Sieht man sich Simone Fuldas Lebenslauf an, erstaunt es nicht, welche Ehre ihr neuerdings zukommt: In die lange Liste ihrer Erfahrungen als Kinderärztin, Krebsforscherin und Hochschullehrerin, ihrer Gutachtertätigkeiten und Auszeichnungen reiht sich nun die Berufung in den Wissenschaftsrat. Seit 1957 berät das Gremium aus 24 Wissenschaftlern und acht Personen des öffentlichen Lebens die Regierungen von Bund und Ländern. Simone Fulda ist für eine dreijährige Amtsperiode gewählt, mit der Option auf eine weitere Periode.
„Ich bin überrascht und freue mich sehr auf diese interessante Tätigkeit“, sagt die 43-Jährige. „Das ist eine sehr verantwortungsvolle Arbeit. Mir ist bewusst, dass die Empfehlungen des Gremiums mit Konsequenzen verbunden sind.“ Für sie bedeute dies eine Erweiterung ihres Horizontes: Die Arbeit im Wissenschaftsrat habe für sie auch einen politischen Aspekt – Wissenschaft werde dort in den Kontext der Gesellschaft gestellt.
Spezialisiert auf den programmierten Zelltod
Simone Fulda ist seit 2010 Direktorin des Instituts für experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie am Universitätsklinikum Frankfurt. Es ist das einzige Institut für Kinderkrebsforschung in Deutschland, finanziert wird es von der Frankfurter Stiftung für krebskranke Kinder. Außerdem koordiniert Fulda den Standort Frankfurt/Mainz im Deutschen Konsortium für translationale Krebsforschung – einem von sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, die sich der wichtigsten „Volkskrankheiten“ annehmen.
Fulda hat sich auf die sogenannte Apoptose, den programmierten Zelltod, spezialisiert. In der Regel funktioniert dieses „Selbstmordprogramm“ der Zellen. Damit wird die Homöostase, das Gleichgewicht im Gewebe, aufrechterhalten. In Krebszellen funktioniert das Programm nicht mehr. „Die Apoptose ist eine Art Selbstschutzmechanismus, um eine Entartung der Zellen zu verhindern“, sagt Fulda. „Die meisten Krebsmedikamente aktivieren dieses Programm wieder.“
Personalisierte Onkologie als Zukunft der Krebsforschung
Die Zukunft der Krebsforschung sieht Simone Fulda in der personalisierten Onkologie: „In den nächsten zehn Jahren werden die Patienten noch individueller behandelt. Wir verstehen immer besser, wie unterschiedlich Tumore sind. Dabei spielt nicht nur die Lokalisation, sondern auch die Pathologie des Tumors eine Rolle.“ Je besser man die Geschwüre unterteilen könne, desto besser ließen sich maßgeschneiderte Therapien entwickeln. „Das wird sich noch maßgeblich weiterentwickeln. Wir stehen am Beginn einer neuen Ära. Unser Institut will diese Entwicklung vorantreiben.“
Im Wissenschaftsrat will Simone Fulda unter anderem die Interessen der Forschung vertreten – und zwar über ihre eigene Disziplin hinaus. Außerdem solle ihrer Ansicht nach der Nachwuchs in der Hochschulmedizin besser gefördert werden: „Es gibt zu wenig Ärzte, die sich für die Forschung interessieren“, sagt Fulda.
Dass neben der Gremienarbeit weniger Zeit für Forschung und Lehre bleibt, sieht Fulda nicht als Problem an. „Man muss Schwerpunkte setzen. Aber ein Teil meiner Zeit wird immer für die Forschung reserviert sein.“