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Ausbildung von Islamlehrern: Standortstreit der Unistädte

In den Streit um die Ansiedlung eines hessischen Islaminstituts schalten sich nun auch Frankfurter Stadtverordnete ein. Sie plädieren für ihre Stadt, während die Konkurrenten Marburg und Gießen weiter auf ihre Zusage als Standort.

Wissen über den Koran wird bald auch an hessischen Universitäten vermittelt.
Wissen über den Koran wird bald auch an hessischen Universitäten vermittelt.
Foto: rtr

Der Streit um die Ausbildung von Islamlehrern in Hessen spitzt sich zu. In Frankfurt macht die Politik weiter Druck, um das entsprechende Institut an die Goethe-Universität zu holen. „Entgegen der Meinung von Wissenschaftsministerin Kühne-Hörmann sind wir der Auffassung, dass Frankfurt am Main mit seiner Goethe-Universität als hessischer Standort für das Fach Islamische Studien prädestiniert ist“, sagte der SPD-Stadtverordnete Turgut Yüksel am Wochenende.

Doch die Landesregierung scheint sich festgelegt zu haben. Obwohl in Frankfurt seit knapp zehn Jahren eine Professur für Islamwissenschaften ansässig ist, soll das Institut für die Lehrerausbildung in Marburg und Gießen angesiedelt werden. Der Goethe-Uni entgeht daher die Förderung des Bundesbildungsministeriums, die für die Einrichtung vorgesehen ist.

Sonderlich viel Verständnis für diese Entscheidung hat man in Frankfurt nicht. Man könne sich nicht über „die Prioritätensetzung des Ministeriums hinwegsetzen“, heißt es in einer Stellungnahme des Präsidiums. Die „Islamischen Studien“, die die Hochschule seit diesem Wintersemester anbietet, werde wie geplant ausgebaut. Dieser Studiengang entspreche den Forderungen des Wissenschaftsrats für die Ausbildung von Islamlehrern, sagte Uni-Sprecher Olaf Kaltenborn am Montag. Daher werde es demnächst in Hessen zwei sehr ähnliche Studiengänge geben. Der eine allerdings mit Förderung des Bundes, der andere ohne.

"Unkonstruktiver Zeitpunkt"

Eigentlich wollen sich die Universitäten in Gießen und Marburg nicht an der Diskussion beteiligen. Dass die „aufgeheizte, schwierige Debatte“ zu einem „unkonstruktiven Zeitpunkt“ kommt, lässt sich die Marburger Uni-Sprecherin Susanne Igler dann aber doch entlocken. Im Moment läuft nämlich das Antragsverfahren für das geplante Institut in Mittelhessen. Bewilligt ist es noch nicht. Im Oktober will der Bund darüber entscheiden „Für Frankfurt ist es sowieso zu spät“, sagt Igler.

Unterdessen verweist der Gießener Universitäts-Präsident Joybrato Mukherjee auf grundsätzliche Überlegungen: Die Kernfächer eines Instituts für Islamische Studien seien „in jedem Fall in Marburg vorzusehen, da hier das Orientzentrum mit islamwissenschaftlicher Expertise und sehr guter Infrastruktur existiert“, sagt er. Dazu könne die Hochschule in Gießen die Turkologie und die Lehramtsstudiengänge für die Grundschule beisteuern.

Die Entscheidung für den Standort Mittelhessen sei eine Folge der vom Land Hessen initiierten Zentrenbildung in den Geisteswissenschaften, heißt es auch aus Marburg. Im Gegenzug musste die Philipps-Universität damals das renommierte Japanzentrum und die traditionsreiche Slawistik abgeben.

Autor:  Georg Leppert und Gesa Coordes
Datum:  27 | 9 | 2010
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