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Campus-News: Studium und Studenten-Leben an den Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet

30. Oktober 2012

Neue Vize-Präsidentin Goethe-Uni: Allein unter Männern

 Von Astrid Ludwig
Mit 26 von 33 Stimmen im Senat zur Vize-Präsidentin der Goethe-Uni gewählt: Tanja Brühl.  Foto: peter-juelich.com

Die Friedensforscherin Tanja Brühl ist die neue Vize-Präsidentin der Goethe-Universität. Bei einer möglichen Reform von Studiengängen ruhen viele Hoffnungen auf ihr.

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Die Friedensforscherin Tanja Brühl ist die neue Vize-Präsidentin der Goethe-Universität. Bei einer möglichen Reform von Studiengängen ruhen viele Hoffnungen auf ihr.

Manchmal ist gutes Timing wichtig. Die Anfrage des Präsidiums der Goethe-Universität kam gerade rechtzeitig – einen Tick früher als die der Gießener. Vielleicht würde sie sonst jetzt an der Justus-Liebig-Uni beim Aufbau eines neuen Instituts für Politikwissenschaft mitarbeiten. Einen Ruf dorthin hatte sie. Stattdessen sitzt Tanja Brühl nun weiterhin in Frankfurt, aber nicht mehr nur als Professorin für Politikwissenschaften, Friedens- und Konfliktforschung, sondern auch als neue Vize-Präsidentin der Hochschule.

Beide Angebote kamen unabhängig voneinander. Und bei der Anfrage der Hochschulleitung, ob sie für das Amt der Vize-Präsidentin kandidieren wolle, habe sie „länger gezögert“. Viele Gespräche hat sie geführt, Kollegen um Rat gefragt, bevor die Entscheidung fiel. Eigentlich liebt Tanja Brühl die Forschung und die Lehre, „aber ich habe jetzt auch Lust, in der Hochschulpolitik mitzugestalten“, sagt sie.

Bei der Wahl im Senat erhielt die Professorin 26 von 33 Stimmen. „Das hat mich angenehm überrascht“, sagt sie. Doch die 43-Jährige ist auch Friedens-und Konfliktforscherin genug, um die Stimmung zuvor ausgelotet zu haben. Ein paar Wochen zuvor war die vorherige Bewerberin um das Amt noch an der nicht ausreichenden Stimmenzahl gescheitert. Kritik gab es daran, dass das Präsidium von vier auf fünf Vize vergrößert wird. „Es gab die Befürchtung, dass die Verwaltung zu sehr aufgebläht werden könnte.“ Ein Argument, das sie offenbar entkräften konnte. Eine eigene Referentin hat Brühl nicht – „wir teilen uns den Pool jetzt zu fünft statt zu viert“ – und viel mehr Geld bekommt sie auch nicht. Aber mehr Mitgestaltungsmöglichkeiten, hofft sie.

Seit Beginn des neuen Wintersemesters, seit gut vier Wochen, ist Brühl nun im Amt, pendelt zwischen ihrem Büro im AfE-Turm und im Präsidium. Eine Halbtagsstelle für die Lehre und eine für die Hochschulleitung. „Mal schauen, wie es wird“, sagt sie. Gender- und Gleichberechtigungsthemen jedenfalls haben die vier Männer der einzigen Frau in der Riege nicht zugewiesen. Vielmehr ist Brühl für den Aufgabenkomplex Studium, Studenten und Lehre verantwortlich.

Sie betreut drei Fachbereiche: Die Gesellschafts-, die Erziehungswissenschaften sowie Psychologie und Sportwissenschaften. In ihrem eigenen Fachbereich wurde die Wahl von Tanja Brühl positiv aufgenommen. „Von der inhaltlichen Nähe erhoffen sich die Kollegen auch mehr Verständnis“, sagt sie.

Alle vier Fachbereiche haben eins gemeinsam: Sie sind extrem ausgelastet, haben einen besonders großen Zuspruch an Studenten in ohnehin starken Wachstumszeiten der Hochschule. Zielvereinbarungen müssen getroffen werden. In den nächsten zwei Semestern muss die Goethe-Uni erneut über tausend zusätzliche Studenten aufnehmen. „Das wird nochmals eine Kraftanstrengung. Wir müssen eine gemeinsame Linie finden“, sagt Brühl.

Zusätzliche Stellen kann sie dabei nicht aus dem Hut zaubern. „Es ist enger, als ich gedacht hatte“, sagt sie. Finanziell und auch räumlich. Ohne Containerlösungen auf dem Campus Westend wird es dabei wohl nicht gehen. Ihr ist jedoch wichtig, „gute Lehrbedingungen auch unter angespannten Bedingungen zu halten“.

Umzug aus AfE-Turm in Neubau steht an

Regelmäßig einmal im Monat will sie sich nun mit den Dekanen der Fachbereiche zum Gespräch treffen. „Gemeinsam gestalten. Das ist meine Auffassung von Universität“, betont die 43-jährige Mutter eines zehnjährigen Sohnes. Derzeit führt sie viele solcher Gespräche. „Wer mich sprechen will, mit dem treffe ich mich“, sagt sie.

Nach baulichen und zeitlichen Verzögerungen wird auch der lang ersehnte Umzug der Fachbereiche aus dem AfE-Turm in den Neubau auf dem Campus Westend endlich im Februar oder März kommenden Jahres über die Bühne gehen. Auch dafür ist sie zuständig. Die ersten Möbel werden schon reingetragen in den Neubau, aber „es knirscht noch ein wenig im Ablauf“, sagt sie.

Sie selbst freut sich riesig auf den Umzug. Die Arbeitsumstände im Turm – zuletzt gab es einen großen Wasserschaden – ließen doch zu wünschen übrig.

Seit fünf Jahren gibt es an der Goethe-Uni den neuen Masterstudiengang „Internationale Studien/Friedens- und Konfliktforschung“. Den hat Brühl mitkonzipiert und er gilt unter ihren Studenten als weniger verschult als andere Studiengänge. Bei einer möglichen Reform ruhen daher nun viele Hoffnungen auf ihr.

„Wir sind nicht überall gut aufgestellt“, sagt sie. „Was sind Kriterien für einen guten Studiengang?“, fragt die Professorin. Sie vermisst eine Art Gesamtkonzept der Universität in dieser Frage. „Wo wollen wir hin und was heißt denn genau forschungsorientierte Lehre? Das muss man durchdeklinieren.“ Ihr schwebt ein Kriterienkatalog vor, anhand dessen alle Studiengänge angeschaut werden. Auch hier will sie sich mit den Kollegen beraten, spricht von „Pingpong“ zwischen den Fachbereichen und dem Präsidium.

Für drei Jahre ist Tanja Brühl gewählt. Gerne würde sie bis dahin auch ein großes Weiterbildungsangebot auf die Beine stellen. Den vielen Fachkräften in Frankfurt, die vielleicht noch ein Studium draufsetzen wollten, müsse die Uni etwas bieten können, meint sie.

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