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06. November 2012

Ornithologie: Der späte Zug der Kraniche

 Von 
Kraniche auf dem Weg in den Süden.  Foto: dpa/dpaweb

Der Marburger Ornithologieprofessor Martin Kraft und seine Uni-Kollegen in Montevideo untersuchen die Folgen des Klimawandels auf Zug- und Brutvögel und beobachten: Die Kraniche kommen inzwischen im Frühjahr deutlich früher und treten die Rückreise sehr viel später an.

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Die Kraniche ziehen spät. Selbst während des Marburger Weihnachtsmarktes hat Ornithologieprofessor Martin Kraft ihre typischen, keilförmigen Formationen schon gesehen. „Die Vogelwelt steht kopf“, sagt der Experte. Als Folge des Klimawandels kommen die Zugvögel immer früher und gehen immer später. Gemeinsam mit einem Kollegen von der Universität von Montevideo im südamerikanischen Uruguay erforscht Kraft die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf Zug- und Brutvögel.

Schließlich liegt der Raum zwischen Lahn und Ohm an einer zentralen Vogelzugroute. „Hier gibt es gute Rastplätze“, erklärt Kraft. Sie locken auch seltene Vögel wie Schwarzstörche und den einzigen Weißschwanzkiebitz Deutschlands, der 2009 hier entdeckt wurde. Jedes Jahr queren allein 230.000 Kraniche die Region. Bei heftigem Gegenwind oder plötzlichem Nebel stoppen sie mitunter mehrere Tage.

Dabei beobachtet Kraft schon seit Mitte der 90er Jahre deutliche Auswirkungen des Klimawandels. Inzwischen kommen die Kraniche im Frühjahr durchschnittlich zwei Wochen früher und treten ihre Rückreise in die französische Champagne und die spanische Extremadura bis zu vier Wochen später an. Zudem gibt es deutlich mehr Kraniche, die gleich ganz in ihren Brutgebieten in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bleiben. Bei plötzlich auftretenden starken Frösten wie am Ende des vergangenen Winters kann es dann aber passieren, dass die Kraniche mit ihrem trompetenden Ruf noch im Februar vor der Kälte fliehen müssen.

Fast jeden Tag steht der Ornithologe, der an der Marburger Philipps-Universität lehrt und Gastprofessor in Uruguay ist, mit seinem Fernglas an der Vogelbeobachtungsstation an den Martinsweihern südlich von Marburg: „Die Teiche haben Magnetwirkung“, sagt der 59-Jährige. Es gibt Tage, an denen er mehr als 100000 Zugvögel zählt. Dazu gehören aber nicht nur die in den klassischen Formationen fliegenden Wildgänse, Kormorane und Kraniche. Kraft registriert auch Graureiher, Ringeltauben, Wiesenpieper, Bachstelzen, Rohrammern, Feldlerchen, Wanderfalken, Stare und sogar Schmetterlinge wie den Admiral, der in Südeuropa und Nordafrika überwintert. Und einer der häufigsten Zugvögel in Deutschland sei der Buchfink, erzählt der Ornithologe.

Die Ornithologie boomt

Allerdings ziehen die meisten Vögel nicht in keilförmigen Flugformationen. So kann er häufig Rotmilane beobachten. Zunächst sammeln sie sich über einem der Weiher auf der Suche nach einer Aufwindsäule und brechen dann als Gruppe auf. Invasionsartig wanderten beispielsweise die Meisen, berichtet Kraft.

Welche Auswirkungen der Klimawandel für die verschiedenen Arten hat, lässt sich bislang noch schwer prognostizieren, sagt der Experte. Manche Arten profitieren von den verlängerten Brutzeiten. Immer mehr mediterrane Arten wie der bunt schillernde Bienenfresser sowie Silber-, Seiden- und Purpurreiher ziehen nach Norden. Große Verluste habe es bei Vogelarten wie dem Kiebitz gegeben, sagt Kraft: „Das liegt aber eher an der intensiven Landwirtschaft.“ Welche Vogelarten durch den Klimawandel bedroht sind, sei noch unklar.

Unterdessen fasziniert der Vogelzug immer mehr Menschen: „Die Ornithologie boomt“, sagt Martin Kraft, der seit 30 Jahren auch ehrenamtlicher Vogelschutzbeauftragter Marburgs ist. Deshalb vertieft er nicht mehr nur die Artenkenntnisse der Studierenden. Er lädt auch immer häufiger zu Zugvogelbestimmungskursen für jedermann.

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