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Campus-News: Studium und Studenten-Leben an den Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet

19. Dezember 2012

Weihnachten an der Uni: Kloster statt Hörsaal

Pater Joachim Hartmann Foto: boeckheler

Die meisten Studierenden fahren heim, aber vorher wird gemeinsam gefeiert. Pater Joachim Hartmann über die Adventszeit auf dem Campus. Studierende erzählen, wie sie das Weihnachtsfest verbringen.

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Die meisten Studierenden fahren heim, aber vorher wird gemeinsam gefeiert. Pater Joachim Hartmann über die Adventszeit auf dem Campus. Studierende erzählen, wie sie das Weihnachtsfest verbringen.

Pater Hartmann, Sie haben Ihr Büro direkt auf dem Campus Westend. Wer kommt zu Ihnen?
Das ist ganz unterschiedlich. Wir sind ja ein großes Team mit zehn vielseitigen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Es gibt aber ein starkes Interesse an unseren Coaching-Angeboten. Wir helfen, wenn Studierende merken, dass sie mehr Systematik in der Organisation des Studiums brauchen oder wenn sie Prüfungsängste spüren. Es gibt auch viele internationale Studierende, denen wir helfen, wenn es finanziell eng wird. Insgesamt ist Frankfurt, die Hochschule und auch unsere Gemeinde sehr international aufgestellt. Es kommen junge Menschen aus der ganzen Welt und entsprechend ist unser Angebot – so gab es eine riesige lateinamerikanische Woche auf dem Campus.

Was veranstalten Sie für diese Studenten in der Adventszeit ?
Etwa die internationale Adventsfeier, bei der Studierende aus verschiedenen Ländern erzählen können, wie Weihnachten bei ihnen gefeiert wird.

Woher stammen die meisten?
In unseren Wohnheimen mit insgesamt 850 Zimmern stammt die stärkste Gruppe aus China. Hier auf dem Campus Westend sind ein großer Schwerpunkt die lateinamerikanischen Studierenden. Einer unserer Referenten kommt aus Chile. Wir haben aber auch eine französischsprachige Gruppe, die sich regelmäßig trifft, und einen afrikanischen Chor.

Wollen Studenten Advent feiern?
Wir bieten es an, weil es ankommt. Bei der internationalen, ökumenischen Adventsfeier waren rund 70 Studierende dabei. Das liegt auch daran, dass sie sich an der Feier beteiligen, sich einbringen können. Sehr große Resonanz findet ein Kerzengottesdienst in der Kirche Sankt Ignatius in Frankfurt, wo der Kirchenraum nur mit Kerzen beleuchtet ist und auch jeder Besucher eine Kerze bekommt. Das ist eine schöne Stimmung und ich habe schon den Eindruck, dass Studierende atmosphärische Momente in der Vorweihnachtszeit suchen.

Zur Person

Joachim Hartmann ist Jesuit. Vor seinem Wechsel 2009 als Pfarrer an die katholische Hochschulgemeinde Frankfurt hat er sich um aidskranke Kinder und Eltern in Indien gekümmert. Jetzt betreut er Studierende der Goethe-Uni, der Fachhochschule Frankfurt, der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst.

Der 47-Jährige hat Philosophie in München, Theologie in Frankfurt und Dublin studiert und hat eine Ausbildung in Gestalttherapie gemacht. Er will Studierende in seine Arbeit einbinden, ihnen Weite und Offenheit bieten. Sich selbst bezeichnet er als religiös, aber nicht frömmelnd.

Gottesdienste bietet die Gemeinschaft mittwochs und donnerstags, 18.15 Uhr, in der Kapelle der katholischen Hochschulgemeinde, Siolistraße 7, Campus Westend an. Die ökumenischen Nachtgedanken gibt es mittwochs um 21.30 Uhr im Haus der Stille auf dem Campus Westend. Die Aktion„Haltestellen im Advent“ läuft am heutigen Mittwoch, an der Mensa auf dem Campus Westend, von 12 bis 14 Uhr. Ein Kerzengottesdienst findet am Sonntag, 19 Uhr, in der Kirche St. Ignatius statt. (alu.)

Bieten Sie Heiligabend etwas an?
Nein, das machen wir nicht, weil die Erfahrung der vergangenen Jahre doch gezeigt hat, dass die meisten nach Hause fahren. Im Wohnheim aber gibt es immer wieder Eigeninitiativen von Studierenden, die dort bleiben.

Wie sieht es Silvester aus?
Wir bieten erstmals eine Veranstaltung an: Den Jahreswechsel im Kloster. Es geht um Rück- und Ausblicke. Wir haben ein Kloster in der Nähe von Koblenz gewählt.

Wollen Studenten ins Kloster?
Wir haben das Gefühl, das wird gesucht. Die Plätze sind belegt.

Halten Sie auf dem Campus Andachten oder Gottesdienste?
Wir veranstalten kleine Gottesdienste in der Kapelle unserer Gemeinde auf dem Campus Westend jeweils mittwochs und donnerstags Abend. In der Adventszeit ist sie stimmungsvoll mit Kerzen beleuchtet. Es gibt zudem ein ökumenisches Gebet mit dem Titel „Nachtgedanken“ im Haus der Stille auf dem Campus.

Gehen Sie auf die Studenten zu?
Ja, wir haben uns etwas Neues ausgedacht. Wir wollen nicht nur, dass Studierende zu uns kommen, sondern wir gehen raus auf den Campus. Wir nennen das Haltestellen im Advent. Wir bauen einen Stand auf an der Mensa, am Wohnheim oder der Fachhochschule. Wir verteilen Nikoläuse oder Weihnachtskarten – kleine Impulse, die wir geben wollen.

Wie kommt das an?
Sehr unterschiedlich. Es gibt Studierende, die sich übersättigt fühlen oder auch solche, die neugierig sind, das schön und interessant finden. Es gibt Zeiten, wo wir merken, dass Studierende ansprechbarer sind, weil sie mehr Spielraum im Studium haben und Zeiten, wo der Prüfungsdruck steigt, die Bereitschaft abnimmt. Das sieht man ihnen fast an. Das gilt übrigens fürs ganze Semester.

Sind Sie auch im Web präsent?
Ja. Auch im Internet gehen wir auf die Studierenden zu. So bieten wir für Lehramtsstudenten der katholischen Theologie eine Aktion an, die heißt „Advent – tiefer gelegt“. Jeden Tag im Dezember mailen wir Gebete, Gedichte, religiöse Bilder oder auch Bibelzitate, an die, die mitmachen wollen. Das wird als Anregung geschätzt.

Wie feiern Sie Weihnachten?
Ich gehöre den Jesuiten an und feiere in meiner Gemeinschaft in Frankfurt. Wir haben ein gemeinsames Weihnachtsessen. Und danach fahre ich in die Stille.

Wo ist diese Stille?
Nahe Bamberg. Ich biete einen Exerzitien-Kurs des Jesuitenordens für junge Erwachsene an. Das ist auch für mich ein Akzent zum Jahreswechsel, eine intensive Stillezeit. Ich mache das häufig und gern. Es passiert viel Positives, wenn sich Menschen dem Schweigen aussetzen. Das mitzuerleben ist das Schönste, was man als Seelsorger erleben kann. Dann kommen all die wesentlichen Dinge ans Licht, für die im Alltag kein Platz ist. Schließlich geht es an Weihnachten ja darum, dass Licht und Leben in diese Welt kommen.

Das Interview führte Astrid Ludwig

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