Vorerst ist es nur die Einzelmeinung eines prominenten Unionspolitikers. Doch der Vorstoß von Siegfried Kauder (CDU), dem Vorsitzenden des Bundestags-Rechtsausschusses, wegen der Terrorgefahr die Pressefreiheit einzuschränken, lässt beim Koalitionspartner FDP und bei der Opposition die Alarmglocken schrillen. „Kauder ist ein Risiko für unsere Verfassung“, sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann der Frankfurter Rundschau.
Auslöser des Streits ist die Berichterstattung des Magazins Spiegel über angebliche Pläne eines Terrorkommandos, den Berliner Reichstag zu stürmen und dort ein Blutbad anzurichten. Innenminister Thomas de Maiziere (CDU) hatte den Artikel schon am Montag „hochspekulativ“ und „verantwortungslos“ genannt.
Gestern nun forderte Siegfried Kauder, die Presse müsse „verpflichtet“ werden, „sich zurückzuhalten, wenn die Gefährungslage wie jetzt hoch ist“. Die Berichterstattung über potenzielle Anschlagsorte könne „unter Umständen ein Anreiz für Terroristen“ sein, sagte Kauder der Saarbrücker Zeitung. Er regte deshalb gesetzliche Regelungen an oder die Einführung einer Selbstverpflichtung der Medien, über bestimmte Erkenntnisse nicht zu berichten.
„Wenn wir anfangen, die Grundrechte einzuschränken, haben die Terroristen schon einen Etappensieg errungen“, warnte hingegen FDP-Rechtsexperte Marco Buschmann. Auch er finde die Spiegel-Meldung „unglücklich“, sagte der Abgeordnete der FR. Gesetzliche Eingriffe lehne er jedoch ab und könne sich nicht vorstellen, dass die Liberalen einer entsprechenden Initiative zustimmen würden.
Die SPD reagierte scharf. Seine Partei lehne den Vorstoß „entschieden“ ab, sagte Fraktionsgeschäftsführer Oppermann: „Gerade im Bereich der inneren Sicherheit muss die Presse frei berichten dürfen“. Kauder besorge „das Geschäft der Feinde der Demokratie, wenn er die Pressefreiheit einschränken will“, sagte Oppermann.
In der Sache widersetzen sich auch die Grünen jeder gesetzlichen Verschärfung: „Es darf keine Einschränkung der Pressefreiheit geben“, sagte deren Parlamentarischer Geschäftsführer Volker Beck der FR. Allerdings verknüpfte Beck diese grundsätzliche Positionierung mit einem Appell an alle Personen, die in den Besitz vertraulicher Informationen gelangen, diese nicht an die Presse weiterzugeben: „Das ist eine Straftat.“ Gleichzeitig forderte der Grünen-Politiker die Medien auf, angesichts der angespannten Sicherheitslage mit Informationen „verantwortlich“ umzugehen.
In der Union wurden Kauders Äußerungen mit Zurückhaltung aufgenommen. „Sie dürfen Stift und Zettel behalten und alles andere auch“, sagte CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich.
Auch in der CDU-Spitze hieß es, Kauders Vorschlag werde nicht weiter verfolgt werden. Aus der Sitzung der CDU-Fraktion am Montag konnte Kauder diese Schlussfolgerung allerdings nicht unbedingt ziehen. Als er dort seine Argumentation vortrug, wurde ihm nicht widersprochen.
Nachrichten aus der Politik, Kommentare, Doku und Debatten

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Bleibt Barack Obama Präsident der USA? Oder macht Mitt Romney von den konkurrierenden Republikanern das Rennen?
US-Wahl-Spezial mit Analyse und Hintergrund
Interaktive Karte zu den Vorwahlen der Republikaner
Exklusive Reportagereise durch den Wahlkampf
Weblog der USA-Experten unserer Redaktion
Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.
Ihr Wunsch-Bundespräsident Wulff scheitert, sie muss Gauck als Nachfolger hinnehmen, ihre Mehrheit steht im Bundestag nicht mehr hinter ihr: Die Autorität von Bundeskanzlerin Merkel schwindet. Das Spezial.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.