Die Verwirrung war perfekt und mancher Kritiker witterte schon vereinten Widerstand gegen den „Bologna-Prozess“ und die umstrittene Umstellung auf Bachelor- und Master-Abschlüsse. Und das von unerwarteter Seite: der TU 9, dem bundesweiten Verband der Technischen Universitäten. Das Magazin „Fokus“ hatte Äußerungen des designierten Rektors der TU Dresden als Rückkehr der Diplomstudiengänge in den Ingenieurwissenschaften an den Technischen Universitäten interpretiert. Auch die TU Darmstadt wolle zum „Dipl.-Ing“ zurückkehren, hieß es.
„Ein Missverständnis“, wie die Uni auf ihrer Homepage erklärt. Richtig sei, dass weder die TU Darmstadt noch der Verband der TU 9 den Bologna-Prozess infrage stellten. Eine Rückkehr zu fünfjährigen Diplomstudiengängen werde es nicht geben, betont die TUD. Es gehe lediglich um den Titel „Dipl.-Ing“.
Der Verband der Technischen Universitäten fordert die Landesgesetzgeber in einem Verbesserungsvorschlag zum „Bologna-Prozess“ jedoch auf, den Hochschulen die Autonomie zu geben, den „Dipl.-Ing“ als Abschlussgrad eines ingenieurwissenschaftlichen Masterstudiengangs verleihen zu können.
Die TU 9 verweisen auf entsprechende Formulierungen des österreichischen „Bundesgesetzes über die Organisation der Universitäten und ihre Studien“. In diesem ist festgelegt: Mastergrade sind die akademischen Grade, die nach dem Abschluss der Masterstudien verliehen werden. Sie lauten „Master“ mit einem im Curriculum festzulegenden Zusatz oder „Diplom-Ingenieurin/Diplom-Ingenieur“. „Mit einer entsprechenden Regelung wäre die TU Darmstadt in der Lage, den Titel zu verleihen, der vom jeweiligen Fachgebiet bevorzugt wird“.
Der Asta der TU Darmstadt steht dem kritisch gegenüber: Die Diskussion zeige eindeutig, dass die Verantwortlichen begriffen, dass mit der Einführung der Bachelor/Master-Struktur eine Abwertung der universitären Bildung einhergegangen sei. Das Problem sei jedoch nicht mit einer bloßen Umbenennung des Abschlusses zu lösen.
„Die Wiedereinführung des Diplomtitels bei gleichbleibender Studienstruktur ist nichts als ein gewaltiger Etikettenschwindel“, sagt Elin Vesper, hochschulpolitische Referentin des Asta. Der lenke nur von den wirklichen Problemen ab, kritisiert der hochschulpolitische Sprecher Sebastian Ankenbrand die schlechte Finanzierung der Hochschulen und die vollkommene Ausrichtung der Bildung auf die Bedürfnisse der Wirtschaft.
Bachelor und Master böten nicht das selbstständige kritische Studium wie früher, sondern zielten mit verschulten Studienplänen auf eine möglichst schnelle Ausbildung für die Wirtschaft. ( alu)