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15. Januar 2013

Satiregruppe „Elephant Toilet“: Zitternde Assistenzärzte

 Von 
Proben für das neue Programm: Medizinstudenten Marius Rhode und Hans Voigtmann (rechts) von „Elephant Toilet“.  Foto: Sascha Rheker

Die Jungmediziner der Kabarettgruppe „Elephant Toilet“ nehmen in ihrem Programm Studium und Klinikum aufs Korn. Die Gießener Gruppe zeigt zwar satirisch überspitzt, aber auf scharfsinnige Weise auch sehr realistisch, die verschiedenen Erfahrungen eines Studenten auf dem Weg zum Mediziner.

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Die Jungmediziner der Kabarettgruppe „Elephant Toilet“ nehmen in ihrem Programm Studium und Klinikum aufs Korn. Die Gießener Gruppe zeigt zwar satirisch überspitzt, aber auf scharfsinnige Weise auch sehr realistisch, die verschiedenen Erfahrungen eines Studenten auf dem Weg zum Mediziner.

"Haben Sie eigentlich Abitur?“, brüllt Chefarzt Brinkmann bei der morgendlichen Besprechung seinen zitternden Assistenzärzten ins Gesicht. Denen bleibt als Antwort nur ein verschüchtertes Stottern und die Angst vor weiteren Ausbrüchen ihre Vorgesetzten. Plötzlich zerrt Brinkmann seinen Radiologen an einer Leine ins Besprechungszimmer. Dessen einzige Aufgabe ist es, die Diagnosen des vermeintlichen Überprofessors Brinkmann zu bestätigen.

Den Chefarzt gibt es nicht wirklich. Und auch der Radiologe ist nur eine Rolle, gespielt von Hans Voigtmann. Er ist mittlerweile Anästhesist und einer der vier Gründungsmitglieder des Mediziner-Kabaretts „Elephant Toilet“. Die Gießener Gruppe zeigt in ihrem inzwischen dritten Programm zwar satirisch überspitzt, aber auf scharfsinnige Weise auch sehr realistisch, die verschiedenen Erfahrungen eines Studenten auf dem Weg zum Jungmediziner.

In rund 14 Stücken kreieren die Kabarettisten allerlei schillernde Figuren aus der Licht- und Schattenwelt der Medizin. Das Mittel der Satire hilft den künftigen Ärzten, Erlebnisse aus Studium und Klinikalltag zu verarbeiten und mit den „Halbgöttern in Weiß“ abzurechnen, unter denen sie arbeiten müssen. „Die Klinik ist ein Kosmos, der aus vielen kleinen Mikrokosmen besteht. Da diese verschiedenen Welten manchmal nicht zusammenpassen, können wir die entstehenden Situationen super nutzen, um sie zu überspitzen und einen Sketch zu erschaffen“, sagt Hans Voigtmann.

Minimusical über Organspende

Die Idee, eine Kabarettgruppe zu gründen, wurde in einer Kneipe aus einer Bierlaune heraus geboren. Der Name –„Elephant Toilet“ – leitet sich von einem Gießener Wahrzeichen ab, einem Fußgängerüberweg aus Beton, durch dessen große Löcher man auf die darunter liegende Fahrbahn schauen kann und den in Gießen alle „Elefantenklo“ nennen.

Auftritte im Januar

Das neue Programm „Die Rollen sind verteilt“ wird am heutigen 16. Januar, am 17., 25. und 26. Januar um 20 Uhr im Neuen Rathaus Gießen aufgeführt.

Karten für die beiden letzten Veranstaltungen gibt es bei der Buchhandlung Lehmanns an der Frankfurter Straße 42 in Gießen oder sie können direkt über elephant-toilet@mausimail.de bestellt werden.

Wie die Akteure sind auch die Themen inzwischen erwachsener geworden. Ging es bei der Premiere im Januar 2011 noch um das Leben der Medizinstudenten als ZVS-Opfer in der ungeliebten Uni-Stadt Gießen und die ausschweifenden Feiern im Auslandssemester, haben sich die 20 Arztanwärter in diesem Jahr mit dem Programm unter dem Titel „Die Rollen sind verteilt“ eher politischen Themen gewidmet. Das Minimusical zum Abschluss wird den Skandal um die Organspende aufgreifen, in einem anderen Sketch kritisiert „Elephant Toilet“ die Tendenz vieler Medizinstudenten, ihre Praktika im exotischen Ausland als kleine Abenteuer der Menschenrettung auszulegen.

Eine der großen Stärken der Gruppe ist, dass sie mit ihrem Humor sowohl die Kollegen vom Fach als auch den gemeinen Klinik- und Arztpraxenbesucher und medizinischen Laien zum Lachen bringen kann, ohne Klischees zu strapazieren. Die Mediziner hatten in den vergangenen zwei Jahren schon einige Erfolge. Der Arzt und Kabarettist Eckhart von Hirschhausen, der mit seinem Programm rund um medizinische Themen Hallen in deutschen Großstädten füllt, ist auf die jungen Kollegen aufmerksam geworden und hat ihnen Unterstützung angeboten. Die Truppe wurde außerdem schon für Medizinerkongresse gebucht und trat auf einem Kabarett-Festival in Cottbus auf.

Demnächst können Studenten am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Justus-Liebig-Universität Mediziner-Kabarett als Seminar belegen. Dort wollen die Mitglieder von „Elephant Toilet“ gemeinsam mit einem externen Kabarettisten ihren Kommilitonen etwas über die humoristische Seite ihres Studiums beibringen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das Medizin-Studium ein eher unpolitisches ist“, sagt Oliver Vogelbusch, angehender Psychiater und ebenfalls seit Anfang an im Kabarett dabei. „Es gibt aber so viele Themen, denen man satirisch und kritisch begegnen kann“, findet er.

„Das Krankenhaus ist voller Spaß“, sagt Kollege Voigtmann und legt sich wieder die Leine an, um einmal mehr in die Rolle des devoten Radiologen zu schlüpfen.

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