Die zukünftigen Islamlehrer Hessens sollen in Marburg und Gießen ausgebildet werden. Die Philipps-Universität hofft, schon im Herbst kommenden Jahres ein Institut für Islamische Studien mit zunächst zwei Professuren einrichten zu können. Es soll im Gebäude des Orientzentrums neben der Elisabethkirche unterkommen. Uni-Präsidentin Katharina Krause geht davon aus, dass sich mindestens 50 Studierende einschreiben werden. Das geplante Institut sei „ein Zeichen dafür, dass Migranten mit anderem Glauben in Deutschland angekommen sind“.
Doch zunächst haben die beiden Universitäten mit Unterstützung der hessischen Landesregierung einen entsprechenden Antrag an das Bundesforschungsministerium gestellt. Im Oktober soll die Entscheidung darüber fallen, an welchen Hochschulen in Deutschland solche Zentren eingerichtet werden. „Das geplante Institut passt in das wissenschaftliche Profil der Philipps-Universität“, sagt Uni-Präsidentin Krause. In Marburg gibt es den Schwerpunkt Religionsforschung sowie das Centrum für Nah- und Mitteloststudien (Orientzentrum). Die Gießener Liebig-Universität deckt den osmanischen Raum mit der Turkologie sowie die Grundschullehrerausbildung.
Der Marburger Islamwissenschaftler Albrecht Fuess hat das Projekt gemeinsam mit der Direktorin des Gießener Zentrums Östliches Mitteleuropa, Monika Wingender, entwickelt. Fuess hat einen mehrjährigen Schulversuch an der Universität Osnabrück mitbetreut. Dort wurden Muslime, die an niedersächsischen Schulen als Lehrer arbeiten, in einer dreijährigen Weiterbildung zu Islamlehrern ausgebildet.
Hohes wissenschaftliches Niveau
Auch in Marburg und Gießen sollen zunächst bereits unterrichtende Grundschulpädagogen als Islamlehrer weitergebildet werden. Zugleich sind die Einrichtung eines Bachelor- und Masterstudiengangs sowie ein Doktorandenprogramm geplant. Wenn das Zentrum ganz ausgebaut ist, sollen sechs Professoren unterrichten. Neben den zentralen Themen Koranexegese und islamische Religionspädagogik soll es um praktische Theologie, islamisches Recht, islamische Religionsgeschichte und islamische Ethik gehen. Dabei sollen alle Richtungen des Islam abgebildet werden.
„Es wird auf einem hohen wissenschaftlichen Niveau unterrichtet“, so Krause: „Damit wird klar gemacht, dass die islamischen Theologien auf Augenhöhe mit den anderen Theologien steht.“ Mit den Plänen folgen die Universitäten einer Empfehlung des Wissenschaftsrats, nach der mehrere Zentren für Islamische Theologien eingerichtet werden sollen. Ziel ist vor allem die Ausbildung von Religionslehrern, die den bekenntnisorientierten Unterricht für Schüler islamischen Glaubens geben sollen. Imame werden normalerweise im Ausland, vor allem in der Türkei, ausgebildet.
Studienordnung, Prüfungsordnung und Curriculum sollen in Absprache mit den islamischen Regionsgemeinschaften entwickelt werden. Auch bei Berufungen von Professoren sollen sie beteiligt werden. Durch das neue Angebot sollen keine zusätzlichen Kosten auf die mittelhessischen Universitäten zukommen. Werden sie ausgewählt, zahlt der Bund fünf Jahre lang 500.000 Euro pro Jahr. Der Rest soll vom Land finanziert werden.