Aktuell: FR-Recherche: Medikamententests an Heimkindern | Zuwanderung Rhein-Main | Fotostrecken | Polizeimeldungen
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Campus
Campus-News: Studium und Studenten-Leben an den Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet

15. Mai 2012

IVI Frankfurt: Instituts-Besetzern fehlt das Geld

 Von Hanning Voigts
Das Haus Kettenhofweg 130: Das IvI.  Foto: Chris Hartung

Zwei Monate nach dem Verkauf ist das Schicksal des IvI weiterhin unklar. Der neue Käufer Franconofurt AG will das kulturelle Zentrum notfalls räumen lassen.

Drucken per Mail

Zwei Monate nach dem Verkauf ist das Schicksal des IvI weiterhin unklar. Der neue Käufer Franconofurt AG will das kulturelle Zentrum notfalls räumen lassen.

"IvI bleibt!“ Der trotzige Slogan ist überall an der Frankfurter Senckenberganlage zu lesen. Auf Stickern prangt er an Laternenpfählen und Stromkästen. Und auf der Homepage des „Instituts für vergleichende Irrelevanz“ (IvI) steht, wie dort die Lage des seit 2003 besetzten Kulturzentrums eingeschätzt wird: „Das IvI ist bedroht!“ Denn die Goethe-Universität hat das Gebäude am Campus Bockenheim Anfang des Jahres verkauft.

Das Institut

Das Institut für vergleichende Irrelevanz (IVI) existiert seit 2003. Im Dezember 2003 besetzten Studierende das ehemalige Institut für Anglistik und Amerikanistik. Seither finden dort regelmäßig wissenschaftliche und kulturelle Veranstaltungen statt.

Das centro sociale soll allen offenstehen, vor allem aber gesellschaftlich Irrelevantisierten. Die Studierenden wollen „kritischer Wissenschaft“ Raum verschaffen, die sehen sie bedroht von einer immer ökonomischer organisierten Hochschule. http://ivi.copyriot.com

Trotzdem ist die Stimmung in dem Ferdinand-Kramer-Bau im Kettenhofweg an diesem Nachmittag alles andere als gestresst. Alle Türen stehen offen, in einem Seminarraum sitzen Leute rauchend um einen Couchtisch und diskutieren, der Raum nebenan wird frisch gestrichen. „Hier wird ein Café eingerichtet“, erklärt Sarah, eine IvI-Aktivistin, die mit ihren Mitstreitern Paul und Sabine durch das Haus führt. „Wir haben beschlossen, uns nicht einschüchtern zu lassen.“

Im Bezug auf ihre Zukunft tappen die Betreiber des IvI noch immer im Dunkeln. „Alle Versuche, Transparenz herzustellen, sind gescheitert“, klagt Paul. Im Grunde wissen sie nur so viel: Irgendwann im Sommer soll Franconofurt das Haus endgültig übernehmen. Die Projekte – Ausstellungen, Partys, Lesezirkel und die jedes Semester angebotene „Gegenuni“ – stünden vor dem Aus. „Dass wir Miete zahlen, ist illusorisch, weil wir uns über Spenden finanzieren“, sagt Sarah.

Einzigartig, kritisch, basisdemokratisch

Der Alltag im IvI basiert auf der Tatsache, dass das denkmalgeschützte Haus seit neun Jahren besetzt und damit kostenlos ist. „Eine Luxusposition“, gibt Sarah zu. Aber nur so könne das IvI für alle offen sein. „Es gibt wenig Orte in Frankfurt, wo man hingehen kann, wenn man wenig Geld hat“, sagt Sabine. Viele Projekte, wie die für Ende Juni geplante Tagung „Kunst Erkenntnis Problem“ zum Verhältnis von Kunst und Gesellschaftskritik seien „nirgendwo anders in dieser Form realisierbar“, ergänzt Paul. Das IvI sei ein kulturelles und soziales Experimentierfeld: einzigartig, kritisch, basisdemokratisch.

Unter anderem die Basisdemokratie ist es, die den neuen Besitzern von Franconofurt derzeit Kopfzerbrechen bereitet. Beim Kauf wurde geregelt, dass dem IvI ein Mietvertrag angeboten werden muss. Man sei deshalb vor Ort gewesen, aber gleich auf einen Beschluss des Plenums vertröstet worden, sagt ein Mitglied des Vorstandes. Auch Olaf Kaltenborn, der Sprecher der Goethe-Universität, beklagt, dass die Nutzer des „illegal besetzten Gebäudes“ keine persönlichen Ansprechpartner nennen wollten.

Das Mitglied des Franconofurt-Vorstandes sagt, das Unternehmen wolle das IvI gar nicht vertreiben. „Aber die können nicht erwarten, dass sie das Haus kostenlos bekommen.“ Etwa 4000 Euro Miete solle das Projekt einbringen. Schließlich habe das Haus rund eine Million Euro gekostet, da müsse wenigstens etwas Geld reinkommen. Der Kaufpreis ist übrigens interessant: Die Uni hütet ihn seit Monaten wie ein Staatsgeheimnis.

Wann die Immobilienfirma das Haus mit allen Rechten übernehmen kann, weiß man im Vorstand von Franconofort auch nicht. Das hänge von der Uni ab. In keinem Fall wolle man Strom und Wasser für das IvI zahlen, wie die Uni das derzeit tue. Und falls keine Einigung möglich sei, sei man auch bereit, das Haus räumen zu lassen. Ärger mit der linken Szene könne man aushalten.

Im IvI wird das weitere Vorgehen noch beraten. „Diskussionen dauern in so einem Projekt ewig“, sagt Sarah. In jedem Fall wolle man der Stadt ins Bewusstsein rufen, was für ein wertvoller Ort das IvI sei. „Eigentlich müsste genug Rückhalt da sein, um das Haus zu halten“, hofft sie. Eine Online-Petition zum Erhalt des IvI haben 1640 Menschen unterschrieben.

Mehr Infos zum IvI unter: ivi.copyriot.com

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Übersicht

Wir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie bitte auf das orange Symbol.

Regionale Startseite

Frankfurt

Rhein-Main

Bad Homburg, Hochtaunus

Bad Vilbel, Wetterau

Darmstadt

Kreis Groß Gerau

Hanau, Main-Kinzig

Main-Taunus

Offenbach

Kreis Offenbach

Wiesbaden


Auch unterwegs auf dem Laufenden:
„FR News“ –
die App für Ihr Smartphone.

Für iPhone und Android-Handys.
Jetzt downloaden!

In eigener Sache

FR erweitert den Regionalteil

Aus der Produktion unseres neuen Regionalteils.

Darf’s ein bisschen mehr sein? Kein Scherz, vom Wochenende an bekommen Sie in Ihrem Lokal- und Regionalteil mehr Frankfurter Rundschau als bisher. Und etwas anders wird sie auch, ihre FR.  Mehr...

Twitter

Anzeige

Mountainbike-Touren im Video
ANZEIGE
- Partner