kalaydo.de Anzeigen

Kontinentaldrift: Und sie bewegen sich doch

Bei der Senckenbergischen Gesellschaft in Frankfurt kam Alfred Wegeners revolutionäre neue Weltsicht zunächst gar nicht gut an - heute ist der einst verlachte Forscher im Senckenberg-Museum ein Idol.

Alfred Wegener erforschte das ewige Eis und feuriges Himmelsgestein.
Alfred Wegener erforschte das ewige Eis und feuriges Himmelsgestein.
Foto: dpa

Seine Theorie war so ungeheuerlich wie Jahrhunderte zuvor die Behauptung, dass die Erde eine Kugel ist. Als Alfred Wegener sie erstmals am 6. Januar vor 100 Jahren auf der Vollversammlung der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft in Frankfurt der akademischen Welt vortrug, lachten und buhten seine Naturforscher-Kollegen ihn aus. Dass sich die Kontinente bewegen, dass die Erde zunächst eine geschlossene Landmasse bildete, die zerbrach – für die Wissenschaft war diese Idee 1912 nichts als Spinnerei.

Wegeners Buch „Die Entstehung der Kontinente und Ozeane“ wurde als Verrücktheit gehandelt – und dann in alle Weltsprachen übersetzt. Seit 50 Jahren ist seine Theorie der Kontinentalverschiebung restlos bewiesen. Der Geologe, Geophysiker, Meteorologe, Astronom, Polarforscher und Ballonflug-Pionier gilt heute als „Begründer der Weltformel der Geowissenschaften“. Wegener, 1880 in Berlin geboren, studierte in Heidelberg und Innsbruck Geologie, Astronomie und Meteorologie. Ihn reizte früh die unerforschte Ferne des ewigen Eises.

Weltbewegende Theorie

Vor 100 Jahren, am 6. Januar 1912, entwickelte Alfred Wegener vor der Vollversammlung der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft in Frankfurt seine Theorie, dass sich die Kontinente bewegen.

Mit einer Sonderausstellung ehrt das Senckenberg Naturmuseum Frankfurt den Pionier der Geowissenschaften ab dem 6. Januar. Titel: „Weltbewegend – Alfred Wegeners Theorie wird 100“.

Über den Meteorit von Treysa und Wegener referiert Peter Masberg, Leiter des Mineralogischen Museums Marburg, am 25. Januar ab 20.15 Uhr im Marburger Audimax.

1905 erfüllte sich für den 25-Jährigen ein Traum. Er durfte an einer Grönland-Expedition teilnehmen. Anschließend widmete er sich der Auswertung der Forschungsergebnisse. Ausgehend von der Erkenntnis, dass die Küstenlinien der Kontinente wie Teile eines Puzzles zusammenpassen, gelangte er zu seinen revolutionären Überlegungen.

Landteile driften aus- und zueinander

Nach Wegener bildete die Erde vor mehreren hundert Millionen Jahren eine geschlossene Landmasse, die in einem riesigen Ozean schwamm und dann auseinanderbrach. Seither sind die einzelnen Landteile mobil, driften aus- und zueinander. Bei Zusammenstößen türmen sie Gebirge auf. Er stützte seine Überlegung auf Ähnlichkeiten in der Gesteins-, Pflanzen- und Tierwelt. Sein logischer Schluss stieß allerdings nicht bis zur Ursache vor, bis zu den Kräften, die die Bewegung verursachen.

Diese Leerstelle besetzten später seine Jünger. Sie bewiesen die Richtigkeit von Wegeners Denkansatz, und dass unter den Meeren entlang großer Bruchspalten Materie aus dem Erdmantel drängt, die für Bewegung sorgt.

Expedition durch Grönlands Inlandeis

Zwischen seiner ausgebuhten Frankfurter Rede und der Buchveröffentlichung ging der Vordenker auf seine zweite Nordtour. 1912/13 durchquerte Wegener mit dem Dänen Koch das Inlandeis Grönlands zwischen Dovebucht und Upernavik. Dort ist die Durchquerung am gefährlichsten. Die Expedition war eine Tortur. Nachzulesen in Wegners Buch „Durch die weiße Wüste“.

Die deutschen Universitäten blieben skeptisch. Allein die Uni Graz gab ihm 1924 eine Professur und stellte sich hinter Wegener. Fortan arbeitete der Geo-Pionier an Beweisen für seine Theorie und zunehmend an klimahistorischen Untersuchungen.

Heute ist Wegener ein Idol

1929 führte ihn eine Kurztour nach Grönland, bei der er die große deutsch-österreichische Grönland-Expedition von 1930/31 vorbereitete, die in 3200 Meter Seehöhe auf dem Inlandeis ihren Mittelpunkt hatte. Hier lief der Forscher ein letztes Mal zu wissenschaftlicher Höchstform auf, wobei er auch komplizierte Eisdickemessungen anstellte. Bei einer Tour von der Eismitte zur Westküste kam er im November 1930 mit seinem Begleiter 189 Kilometer vor dem Ziel ums Leben. Herzversagen, vermutlich Überanstrengung. Kurt Wegener, Bruder und ebenfalls Arktisforscher, fand die Leichen. Er übernahm 1932 auch den Grazer Lehrstuhl.

Im Senckenberg-Museum ist der verlachte Forscher von einst inzwischen ein Idol. Und auch eine Straße auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität ist heute nach ihm benannt.

Autor:  Martin Stolzenau
Datum:  4 | 1 | 2012
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Frankfurter Zoo
Bonobo-Dame im Frankfurter Zoo

Gorilla-Damen, Giraffe & CD. Die FR ist live im Zoo dabei - und hält Sie auf dem Neuesten.

Aus dem Gericht

FR-Gerichtsreporter Stefan Behr berichtet über kuriose, traurige, aufwühlende und schockierende Prozesse.

Polizeimeldungen

Was ist passiert? Polizeimeldungen aus Frankfurt, Darmstadt, Offenbach und Hanau sowie Wiesbaden.

Spezial

Mit neuen Ideen und Kreativität stellt sich die Szene den steifen Bürokraten.

Video