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Unibibliothek Frankfurt: Bücher ganz mobil

Die Unibibliothek in Frankfurt bietet einen neuen Ausleihservice: Transporter bringt die Literatur von Bockenheim zum Campus Westend und zurück.

        

Auf den letzten Metern:  Hussain Akeel mit der   täglichen  Bücherlieferung  für das  BZG.
Auf den letzten Metern: Hussain Akeel mit der täglichen Bücherlieferung für das BZG.
Foto: Boeckheler

Buchdeckel auf, mit dem Scanner auf den Strichcode zielen, ein kurzes Blinken, dann hat das Gerät das Buch registriert. Fertig. Was an der neuen Ausleihtheke im Bibliothekszentrum Geisteswissenschaften (BZG) ein Handgriff von Sekunden ist, dahinter stecken ein monatelanger Vorlauf und viel Arbeit. Wobei nicht die Verbuchungsmethode neu ist, die kennen Studierende und Lehrende seit Jahren. Aber dass im BZG auf dem Campus Westend nun auch auf diesem einfachen Wege Bücher ausgeliehen und zurückgegeben werden können, die aus der Bockenheimer Zentrale kommen oder wieder dorthin zurückmüssen, das ist neu.

Die Reaktion der ersten Nutzer jedenfalls, berichtet Christiane Schaper, sei durchweg positiv: „Das ist jetzt wirklich mal eine Verbesserung“, hieße es. Die Riesenfreude färbt auch ein wenig auf die Leiterin des BZG und ihre Mitarbeiter ab – so oft kriegen Bibliothekare, die in der Regel nur als Dienstleister im Unibetrieb begriffen werden, so dicke Komplimente nicht.

Seit einer Woche gibt es den neuen Service im ersten Stock von Q6, dem östlichsten der Querriegel im IG-Farben-Haus. Bisher haben es zwar noch nicht allzu viele entdeckt, doch „wir befinden uns noch in einer erweiterten Testphase“, sagt Schaper. Deshalb sei die Umstellung auch noch nicht größer beworben worden. Das unterstreicht auch Evelyn Kroll, die stellvertretende Leiterin der Benutzungsabteilung im Haupthaus an der Bockenheimer Warte. Dort rechnet man mit bis zu 1000 Büchern, die später täglich zwischen den beiden Standorten hin- und herwandern könnten.

Die Überlegung dahinter ist ganz einfach und hat natürlich etwas mit Dienstleistung zu tun: Statt 1000 Buchhungrige im alten Haus antanzen zu lassen, können die ihre Bestellung oder Vormerkung, wenn das Buch verliehen ist, online abgeben und dann das Druckwerk im Westend abholen – so sie es dahin bestellt haben. Dieser kleine Klick auf das Formular war einer der Gründe für den langen Vorlauf. Die Bibliothek der Goethe-Universität (UB) mit insgesamt mehr als acht Millionen Medieneinheiten, verteilt auch auf die Dependancen am Riedberg und in Niederrad, sowie mehreren Depots ist ein ausgeklügeltes Logistikunterfangen. Wenn da ein Buch falsch verbucht oder ausgeliefert wird, ist es in der Regel nicht mehr auffindbar.

Frische Ware ab 14 Uhr

Dagegen nimmt sich der eigentliche Lieferservice schlicht aus: Ein Bücherauto pendelt zwischen den Standorten. Wer bis 12 Uhr bestellt, kann in der Regel ab 14 Uhr sein Buch in Empfang nehmen. Sonst ist es am nächsten Tag da. Ein paar kleine Einschränkungen gibt es, wie Schaper anmerkt: „Nur der UB-Bestand bewegt sich.“ Heißt: Man kann sich die Literatur nicht an die Bockenheimer Warte bestellen; der BZG-Bestand bleibt im Haus. Der ist übrigens mit knapp 1,2 Millionen Bänden größer als die Gesamtbibliothek manch anderer Uni.

Was ebenfalls nicht geht: Die wertvollen Bestände aus dem Haupthaus ins Westend befördern lassen. Die können nach wie vor nur unter Aufsicht dort eingesehen werden. Dafür ist der neue Service nicht allein auf die geisteswissenschaftlichen Fakultäten beschränkt. „Das ist ein Angebot für alle im Westend“, erläutert Schaper. Ob Jurist, Wirtschaftswissenschaftler, Erziehungs- oder Gesellschaftsbereich – sie alle können die Theke im BZG zu den üblichen Öffnungszeiten ansteuern. Auch für Buch-Rückgaben.

Selbst für Nicht-Universitätsangehörige, etwa die Anwohner, gilt das Angebot. Die machen unter den 54000 aktiven Lesern der UB fast ein Viertel aus, weiß Evelyn Kroll. Sie sagt auch, der Grund für das neue Prozedere, das den Bibliothekaren mehr Arbeit beschert, sei eine einfache Erkenntnis aus der Nutzerstatistik: Von den 4000 Buchbewegungen pro Tag entfiele der Großteil auf die Geisteswissenschaften.

Die Bücherkutsche ist durchaus im Zusammenhang mit der unklaren Zukunft der Hauptbibliothek zu sehen. Angesichts der Tatsache, dass der Unibetrieb sich immer mehr ins Westend verlagert, der Umzug der UB aber in immer weitere Ferne rückt und „nicht vor 2019“ ansteht, wie Direktor Berndt Dugall kürzlich im Gespräch mit der FR sagte, „mussten wir etwas tun“.

Autor:  Alexander Kraft
Datum:  3 | 2 | 2012
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