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Campus-News: Studium und Studenten-Leben an den Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet

13. Dezember 2012

Studium und Kind: Mit Lily in die Vorlesung

 Von Marek Fritzen
Mit Kind in den Hörsaal und auf den Campus. An vielen Hochschulen kein Problem. Foto: Katrin Binner / TU Darmstadt

Die Hochschulen in Hessen arbeiten am familiengerechten Image und bieten vielfältige Betreuung an. Sarah Werner weiß das zu schätzen. Die alleinerziehende Mutter studiert in Frankfurt Musik und Geschichte.

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Dienstags und mittwochs sind die „stressigen Tage“, sagt Sarah Werner. Dann müssen sie und Lily immer schon morgens um halb sechs raus aus dem Bett. Sie gibt Lily dann um kurz nach sieben Uhr im Kindergarten in Niederursel ab – extra früh, doch es geht nicht anders. An den beiden Tagen beginnen die Seminare in diesem Semester schon um acht Uhr. Die anderen Tage in der Woche sind die „entspannten Tage“, sagt die Studentin. Da bleibt noch Zeit zum Joggen, wenn die Kleine in der Kita ist. Das braucht sie als Ausgleich, sagt sie.

Sarah Werner ist 25 Jahre alt. Sie studiert Musik und Geschichte auf Lehramt sowie Instrumental-Pädagogik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) und der Goethe-Universität in Frankfurt – und Sarah Werner hat Lily. Sie ist Studentin und alleinerziehende Mutter gleichzeitig. Lily wird morgen drei Jahre alt. Geplant war sie eigentlich nicht, sagt Werner. Im Ostergottesdienst vor drei Jahren hatte sie eine Eingebung. „Da war mir klar, dass ich schwanger bin.“

Schwangerschaftstest an der Hochschule

Damals war sie im fünften Semester. „Ich habe daran gedacht, abzutreiben“, sagt Werner heute. Doch sie habe sich dagegen entschieden – auch weil ihre Schwester zur selben Zeit schwanger war. „Ich habe gemerkt, dass ich immer traurig sein würde, wenn ich das Kind abgetrieben hätte. Außerdem haben meine Eltern und meine Freunde hinter mir gestanden“, erzählt sie.

Aber es waren nicht nur Familie und Bekannte, die sie in dieser Zeit unterstützten. Auch vonseiten der Hochschule habe sie starke Rückendeckung erhalten, berichtet die Studentin.

„Den Schwangerschaftstest habe ich in der Musikhochschule gemacht“, erinnert sie sich. „Danach bin ich direkt zu Herrn Gerhardt in die Studienberatung gegangen und habe ihm das erzählt und er meinte nur: Wo liegt das Problem? Wir werden dich unterstützen.“

Vierhändig am Piano: Lily wird bestimmt mal musikalisch.
Vierhändig am Piano: Lily wird bestimmt mal musikalisch.
Foto: Boeckheler

Am Anfang habe sie zunächst sehr oft in Kontakt mit Studienberater Manfred Gerhardt gestanden. Mittlerweile sei es weniger geworden. Die Hochschule habe stark dazu beigetragen, dass sie sich trotz Studiums für das Kind entschieden habe. Die ersten drei Monate nach Lilys Geburt ließ Werner das Studium ruhen. Sie lebte bei ihren Eltern in Leipzig.
Danach studierte sie weiter – mit Lily. „Die beiden ersten Semester nach ihrer Geburt habe ich sie mit in die Hochschule genommen.“ Ob beim Trompetenunterricht oder bei Theaterproben, Lily war immer dabei. Erst mit neun Monaten gab Werner sie dann zu einer Tagesmutter.

Ihre Noten haben sich sogar verbessert

Carolin Stahlhofen kennt Sarah und Lily gut. Stahlhofen arbeitet wie Manfred Gerhardt in der Studienberatung der Musikhochschule. „Sarah Werner ist eine von drei Studentinnen mit Kind an unserer Hochschule, mit denen wir in der Studienberatung regelmäßig in Kontakt stehen“, sagt sie. Es gebe jedoch weit mehr. Stahlhofen schätzt die Zahl auf rund 50 Studenten mit Kind. Genaue Daten lägen jedoch nicht vor.

„Wir haben sogar ein Ehepaar mit Kind an unserer Hochschule“, berichtet die Studienberaterin. Eine Kinderbetreuung gibt es an der HfMDK jedoch nicht. Die Nachfrage sei derzeit zu gering, so Stahlhofen. „Im Einzelunterricht ist vereinbart, dass die Mütter oder Väter ihre Kinder mitbringen können“, berichtet sie. Im Gruppenunterricht ist das schwieriger. Da muss es mit dem Dozenten und den anderen Studenten abgesprochen werden. Generell mache sie die Erfahrung, dass die jungen Eltern Studium und Kind sehr gut miteinander vereinbaren könnten, sagt Stahlhofen.

Das kann Sarah Werner nur bestätigen. Zwar bleiben ihr wegen Lily meist nur die Abende, um Referate vorzubereiten oder für Prüfungen zu lernen, doch ihre Noten haben sich seit der Geburt ihrer Tochter sogar verbessert. „Wenn ich weiß, ich habe zwei Stunden zum Üben, dann übe ich auch zwei Stunden. Man arbeitet viel intensiver. Früher habe ich deutlich mehr gedaddelt.“ Zudem sei sie insgesamt entspannter geworden durch Lily. Nur dienstags und mittwochs sieht das anders aus, denn das sind ja die stressigen Tage in der Woche.

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