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12. März 2013

Missbrauchs-Verdacht: Expertenkommission entlastet Charité

Das Bettenhaus der Charite in Berlin. Foto: dpa

Eine Expertenkommission bescheinigt der Charité im Umgang mit einem Missbrauchsvorwurf gegen einen Pfleger richtiges Handeln. Sie empfiehlt dem Uniklinikum jedoch einen Maßnahmenkatalog mit acht Punkten.

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Berlin –  

Die Berliner Charité hat im Umgang mit einem Pfleger, der eine 16-jährige Patientin missbraucht haben soll, laut Expertenurteil grundsätzlich richtig gehandelt. „Die Expertenkommission ist der Auffassung, dass der Anlassfall in der Charité sachgerecht behandelt wurde“, heißt es in dem am Dienstag in Berlin vorgestellten Abschlussbericht des Gremiums. Auch dass gegen den Pfleger nicht sofort eine Anzeige erstattet wurde, sei nicht zu kritisieren. „Es gibt aber verschiedene Punkte, in denen die Charité noch besser werden kann“, sagte die frühere Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD), die die Kommission leitete.

Das Verfahren gegen den Pfleger wurde mangels Aussage des betroffenen Mädchens inzwischen eingestellt. Es laufen jedoch noch Ermittlungen gegen ihn wegen zwei ähnlicher Vorwürfe.

„Hilfseinrichtungen wie die Charité haben viele großartige Hilfen für missbrauchte Kinder, die von Außen zu ihnen kommen, aber sie haben ein Problem, wie sie in den eigenen Reihen damit umgehen sollen“, sagte Kommissionsmitglied Julia von Weiler vom Kinderschutznetzwerk „Innocence in Danger“.

Die fünfköpfige Expertenrunde empfahl dem Uniklinikum einen Maßnahmenkatalog mit acht Punkten - von einem präzisierten Leitbild und komprimierten Verhaltenskodizes im „Kitteltaschenformat“ über verbesserte Meldewege und Mitarbeiterschulungen bis hin zum Einsatz einer „Whistleblower-Software“. „Einiges davon setzen wir bereits um, an anderen Dingen arbeiten wir“, sagte Charité-Vorstand Prof. Karl-Max Einhäupl. So müssen Pflegekräfte im Kinderbereich mittlerweile ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen.

Warnung vor „amerikanischen Verhältnissen“

Der Einsatz einer Software, über die Mitarbeiter anonym, aber für Nachfragen rückverfolgbar, Hinweise zu Übergriffen geben können, wird geprüft. „Wir haben festgestellt, dass dies eine Telefon-Hotline alleine nicht leisten kann“, berichtete Zypries. Grundsätzlich jedes Kind nur in Anwesenheit zweier Erwachsener zu behandeln, hält die Kommission jedoch nicht für praktikabel. „Für Situationen, die die Intimsphäre berühren, ist es jedoch anzustreben“, sagte Kommissionsmitglied und Kinderchirurg Sylvester von Bismarck. Hier müsse noch viel mehr Sensibilität her. „So braucht man für eine Untersuchung nur soviel Kleidung auszuziehen, wie unbedingt erforderlich, und man muss auch nicht bei jedem Eingriff ein Flügelhemdchen tragen.“

Umgekehrt warnten die Experten aber auch vor „amerikanischen Verhältnissen“ in Krankenhäusern, wo es aus Angst vor Missverständnissen sehr unterkühlt zugehe. „Wir brauchen eine Balance zwischen Nähe und Distanz. Das ist eine Gratwanderung“, sagte auch Einhäupl. Ein weinendes Kind im Krankenhaus müsse auch einmal getröstet und in den Arm genommen werden können.

Das Gremium hatte im November 2012 seine Arbeit aufgenommen, nachdem die Missbrauchsvorwürfe gegen den Pfleger bekanntgeworden waren. Für die Kommunikation der Charité nach innen und außen hatte es damals viel Kritik gegeben. Der Pfleger wurde damals umgehend vom Dienst suspendiert, die Anzeige aber erst eine Woche später erstattet. Die weiteren, bereits zurückliegenden Vorwürfe gegen ihn waren erst im Herbst bekanntgeworden. (dpa)

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