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17. Oktober 2012

Semesterstart: Auf dem Fußboden der Tatsachen

 Von Luis Reiß
Kopflos durch die Uni - die ersten Tage. Foto: Michael Schick

Überfüllte Hörsäle und die Suche nach einer Wohnung bestimmen derzeit den Campus-Alltag. Unser Erstsemester-Reporter lernt sich zwischen Hektik und Kontemplation, Verzweiflung und Euphorie zu orientieren.

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Da sitze ich also, an meinem ersten richtigen Tag an der Goethe-Universität, gelandet auf dem Boden der Tatsachen. Im Schneidersitz harre ich inmitten zahlreicher Studenten aus, versuche möglichst konzentriert den Worten des Dozenten zu folgen. Der trist graue Boden fühlt sich kalt an, scheint minütlich unbequemer zu werden. Alle Stühle sind besetzt, selbst auf dem Flur tummeln sich noch einige neugierige Zuhörer. Dieser Zustand, verraten einige höhere Semester, ist in den ersten Wochen alles Andere als eine Seltenheit.

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An meinem Fachbereich für Gesellschaftswissenschaften fehlt ein einheitliches Belegungsverfahren, selbst den Dozenten mangelt es teilweise an Überblick. Uns Studenten bleibt in den ersten Wochen nur eine Möglichkeit: Es werden so viele Veranstaltungen wie möglich besucht, Dozenten werden kritisch beäugt, auch Uhrzeit und voraussichtlicher Lernaufwand spielen natürlich eine Rolle. Nach zwei bis drei Wochen, so schätzt die Studienberatung, pendelt sich das Chaos ein. Bis dahin muss so mancher Student auch einmal mit dem Fußboden Vorlieb nehmen.

Belohnt wird man mit größtmöglicher Wahlfreiheit. Vorgaben zum Ablauf des Studiums gibt es kaum, selbst innerhalb der Module findet sich oft eine große Bandbreite an verschiedenen Themen. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Das entschädigt auch für einige unbequeme Minuten in den Seminarräumen.

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„So geht es Neulingen an der Uni. Ich habe noch keine Website, sie noch keine Wohnung“, begrüßte uns ein neuer Professor. Was im Hinblick auf die aktuelle Wohnproblematik witzig gemeint ist, ist auf dem Campus in den ersten Tagen allgegenwärtig. In der U-Bahn, in der Mensa, im Café, natürlich auch in den Hörsälen – überall ist die Wohnungssuche das wichtigste Thema. Manch einer erzählt freudig von seinem erfolgreich abgeschlossenen Mietvertrag, ein anderer ist wegen der nicht enden wollenden Suche der Verzweiflung nahe.

Kein Grund zur Verzweiflung ist, entgegen zahlreicher Ängste in der Einführungswoche, das Pendeln zwischen dem Campus Bockenheim und dem Westend. Zwei Buslinien fahren, die eine schneller, die andere langsamer. Zu erreichen sind direkt aufeinander folgende Veranstaltungen an verschiedenen Standorten dank des akademischen Viertels in jedem Fall. Eng kann es im Bus werden, dafür verläuft der Campus-Wechsel ausnahmsweise ohne Hektik, Stress und Chaos. Eine wohltuende Seltenheit.

Wer zur Abwechslung die vollkommene Ruhe sucht und etwas mehr Zeit mitbringt, der kann den Weg auch zu Fuß antreten – durch den Palmengarten und dank Goethe-Card völlig kostenlos.

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