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Campus-News: Studium und Studenten-Leben an den Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet

18. September 2012

Universitätsbibliothek: 200 Euro an der Ausleihtheke

 Von Marek Fritzen
Annika Pfützner in der Universitätsbibliothek.  Foto: Andreas Arnold

Annika Pfützner arbeitet seit fünf Jahren in der Bockenheimer Universitätsbibliothek. Zum Beginn des Wintersemester hat sie wieder richtig viel zu tun.

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Annika Pfützner arbeitet seit fünf Jahren in der Bockenheimer Universitätsbibliothek. Zum Beginn des Wintersemester hat sie wieder richtig viel zu tun.

Das hat Annika Pfützner nicht vergessen. Ausgeschlossen. Sie muss lachen, wenn sie heute daran denkt. Es waren tatsächlich 200 Euro. „Und der hat ohne Murren gezahlt, aber er hatte ja auch keine andere Wahl“, sagt die 24-Jährige. „Es kommt schon öfter vor, dass Nutzer Mahngebühren zahlen müssen, aber in der Höhe ist das eine absolute Besonderheit.“ Bei Überziehung der Leihfrist würden pro Tag und Buch drei Euro fällig. „Um 200 Euro zu erreichen, müssen schon mehrere Bücher überzogen sein.“

Pfützner muss es wissen. Seit fünf Jahren arbeitet sie in der Frankfurter Universitätsbibliothek (UB) und hat dort ihre Ausbildung gemacht. Offiziell ist sie heute Fachangestellte für Medien und Informationsdienste in Fachrichtung Bibliothek. „Das klingt sperrig, ist es aber nicht“, versichert sie. „Viele denken, in einer Bibliothek zu arbeiten, heißt in einem dunklen Raum zu sitzen, das stimmt nicht.“ Im Gegenteil: „Ich habe hier unglaublich viel mit Menschen zu tun, besonders wenn ich an der UB-Ausleihtheke arbeite.“

Bis zu 2000 Bestellungen

Ihr Arbeitstag beginnt um 7.30 Uhr, jedenfalls wenn sie Frühdienst hat. Dann heißt es zunächst, die Bestellungen des Vortages abzuarbeiten und für die Abholung bereitzustellen. „Pro Tag erhalten wir bis zu 2000 Bestellungen, auch in den Semesterferien“, berichtet die gebürtige Berlinern. Gehen die Bestellungen bis zwölf Uhr mittags ein, können sie noch am selben Tag an der Ausleihe im Erdgeschoss der UB an der Bockenheimer Landstraße abgeholt werden.

Medien wie Bücher, DVD’s und Zeitschriften lagern im Magazin der UB, das sich im Keller unter dem Gebäude befindet. „Dort unten arbeiten 20 Mitarbeiter, die die bestellten Medien raussuchen und nach oben zur Ausgabe schicken.“ Monatlich, so berichtet Pfützner, kommen zu den gut acht Millionen „Medieneinheiten“ rund 8000 neue dazu. „Pro Jahr sind es ungefähr 125.000.“

Die meisten der 53.000 aktiven UB-Nutzer seien sehr umgänglich. „Es macht Spaß, mit den Menschen in der Bibliothek zu arbeiten.“ Eine Tätigkeit in einer Bibliothek sei früh ihr berufliches Ziel gewesen. Bücher seien ihre Leidenschaft, „was gibt es da Schöneres, als in einer Bibliothek zu arbeiten?“

Es fällt einem nicht schwer, ihr abzunehmen, dass Bücher für sie etwas ganz Besonderes sind. Spätestens dann, wenn sie sagt: „Ich bin nie außer Dienst, auch im Urlaub nicht.“ Dort ertappe sie sich immer wieder, wie sie in der Lobby der Hotels die Bücherschränke aufräume. „Außerdem schaue ich mir an meinen Urlaubsorten gerne mal die dortigen Bibliotheken an, denn man kann immer etwas dazulernen.“ Während ihrer Ausbildung war sie für mehrere Wochen im britischen York, arbeitete dort in einer Bibliothek. „Das war eine gute Erfahrung“, sagt sie heute.

Eine Bibliothek auf der Welt, in der sie gerne einmal arbeiten würde, gebe es nicht. „Nein, ich bin zufrieden in der Universitätsbibliothek. Wir sind ein gutes Team und die Arbeit ist sehr abwechslungsreich.“ Besonders dann, wenn mal wieder 200 Euro an der Ausleihtheke fällig werden.

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