Zugeklebt mit Plakaten sind die Scheiben des Hörsaalzentrums auf dem Campus Westend. Gepflastert mit Flugblättern ist die Ablage an der Rotunde im IG-Farben-Haus. 16 hochschulpolitische Gruppen buhlen um die Aufmerksamkeit der Studenten. Seit gestern kann man bei der Urnenwahl seine Stimme für das Studierendenparlament an der Goethe-Uni abgeben. Doch von Wahlfieber kann keine Rede sein; der große Ansturm bleibt wie üblich aus.
„Ich habe noch nie gewählt“, sagt Eva (21). „Die Wahltermine sind ungünstig gelegt, wegen der Klausuren habe ich gerade keinen Kopf dafür.“ Außerdem stünden so viele Gruppen zur Wahl, dass sie darüber keinen Überblick habe. „Und bevor ich etwas Falsches wähle, lasse ich es lieber.“ Von der Uni-Politik bekomme sie nur etwas über die aushängenden Wahlplakate mit. Einen Grund für politische Mitbestimmung sieht die angehende Wirtschaftswissenschaftlerin nicht: „Ich finde es okay, wie es läuft. Solange sich nichts ändert, bin ich zufrieden.“
Hochschulpolitische Themen werden kaum diskutiert
Evas Kommilitone Martin (23) hat bereits per Briefwahl seine Stimme abgegeben. „Damit ich es hinter mir habe“, sagt er. „Ich wollte meine Stimme nicht verfallen lassen.“ Er habe sich für sein Gewissen beteiligt, nicht weil er glaube, etwas bewirken zu können. „Meine Entscheidung habe ich aus der großen Politik abgeleitet und eine Gruppe gewählt, die einer Partei nahesteht“, sagt Martin. Doch Handlungsbedarf sieht er nicht: „Ich bin mit der Uni sehr zufrieden. Wir Wirtschaftswissenschaftler und Juristen werden sehr bevorteilt. Im Vergleich mit anderen geht es uns gut.“ Im Fachbereich würden hochschulpolitische Themen kaum diskutiert.
Doch auch in anderen Fachbereichen scheint das nicht anders zu sein. Das Interesse für die Uni-Politik hält sich in Grenzen. Eine Reihe von Befragten hat von den Koalitionsbildungen im Studierendenparlament und dem Streit im Asta nichts mitbekommen. Auch die Abstimmung über die Zivilklausel, wonach die zivilen und friedlichen Zwecke von Forschung und Lehre in der Grundordnung der Uni stehen sollen, ist nur wenigen bekannt.
"Chance für Mitbestimmungsrecht als Student"
Casimir hat aus Überzeugung gewählt, schon weil er Politikwissenschaften studiert. „Ich wähle immer, wenn es etwas zu wählen gibt“, sagt der 20-Jährige, der Mitglied der Piratenpartei ist. „In der Wahl sehe ich eine Chance für ein Mitbestimmungsrecht als Student.“ Es gebe zu wenige solcher Möglichkeiten. Seiner Ansicht nach sollten Studenten mehr in Entscheidungen einbezogen werden, etwa in die Debatte um den Umzug auf den Campus Westend.
Sebastian (26) weiß noch nicht, was er wählen soll. „So wirklich drin ist man nicht, für was die Vertreter stehen“, sagt er. Zwar sei er politisch interessiert, aber die Zeit der Uni-Politik ist seiner Meinung nach vorbei. „Die große Politik wird draußen gemacht. Es ist zwar toll, dass man wählen kann, aber viel wird sich dadurch nicht bewegen.“ Die Studenten hätten kein großes Instrument zur Mitbestimmung. Nur wegen der Mittelvergabe wählen zu gehen, hält er für „erbärmlich“. „Nur die Zivilklausel ist für mich ein Grund, wählen zu gehen.“