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10. Januar 2013

Kindererziehung Goethe-Uni: "Eltern machen vieles intuitiv richtig"

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Früh übt sich, wer auch in Schule und Studium später mal erfolgreich und ohne Mühsal lernen will. Die Wurzeln dafür liegen im Kleinkindalter, FILU soll helfen.  Foto: Leber/Imago

Wie können Eltern ihren Kindern am besten beim Lernen helfen? Silke Hertel von der Frankfurter Goethe-Uni weiß, wie das geht. Die Pädagogin und das Projekt „FILU“ bieten Eltern in Kursen Strategien und Tipps.

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Wie können Eltern ihren Kindern am besten beim Lernen helfen? Silke Hertel von der Frankfurter Goethe-Uni weiß, wie das geht. Die Pädagogin und das Projekt „FILU“ bieten Eltern in Kursen Strategien und Tipps.

Frau Professorin Hertel, was können Eltern in Ihrem Kurs lernen?

Im Kurs erhalten Eltern Tipps, wie sie ihr Kind spielerisch beim Lernen unterstützen können. Es geht dabei zum einen um die geistige Entwicklung und zugleich darum, eine gute Beziehung zum Kind aufzubauen.

Haben Eltern nicht ein angeborenes Verständnis davon, wie sie mit ihrem Kind richtig umgehen?

Eltern machen vieles intuitiv richtig, manchmal sind sie aber auch unsicher. Es ist wichtig zu sehen und zu hören, wie andere Eltern das Gleiche erleben und was sie tun. Viele glauben, dass nur sie selbst diese oder jene Schwierigkeiten haben.

Schildern Sie uns bitte eine solche Situation.

Stellen wir uns vor, Eltern möchten mit ihrem Kind ein Puzzle machen oder einen Turm mit Bauklötzen bauen. Das Kind möchte aber nicht so, wie die Eltern es sich vorstellen. Eine klassische Trotzreaktion. Wie können Eltern es erreichen, dass ihr Kind das Puzzle oder den Turm zu Ende baut? Sollen sie vormachen, wie es geht? Oder nur ein paar Hinweise geben? Wie können Eltern außerdem Grenzen setzen und trotzdem die Selbstständigkeit des Kindes unterstützen? Das alles sind wichtige Fragen, die Eltern im Alltag beschäftigen.

Was wäre richtig? Gibt es dazu in Ihrem Elternkurs eine Anleitung?

Es gibt nie die eine richtige Lösung. Aber wir bieten verschiedene Strategien an und die Eltern können ausprobieren, was für sie passt und was am besten funktioniert. Dazu gehört auch zu beobachten, wie ihr Kind reagiert. Es könnte ja auch sein, dass es eigentlich Durst hat oder getröstet werden will, weil es das Puzzle nicht fertig lösen konnte. Vielleicht würde es dann genügen, das Kind kurz in den Arm zu nehmen und alles wäre gut, das Spiel ginge weiter und das Lernen auch. Es geht darum, die Signale des Kindes richtig zu deuten und die Balance zu finden, in welchen Situationen Eltern dem Kind seinen Willen lassen und wann sie es anleiten weiterzumachen.

Brauchen Eltern heute einen Leitfaden für die Erziehung und Anleitung vielleicht mehr als früher?

Es gibt unzählige Ratgeber und Leitfäden, das kann die Verunsicherung natürlich vergrößern. Zudem steigt die Anzahl der Eltern, die weniger stark in ein enges familiäres Umfeld eingebunden sind, also Großeltern und Geschwister nicht vor Ort haben. Da sind Eltern mit ihrem kleinen Kind oft auf sich allein gestellt. Bei Zuwanderern spielt zudem eine Rolle, dass der Umgang mit Kindern und die Erziehung von kulturellen Traditionen geprägt sind. Auch hieraus können sich Unsicherheiten ergeben. Unser Kurs kann hier Sicherheit vermitteln.

Was passiert in Ihrem Kurs?

Der Kurs findet an vier Nachmittagen statt, jeder Termin dauert etwa drei Stunden. Die Gruppen bestehen aus zehn bis zwölf Eltern, Mutter oder Vater, und uns Referentinnen. Nach dem Kennenlernen werden anhand von Videobeispielen Tipps und Strategien vorgestellt und eingeübt. Wichtig ist uns, die Erfahrungen der Eltern mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu verbinden. Die Kurse finden in regionalen Kinderbetreuungseinrichtungen oder bei uns im Institut statt. Bei Bedarf bieten wir gerne eine Kinderbetreuung vor Ort an.

Was kostet der Kursus die Eltern?

Nur die Zeit für den Kurs und zwei Befragungstermine. Die Kosten für den Kurs übernimmt der Träger des Forschungsprojektes FILU. Als Dank für ihr Engagement erhalten die teilnehmenden Familien Tageskarten für den Zoo und eine Teilnehmerurkunde mit Familienfoto als Erinnerung.

Warum bietet das Forschungsprojekt FILU einen solchen Kurs an?

Unser Interesse ist es herauszufinden, wie wirksam ein solches Präventionsprogramm ist. In unserem Forschungszentrum für Individuelle Entwicklung und Lernförderung (Idea) arbeiten wir gemeinsam daran, die Lernchancen von Kindern zu verbessern und auch Risikofamilien zu erreichen, die ihren Kindern – aus unterschiedlichen Gründen – weniger günstige Entwicklungs- und Lernumgebungen bieten. Je früher Eltern anfangen ihr Kind zu unterstützen und je sicherer sie darin sind, desto besser sind die Bildungschancen der Kinder im späteren Leben.

Wie möchten Sie die Erkenntnisse aus Ihrer Studie in den Alltag von Familien übertragen?

Wenn der Kurs im Rahmen der ersten Projektphase praktisch erprobt ist, möchten wir ihn als Unterstützungsangebot für Eltern großflächig anbieten. Hier können wir auf die Erfahrungen der Kolleginnen und Kollegen vom Institut für psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie des Universitätsklinikums Heidelberg zurückgreifen. Zudem möchten wir Erzieherinnen und Erzieher schulen, damit sie die Inhalte an die Eltern weitergeben können.

Das Interview führte Peter Hanack.

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