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Unibibliotheken: Lernen ohne Pause

        

Eingerahmt von Büchern: In den Unibibliotheken herrscht immer Betrieb.
Eingerahmt von Büchern: In den Unibibliotheken herrscht immer Betrieb.
Foto: Monika Müller

Selbst in den Ferien sind die Unibibliotheken gut besucht das erstaunt selbst Bernd Dugall, der seit 1988 leitender Bibliotheksdirektor der Universitätsbibliothek Frankfurt ist.

Sonst, an normalen Tagen, sei sie viel früher da, darauf besteht Stephanie. Die junge Frau mit den blonden Haaren steht an diesem grauen Morgen in der Eingangshalle der Bibliothek Recht und Wirtschaft am Campus Westend der Goethe-Uni. Sie wirkt frisch und aufgeräumt, Laptop-Tasche in der einen, das Bürgerliche Gesetzbuch in der anderen Hand. Stephanie, 26, bereitet sich auf ihr zweites Staatsexamen in Jura vor. „Es ist zwar erst im September“, sagt sie, „aber man muss stetig was tun.“

Es ist kurz vor halb elf, sonst sei sie immer um neun Uhr da. Deshalb müsse sie nun auch wirklich los, sagt Stephanie, schließlich wolle sie lernen und habe einen durchaus straffen Zeitplan. Zumal bereits viele Plätze in der Bibliothek belegt sind. Damit hat sie nicht gerechnet – nicht an den Feiertagen, zwischen den Jahren oder kurz danach. Tatsächlich seien an einem Tag im Lesesaal, in dem auch Stephanie lernt, über 400 Leute gezählt worden, sagt Bernd Dugall. In Bockenheim in der Universitätsbibliothek, der ehemaligen „Stub“, waren zur gleichen Zeit gerade mal noch zehn Plätze frei. Das erstaunt selbst Dugall und er ist seit 1988 leitender Bibliotheksdirektor der Universitätsbibliothek Frankfurt und damit Herr über rund 5,8 Millionen Medien.

Auch in der vorlesungsfreien Zeit geöffnet

Auch in der vorlesungsfreien Zeit haben die Bibliotheken geöffnet – außer der naturwissenschaftlichen Fachbereiche auf dem Campus Riedberg. Das lohne nicht, weil dort schlichtweg nichts los sei, so Dugall. Sonst aber schon. Zumal 15 Prozent ausländische Studenten dabei seien, die „mit Weihnachten nichts anfangen können“. Die anderen gehören für Dugall zu „einer Klientel, für die es wichtig ist, möglichst kontinuierlich an einer Sache zu arbeiten.“ Feiertage interessierten da nicht.

Bibliotheken und Cafés

Die Universitätsbibliothek, Bockenheimer Landstraße 134-138, hat ihre Lesesäle Montag bis Freitag von 8.30 bis 21.30 Uhr geöffnet, Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr.

Das Café in der Eingangshalle mit den dortigen Arbeits-PCs hat Montag bis Freitag von 8 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr offen.

Die Mensa im Casino-Anbau hat derzeit als einzige im Westend Montag bis Freitag von 11.30 bis 15.00 Uhr offen.

Das Café „Sturm und Drang“ öffnet auch verkürzt – von 7.30 bis 18 Uhr.

Als Ersatz schenken die Philosophen Kaffee aus und schmieren Brötchen in Raum 2.451 - von 10 bis 16 Uhr.

Wie bei Stephanie. Oder bei Souad und Victoria. Die beiden jungen Frauen sitzen vor aufgeklappten Laptops nebst dampfenden Kaffeebechern in der Eingangshalle der Bockenheimer Bibliothek. Die BWL-Studentinnen waren in den vergangenen Wochen nahezu jeden Tag dort, um die letzten Seiten ihrer Diplomarbeiten fertig zu schreiben.

Schlangen am Nachmittag

Kurz vor der Abgabe sind die beiden eher entspannt. „Die schlaflosen Nächte sind passé“, sagt Souad. Nun stehen nur noch die Korrekturen aus, dann werden die Arbeiten im Copyshop gebunden. Von einer besonders ruhigen Atmosphäre zwischen den Jahren hätten sie wegen des Stresses ohnehin nicht viel mitbekommen. „Aber wir haben viele Schüler gesehen, die für ihr Abi lernen.“

Auch Evelyn Kroll, seit zehn Jahren stellvertretende Leiterin der Benutzungsabteilung, spricht von einem „wellenförmigen“ Aufkommen. Etwa 1000 Bestellungen gebe es derzeit täglich an der Ausleihe – das sind halb so viele wie sonst. Zu den Stoßzeiten, vor allem nachmittags, hätten die rund 150 Mitarbeiter aber angesichts langer Schlangen genug zu tun. Sind die Studenten, Bibliothekare, Freizeit-Leseratten, die die Deutsche Nationalbibliothek zwischen den Jahren nicht nutzen können, denn nun entspannter als sonst? „Die hinter der Theke auf jeden Fall“, sagt Kroll und lacht. Ansonsten sei es aber wie immer.

Auch für Alejandro, 23, und Patrick, 26, ist der graue Morgen nach Weihnachten ein Tag wie jeder andere. Die Klausur steht bevor: Großes Strafrecht, Jura. Sie lernen aber in der Germanistik-Bibliothek im dritten Stock des Altbaus, Campus Westend. „Weil es hier ruhiger ist“, sagt Alejandro. Patrick schreibt parallel seine Diplom-Arbeit in Politikwissenschaft, die er in einem halben Jahr abgeben muss. Nur, um was zu essen zu holen, so Alejandro, müssten sie zum Rewe laufen. Denn bis Montag haben die meisten Cafés und Mensen noch geschlossen.

Autor:  Markus Bulgrin
Datum:  3 | 1 | 2012
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