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Wir stürmen die Uni

In Frankfurt beginnt die 8. Kinder-Uni für acht- bis zwölfjährige Forscher

Warum verblute ich nicht, wenn ich mich verletze? Was machen römische Münzen im Rhein? Wie wird aus Abfall Energie? Diesen und vielen weiteren essentiellen Fragen gehen vom 13. bis 17. September über 12000 Kinder bei der 8. Frankfurter Kinder-Uni nach.

Dazu besuchen die Acht- bis Zwölfjährigen Vorlesungen bei Wissenschaftlern der Goethe-Universität. So erklärt Biochemiker Johannes Erbe mit Hilfe echter Blutegel den Prozess der Wundheilung. „Kinder sind die allerbesten Forscher“, sagt der Experte, der in der Vorbereitungsphase schon fleißig mit einer 3. Klasse geübt hat. Zusammen wurden Modelle von Blutkörperchen erstellt, die in der Vorlesung zum Einsatz kommen.

Programm

Geowissenschaftlerin Petra Döll erklärt am Montag, 13. September, warum es ohne Wasser weder Wurst noch Kekse gibt in der Vorlesung „Genug Wasser für alle – wie schaffen wir das?“

Münzforscherin Fleur Kemmers beantwortet am Dienstag, 14. September, die Fragen, warum römische Münzen im Rhein zu finden sind und was der Euro des Altertums war.

Am Mittwoch, 15. September, klärt Biochemiker Johannes Eble die Kinder auf, warum sie nicht verbluten, wenn sie sich verletzen. Er stellt den Vorgang der Wundheilung anschaulich da.

Hefe gehört in den Kuchen. Dass sie aber auch dafür zuständig ist, dass aus Abfall Energie wird, berichtet Biologe Eckhard Boles am Donnerstag, 16. September.

Zum Abschluss geht es mit Meeresbiologe Michael Türkay in die Tiefsee, ins Reich der Anglerfische.

Alle Vorlesungen finden um 9 und 11 Uhr für Klassen und um 16 Uhr für Kinder und auch für ihre Eltern statt. prmz

Dass die Umstellung von wissenschaftlichen Vorträgen auf kindgerechte Sprache nicht ganz einfach ist, bestätigt auch Biologe Eckhard Boles. „Das war mehr Arbeit als eine Vorlesung für Studierende; die sind ja drin in der Thematik.“ Er wird für die Kinder-Uni zeigen, dass Hefe nicht nur zum Backen da ist, sondern auch Energie erzeugen kann.

Boles ist seine Vorlesung, die wie alle Veranstaltungen im großen, 1200 Studenten fassenden Hörsaal am Campus Westend stattfindet, mit seiner elfjährigen Tochter durchgegangen. Im September wird er dann auch die technische Ausstattung im Westend zur Verfügung haben. „Eine Kamera zeigt mich beim Reden, eine andere die Versuche.“

Ulrike Jaspers, Mitinitiatorin der ersten Kinder-Uni, lobt die Weiterentwicklung, die ihr Projekt in den vergangenen Jahren erfahren hat. „In Bockenheim war es auch deutlich unruhiger. Hier haben die Kinder genug Platz, um zwischendurch zu spielen.“ Jede Veranstaltung findet drei Mal am Tag statt, um 9, 11.30 und um 16 Uhr. Nachmittags sind auch Eltern willkommen, da der Termin weniger gefragt ist.

Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Uni, ist stolz auf die besondere Motivation der Wissenschaftler: „Wir sind glücklich, dass so tausenden Kindern die Möglichkeit geboten wird, erste Uni-Luft zu schnuppern.“ Diese Luft wird mit einer umfangreichen Betreuung angereichert. Ausgestattet mit eigenem Studentenausweis sammeln die Jungstudenten „Credit Points“ in Form von bunten Stempeln und als Bonus für „Vielhörer“ gibt es auch noch eine Verlosung. Nach den Veranstaltungen gibt’s natürlich auch Klausuren, verpackt als Quiz.

Die Anschaulichkeit der Vorträge steht eben im Vordergrund, wie auch Archäologin Fleur Kemmers weiß: „Ich will die Vergangenheit für die Kinder ertastbar machen.“ So können die Kinder echte Sesterzen in denHand halten. Begleitet wird die Münz-Vorlesung außerdem von Studenten, die in echter (nachgeschneideter) Römerkluft darstellen, was vor fast 2000 Jahren so in Mode war.

Ziel aller Professoren ist es, den kindlichen Wissensdurst weiter anzuregen. Die Anmeldung für die Kinder-Uni schließt heute um 12 Uhr und Montag in einer Woche wird die Uni gestürmt.

www.kinderuni.uni-frankfurt.de

Autor:  Moritz Zimmermann
Datum:  1 | 9 | 2010
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