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12. Dezember 2012

Leibniz-Preis für Krebsforscher Dikic: Große Liebe zum kleinen Molekül

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Hat in Frankfurt die Krebsforschung vorangebracht: der Biochemiker Ivan Dikic in einem der Labore seines Institutes. Foto: Boeckheler

Der Frankfurter Krebsforscher Ivan Dikic freut sich über den Leibniz-Preis. Die Auszeichnung erhält der 46-Jährige vor allem für seine Arbeit an dem Signalmolekül Ubiquitin - das auch als "Todeskuss für Proteine" bekannt ist.

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Wenn er all die nationalen und internationalen Preise aufhängen würde, die er in den vergangenen zehn oder 15 Jahren erhalten hat, sie würden eine ganze Wand in seinem Büro füllen. Doch stattdessen stehen da Fotos seiner drei Kinder und die kunterbunten Dinosaurier, die sie ihrem Papa gebastelt haben. Die Familie, Freunde, das Frankfurter Umfeld sind ihm wichtig. „Ohne sie hätte ich nicht den Erfolg, könnte ich nicht so hart arbeiten“, sagt der Wissenschaftler, dem die Deutsche Forschungsgemeinschaft gerade den Leibniz-Preis zugesprochen hat, die höchstdotierte und bedeutendste Auszeichnung für Forscher. Eine Art deutscher Nobelpreis.

Jeder, den man fragt, beschreibt den 46-jährigen Biochemiker als „sympathisch, freundlich und überhaupt nicht abgehoben“. Und tatsächlich sitzt da in dem hellen Büro des Institutes für Biochemie II an der Frankfurter Uniklinik ein Mann, der sich zunächst einmal über die Anerkennung und Wertschätzung freut, die Wissenschaftler ihm und seinem Team für die Arbeit auf dem Gebiet der molekularen Lebenswissenschaften und Medikamentenentwicklung zollen. Und erst dann über die 2,5 Millionen Euro, die mit dem Leibniz-Preis auch verbunden sind. „Das ist viel, viel Geld“, sagt Dikic und hat schon Ideen, wie er damit seine Forschung voranbringen könnte. Der 46-Jährige hat die Auszeichnung vor allem für seine Arbeit an dem kleinem Signalmolekül Ubiquitin erhalten. Ubiquitin wirkt an den vielfältigen Signalmechanismen der menschlichen Zelle mit, unter anderem ist es als „Todeskuss für Proteine“ bekannt. Dikic hat gezeigt, wie der Ubiquitin-Code in Zellen entschlüsselt wird, welche Prozesse ablaufen und welche Bedeutung das für die Entstehung von Krebs, Alzheimer oder auch Parkinson hat.

Dikic hat erlebt wie sinnlos Krieg ist - Mediziner wollte er danach nicht mehr werden

Darum dreht sich auch sein neuer Forschungsschwerpunkt, den er mit dem Leibniz-Preisgeld fördern will. Autophagie – ein Selbstverdauungs-Mechanismus der Zelle, ein Schutzmechanismus, um den Ausbruch von Krankheiten zu verhindern. Anhand von Autophagie wollen Dikic und sein Team den Krankheitsverlauf etwa von Krebs verstehen, „um ihn zu korrigieren und möglichst früh eingreifen zu können“.

Der Biochemiker will vor Krankheiten schützen, Leben retten – vielleicht, weil er als junger Student und Mediziner in Zagreb so viel Tod und Kriegsleid erlebt hat. 1991 hat er sein Medizinstudium in Kroatien abgeschlossen, arbeitete als Arzt im Praktikum in der Ambulanz und mit Sanitätern, die die Toten und Verletzten von der Front holten. „Ich habe erlebt, wie sinnlos Krieg ist“, sagt er.

Mediziner wollte Dikic danach nicht mehr werden, sondern Wissenschaftler. Die Molekularbiologie und Krebsforschung wurden seine „große Liebe“, wie er sagt. Er ging nach Dänemark, arbeitete in Israel am Weizmann-Institut, schloss an der New York University seine zweite Promotion ab. In Uppsala in Schweden war er Gruppenleiter am Ludwig Institut für Krebsforschung, doch dann starb seine Tochter. „Wir konnten danach einfach nicht mehr in Schweden bleiben“, erzählt er.

Innerhalb weniger Monate wechselte er nach Frankfurt. Das war 2002 und ein Glück für die Goethe-Universität. „Frankfurt war damals noch nicht so stark in der Krebsforschung“, erinnert sich Dikic. Das änderte sich innerhalb von zehn Jahren auch dank des jungen Wissenschaftlers, dem Unipräsident Werner Müller-Esterl „eine „schier unerschöpfliche Kraft für Forschung und Lehre“ zuschreibt. Dikic baute ein Team von Wissenschaftlern und ein Netzwerk auf. „Man muss eine Vision haben“, sagt er.

Und Geld. Im vergangenen Jahrzehnt haben die Goethe-Uni, das Land und auch der Bund viele Millionen in Neubauten und Personal auf dem Campus Niederrad und Riedberg investiert. Zweistellige Millionenbeträge flossen in das Exzellenz-Cluster „Makromolekulare Komplexe“ und das daraus hervorgegangene Buchmann Institut für molekulare Lebenswissenschaften. Das Cluster wurde unlängst vom Bund verlängert. „Top-Wissenschaftler von hoher Qualität gibt es in Frankfurt heute“, so Dikic. Die Investitionen der Vergangenheit zahlten sich nun aus, findet er. Auch in Form eines Leibniz-Preises.

Aber vielleicht hat es auch etwas damit zu tun, wie Dikic in seinem Team forscht. „Bei uns sind alle gleich, egal, ob Professor oder Student.“ Jeder kann seine Idee, sein Wissen einbringen, alles wird gleichwertig diskutiert. „Drei Köpfe, drei Ideen. Das ist das Rezept für den Erfolg“, sagt er.
Natürlich hat der Forscher unterdessen auch lukrative Angebote außerhalb von Frankfurt erhalten. Aber Dikic mag die Stadt, das kreative Umfeld. Und seine Frau ist auch Ärztin und Wissenschaftlerin an der Goethe-Universität.

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