Es ist eine Exkursion ins Unbekannte. Am Freitag haben sich 18 Studenten und Studentinnen der Goethe-Universität an die Carl-von-Weinberg-Schule im Frankfurter Stadtteil Goldstein aufgemacht. Lehrer wollen sie werden. Da kann der Kontakt mit Schülern nicht schaden.
„Das aber ist im Studium nicht vorgesehen“, sagt Sabine Wandjo. Die Gesellschaftswissenschaftlerin unterrichtet in Frankfurt angehende Lehrkräfte. „Und die brauchen für ihre Arbeit die Schülerperspektive“, sagt Wandjo. „Es geht schließlich darum, guten Unterricht zu machen, das lernt man nicht allein in der Theorie.“
Also touren die 18 Studierenden, geführt von Siebtklässlern, im Zehn-Minuten-Takt durch die Klassenräume, treffen die Schulsprecher, Streitschlichter, Oberstufenschüler, Mentoren. „Werdet ihr von den Lehrern ernst genommen?“, will Corinna Löffert von den Schülervertretern wissen. „Wie lernt ihr, Streit zu schlichten?“, fragt Alena Gressler die Siebtklässler. „Wieso seid ihr unzufrieden, wenn es mit dem Stoff nicht schnell genug vorwärtsgeht?“, fragt Audrey Kemp die Oberstufler.
Das mit dem Ernstnehmen hängt doch sehr stark vom jeweiligen Lehrer ab, ist eine der Antworten, die die Lehramtsanwärter bekommen. Und Streitschlichter wird man, weil in andern AGs keine Plätze mehr frei waren – und dann kann man es doch ganz toll finden. „Ich hab gelernt“, sagt einer der Siebtklässler, „bei Streit erst mal bei mir selbst nach dem Grund zu gucken, das hilft.“ Und die Großen aus der Klasse 13 klagen mit Blick auf das bevorstehende Studium, dass sie nicht das lernen, was sie könnten – „weil da welche zu lahm sind, den Unterricht aufhalten, und die Lehrer alle mitziehen wollen.“
Was nach zwei Stunden Schulbesuch hängen bleibt: „Es ist ganz schön schwer, allen gerecht zu werden“, sagt Audrey. Der Besuch in Goldstein soll nicht der letzte gewesen sein. Es gilt, die eigene Rolle zu finden als künftiger Lehrer. Lernbegleiter sollen diese heute sein, nicht mehr die alles wissenden Vorsager. Dass dies einfach ist, hat niemand gesagt.