Am heftigsten entlädt sich der Zorn der Aktionäre in der Rede von Richard Mayer: Commerzbank-Chef Martin Blessing sei ein "Totalversager" und "Kapitalvernichter", ruft er ins Mikro. Anteilseigner Winfried Lubos bezeichnet den Vorstandschef als "betriebswirtschaftlichen Geisterfahrer", der die "rote Karte" verdient habe.
Die Wut über die Übernahme der Dresdner Bank im Jahr 2008, den Kurssturz der Aktie und einen Verlust von 4,5 Milliarden Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr sitzt tief. Die Commerzbank habe eine "Versagerbank" gekauft und sich "den Schrott des Allianzkonzerns ans Bein" gebunden, entrüstet sich Mayer. Lubos fragt sich, wie Blessing dem Erwerb einer Bank zustimmen konnte, die praktisch insolvent gewesen sei, und warum er dazu toxische Papiere in großem Stil übernahm. Rücktrittsforderungen lassen nicht lange auf sich warten. "Verschwinden Sie noch heute aus dem Vorstand", fordert nicht nur Mayer Blessing auf.
"Eine Atmosphäre der Beklommenheit" - so beschreibt Lubos die Stimmung in der Frankfurter Jahrhunderthalle, zu der rund 2500 Aktionäre angereist sind, die knapp 50 Prozent des beteiligten Kapitals vertreten.
Blessing gibt sich optimistisch: Die Integration der Dresdner Bank komme schneller voran als geplant; 2009 habe das neue Institut die Kosten um 660 Millionen Euro reduziert. Nach schwarzen Zahlen im ersten Quartal sei auch das zweite gut angelaufen. Der Konzern werde im laufenden Jahr aber nur Gewinne erwirtschaften, wenn Konjunktur und Finanzmärkte mitspielten. Blessing verspricht erneut, die Stille Einlage des Bundes "möglichst schnell" und bis spätestens 2012 zurückzahlen zu wollen.
Der Staat ist mit 25 Prozent plus eine Aktie Hauptaktionär der Commerzbank. Der Ausstieg des Staates solle in möglichst wenigen Schritten geschehen, so Blessing. Ein Weg dorthin wäre der Umtausch der Stillen Einlage in Commerzbank-Aktien, die über den Markt verkauft werden sollen. Bei Markus Neumann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger stößt dies auf Kritik: Der Staat könne damit seinen Anteil an einen einzigen Großaktionär verkaufen.
Institut am Staatstropf
Den Unmut der Aktionäre zieht auch das vom Aufsichtsrat bereits beschlossene, neue Vergütungssystem für den Vorstand auf sich. Es soll rückwirkend zum 1. Januar 2010 in Kraft treten und bleibt auf der Tagesordnung - obwohl der Bund moniert hatte, die Vorschläge verstießen gegen die Regelungen zur Bankenrettung.
Das Festgehalt der Vorstände soll auf 750.000 Euro angehoben werden, dazu kommen Bonuszahlungen von bis zu zwei Millionen Euro. Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller betont mehrfach, dass die Gehaltserhöhung noch nicht wirksam wird: Die Bezüge sollen auf 500.000 Euro begrenzt bleiben, bis die Bank die Zinsen auf die Stille Einlage des Bundes von 16,4 Milliarden Euro voll bedienen kann. Er schätzt, dass der Aufsichtsrat auch über 2010 hinaus eine solche Regelung beschließt.
Klaus Nieding, Geschäftsführer der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, hält die Abstimmung über das neue Vergütungssystem für "viel zu früh", solange die Bank noch am Staatstropf hänge und über Personalabbau Kosten spare.
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