücke sich fast jeder wissenschaftliche Ansatz mit dem Adjektiv „kritisch“, aber auf das große gesellschaftliche Ganze – in den Worten der Kritischen Theorie: die Totalität – blicke kaum mehr jemand. „Wir müssen aber eine systematische Perspektive entwickeln und über die Probleme des Kapitalismus und nicht die bei Lehman Brothers sprechen.“ Es gehe nicht darum, schlicht „politisch Stellung zu beziehen“, sondern die Frage zu stellen, was es heute heiße, kritisch zu denken, so Herborth.

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Für Rainer Forst, Professor für Politische Theorie in Frankfurt, könnte ein solches Nachdenken von der Verdinglichungskritik der Kritischen Theorie profitieren. Zentrale Begriffe des Faches, wie Gerechtigkeit, Macht, Demokratie oder Menschenrechte, müssten wieder politisiert und nicht als feststehende, quasi-natürliche Kategorien verstanden werden.

Forst merkte an, dass das aus seiner Sicht auch für die Rede von der „Frankfurter Schule“ gilt. Davon im Singular zu sprechen, vereinheitliche die Theorien mit ihren unterschiedlichen Annahmen viel zu stark.

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