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Campus
Campus-News: Studium und Studenten-Leben an den Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet

29. Mai 2013

Universität Frankfurt: Wagenknecht trotzt Sprechverbot

 Von 
„Freiheit statt Kapitalismus“: Sahra Wagenknecht spricht vor vollem Haus an der Frankfurter Goethe-Uni .  Foto: Monika Müller

Trotz eines Verbotes spricht Sahra Wagenknecht an der Frankfurter Uni – und wirbt für ihre Partei. Die Uni-Leitung lässt Studenten und Linke gewähren, schiebt aber eine Drohung hinterher.

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Noch während ein Aktivist Werbung für die kommenden Blockupy-Tage macht, brandet im Hörsaal plötzlich Applaus auf. Sahra Wagenknecht ist eingetroffen. Die Bundestagsabgeordnete, Shooting-Star der Linkspartei, ist am Dienstagnachmittag an die Frankfurter Goethe-Uni gekommen, um über „Freiheit, Kapitalismus und Krise“ zu sprechen. Diese Veranstaltung sei ein gutes Beispiel, sagt Wagenknecht zu Beginn, wie man mit „Anordnungen von oben“ kreativ umgehen könne: „Man ignoriert sie einfach.“

Denn Wagenknechts Auftritt war einiges an Streit vorausgegangen: Das Unipräsidium hatte die Veranstaltung kurzfristig untersagt, weil in der Uni als politisch neutralem Raum so kurz vor Bundes- und Landtagswahlen keine Wahlkampfveranstaltungen mehr stattfinden dürften. Alles Unfug, meinte dazu ein Vertreter des Sozialistisch-demokratischen Studierendenverbands (SDS). Man habe Wagenknecht eingeladen, weil die Krise „allen unter den Nägeln brennt“ und die Angst vor einer Zukunft mit Abschluss, aber ohne Job viele Studierende umtreibe.

Große Geste

Der SDS und die rund 600 Zuhörer, die den Hörsaal bis auf den letzten Platz füllen, ignorieren das Verbot der Uni jedenfalls einfach. Und Wagenknecht, solche Auftritte gewöhnt und rhetorisch gewandt, weiß ihr Publikum eine knappe Stunde lang mitzureißen. Mit großer Geste holt sie, immer wieder von Applaus unterbrochen, zur Generalattacke auf die herrschenden Zustände aus. Die Europa-, Steuer- und Sozialpolitik, die in Merkels Deutschland gefahren und auch von der SPD mitgetragen werde – beide Parteien bezeichnet Wagenknecht als „zwei Flügel einer Einheitspartei“ –, seien undemokratisch, da sie nicht den Interessen der Mehrheit, sondern denen der Reichen und Kapitaleigner diene. Hartz IV, die Rente mit 67, das Gesundheitssystem, Niedriglöhne – überall sei eine radikale politische Umkehr nötig. Doch die großen Parteien blockierten die Kehrtwende.

Der Kapitalismus stehe nicht für Freiheit und Demokratie, sagt Wagenknecht. „Ich sage: Wir brauchen Freiheit statt Kapitalismus.“ Seit der Krise setzten Banken- und Wirtschaftsinteressen sich noch offener durch als zuvor, in Griechenland regiere die Troika aus EZB, IWF und Europäischer Kommission. Umso wichtiger sei „eine neue Kultur des Aufbegehrens“ gegen diese Politik, die immer weiter Reichtum von unten nach oben verteile und Europa immer weiter spalte.

Ändern, dann überwinden

Auch wenn die Überwindung des Kapitalismus, zu der Wagenknecht sich ausdrücklich bekennt, nicht in Reichweite sei, seien doch politische Änderungen möglich. Und dafür – daran lässt Wagenknecht keinen Zweifel – brauche es auch Wählerstimmen für die Linkspartei. „Das entscheiden Sie ja mit dem Wahlergebnis“, sagt sie einmal. Spätestens an dieser Stelle wird der Wahlkampf-Charakter der Rede offensichtlich.

Wagenknechts Publikum stört das nicht, auch wenn ein Zuhörer sie fragt, warum sie dem studentischen Publikum nicht „ein bisschen mehr Theorie“ zugetraut habe. Die Unileitung teilte am Abend mit, sie behalte sich „rechtliche Schritte“ gegen den SDS vor.

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