Vorsichtig fährt eine Art Minigabelstapler an das Hochregallager heran, hebt zwei schwarze quadratische Komponenten heraus und legt sie auf die Plattform eines Schlittens, der fast lautlos zur nächsten Station weitergleitet. Dort übernimmt ein Roboterarm die Montage des Steuerungsrelais, dessen richtiges Gewicht und Funktionstüchtigkeit später bei der Endkontrolle optisch und elektronisch überprüft wird. 20 Meter lang ist das Schienensystem in der Laborhalle des Fachbereichs Elektro- und Informationstechnik der Hochschule Darmstadt. Eine vollständige Fabrikmontagestraße en miniature. Vollautomatische Fertigungsprozesse wie im Automobilbau, in der Lebensmitteltechnik oder der Logistik können Studenten und Dozenten der Fachhochschule seit Mittwoch simulieren.
Bis zu 300 Studenten pro Jahr aus den Fachbereichen Elektro- und Informationstechnik, Mathematik und Naturwissenschaften sollen an der originalgetreu nachgebildeten Anlage auf die Bedingungen in der Industrie vorbereitet werden. Über zwei Jahre dauerte die Vorbereitung und Realisierung der Montagestraße. Rund 200000 Euro aus den sogenannten QV-Mitteln des Landes zur Qualitätsverbesserung der Lehre flossen in die Modellfabrik. Das Unternehmen Siemens sponserte die Anlage zusätzlich mit Sachspenden in Höhe eines fünfstelligen Eurobetrages.
Praxisnahe Ausbildung
„Das ist der neueste Stand der Technik“, erzählt Stephan Simons, Professor für Elektro- und Informationstechnik, der die Anlage zusammen mit seinem Mathematik-Kollegen, Professor Stephan Neser, initiiert hat.
Die Studierenden könnten nun sehr praxisnah ausgebildet werden, betont HDA-Präsident Ralph Stengler. Die „enge Verzahnung mit der realen Welt“ sei Grundprinzip der Hochschule. Dazu zählt Stengler auch das interdisziplinäre Teamwork, das die Anlage ermöglicht habe und auch künftig die Arbeit dort bestimmen soll.
Professor Simons war es wichtig, dass „in der Montageanlage nicht mit Fischertechnik-Modellen gearbeitet wird, sondern mit realen Komponenten“. Die Fertigungsstraße ist flexibel erweiterbar, so dass die Studenten fortlaufend daran arbeiten und sie weiterentwickeln können. Die Anlage führe Studenten an eine Welt heran, „die technisch immer komplexer wird“, so Simons. Im Team arbeiteten sie an einzelnen überschaubaren Aufgaben, die leicht zu handhaben seien. Die Gruppen setzen sich aus Studenten verschiedener Fachrichtungen wie Optotechnik, Bildverarbeitung oder Mechatronik zusammen.
Üben sollen sie, ihr Wissen aus ihren Studiengängen miteinander zu vernetzen. Ziel sei, das „Systemdenken“ der Studenten zu schulen. Und sie auch zu motivieren. Simons: „Wir müssen junge Leute für Technologie begeistern.“ In den Osterferien sind daher auch erste Veranstaltungen in der Modellfabrik für Schüler geplant, um für Mathematik, die naturwissenschaftlichen und technischen Fächer zu werben.