Aktuell: Zuwanderung Rhein-Main | Fotostrecken | Polizeimeldungen
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Campus
Campus-News: Studium und Studenten-Leben an den Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet

30. Oktober 2014

Konferenz "Informatik und Gesellschaft": Die Roboter-Diktatur

 Von 
Gerd Döben-Henisch plädiert für die Symbiose des Menschen mit dem Computer.  Foto: christoph boeckheler*

Professor Gerd Döben-Henisch plant eine öffentliche Konferenz zum Thema "Informatik und Gesellschaft" in Frankfurt. Gerade in der Informatik würde folgenreiche Forschung betrieben, die in der Gesellschaft diskutiert werden müsste.

Drucken per Mail

Kann man sich in ein Betriebssystem verlieben? Zuletzt ging der Kinofilm „Her“ dieser Frage nach. Die Informatik an den Hochschulen schaue hingegen nicht oft genug über den technischen Tellerrand hinaus, sagt Gerd Döben-Henisch, Professor an der Frankfurt University of Applied Sciences. Viele Forscher hätten Angst davor, sich allgemein verständlich zu äußern, „aber die Wissenschaft muss greifbar sein“. Gerade in der Informatik würde folgenreiche Forschung betrieben, die in der Gesellschaft diskutiert werden müsste.

Dazu will der 65-Jährige mit einer Konferenz an der Frankfurter Fachhochschule im November beitragen. Er hat vor allem Kollegen und ehemalige Studierende eingeladen und sie gebeten, über ihre Arbeiten zu sprechen. Aber eben so, dass nicht nur Spezialisten folgen können. Neben Vorträgen sind auch musikalische und künstlerische Beiträge geplant, weil auch hier die Informatik immer wichtiger werde, sagt der Professor. Döben-Henisch hat selbst vor einigen Jahren angefangen, experimentelle Musik mit dem Computer zu machen. Auf der Tagung will er eigene Kompositionen vorstellen, die er bisher unter einem Künstlernamen im Internet veröffentlicht hat.

An der Hochschule beschäftigt sich Döben-Henisch mit lernenden Systemen und hat den Masterstudiengang „Barrierefreie Systeme“ mitbegründet. Erst seit rund 15 Jahren ist er als Informatiker tätig. Studiert hat er Philosophie und Kognitionswissenschaften und ist Diplom-Theologe. Promoviert hat er zur mathematischen Beweistheorie. Bis zu seinem Austritt aus der Kirche 1990 war er mehr als 20 Jahre Mitglied des Jesuitenordens.

Konferenz

Die öffentliche Konferenz „Informatik und Gesellschaft“ tagt am Samstag, 8. November, von 13.30 bis 23 Uhr im Foyer des Gebäude der Frankfurt University of Applied Sciences (FH Frankfurt), Nibelungenplatz 1. Programm im Internet.

Döben-Henisch interessiert sich bis heute für Fragen, „die über den Horizont der Informatik hinausgehen“. Zunächst habe er begonnen, darüber auf seinem Blog zu schreiben. „Ich habe dann überrascht festgestellt, dass das auch jemand liest“, sagt er. Besonders die Frage, welche Gemeinsamkeiten bestehen zwischen dem was wir Computer nennen, dem menschlichen Geist und Lebensprozessen etwa in biologischen Zellen, treibt ihn um – sowie die gesellschaftlichen Folgen der zunehmenden Bedeutung von Computern für unser Leben.

Zu selten würden Konsequenzen aus der Durchdringung unseres Alltags von Maschinen, Computern und intelligenten Systemen reflektiert, sagt er. „Die Trennung zwischen Geisteswissenschaften und Informatik ist eigentlich veraltet“, findet Döben-Henisch. „Es wird immer wichtiger, dass wir uns als Menschen bewusst werden, was geschieht.“ Computer seien bereits jetzt dazu in der Lage, manche menschliche Fähigkeiten und Eigenschaften zu kopieren und Menschen in bestimmten Bereichen zu ersetzen.

Über die Zukunft werde meist in zwei Szenarien nachgedacht sagt Döben-Henisch: Einige glauben, dass Maschinen den Menschen tatsächlich überrunden, befürchten oder befürworten gar eine Art Roboter-Diktatur. Andere hoffen, dass Menschen die Potenziale der Technik nutzen können und damit eigene Fähigkeiten verstärken, statt sich von der Technik beherrschen zu lassen.

„Mir gefällt natürlich diese Symbiose-Idee besser“, sagt er. „Die Frage, was wir als Gesellschaft wollen, stellt sich heute aber neu und radikal.“ Dem Kapitalismus immanent sei schlicht eine weitere Automatisierung und Datensammlung. Entscheidend sei also, ob es gelingen könne, eine Zukunft zu gestalten, „in der Menschen mehr sind als bloße ‚Ressourcenverbaucher‘, als bloße ‚Konsumenten‘, als bloße ‚billige Arbeitskräfte‘, als bloßer ‚Kostenfaktor‘“, schreibt Döben-Henisch auf seinem Blog.

Auf der Konferenz will der Professor einige seiner Überlegungen zur Diskussion stellen. Auch soziologische Aspekte sollen von einem Kollegen beleuchtet werden, ein Vortrag widmet sich den automatisierten Fabriken, ein anderer dem Verkehr der Zukunft. Zwischendurch präsentieren Künstler ihre Werke und Döben-Henisch wird seine „radical unplugged music“ vorführen.

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Übersicht

Wir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie bitte auf das orange Symbol.

Regionale Startseite

Frankfurt

Rhein-Main

Bad Homburg, Hochtaunus

Bad Vilbel, Wetterau

Darmstadt

Kreis Groß Gerau

Hanau, Main-Kinzig

Main-Taunus

Offenbach

Kreis Offenbach

Wiesbaden

Twitter

Anzeige

Mountainbike-Touren im Video
ANZEIGE
- Partner