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Commerzbank: Alle Beschäftigten gehen leer aus

Die Commerzbank streicht Boni auch in profitablen Sparten und schafft so einen kleinen Gewinn. Von Bernd Salzmann

Im Filialgeschäft (im Bild eine Zweigstelle in Köln) geht es bei der Commerzbank bergauf.
Im Filialgeschäft (im Bild eine Zweigstelle in Köln) geht es bei der Commerzbank bergauf.
Foto: dpa

Die Commerzbank streicht der kompletten Belegschaft die Boni für 2008. Deutschlands zweitgrößtes Kreditinstitut kann dank dieser rigiden Entscheidung für das vergangene Geschäftsjahr gerade noch schwarze Zahlen ausweisen. Nach dem Rekordjahr 2007 hatte die Commerzbank 600 Millionen Euro für Boni springen lassen. Damals war ein Konzernüberschuss von 1,9 Milliarden Euro erzielt worden.

"Das Vorsteuerergebnis war negativ. Deshalb werden unsere Mitarbeiter und die Vorstandmitglieder für 2008 keinen Bonus erhalten", erklärte Finanzchef Eric Strutz am Mittwoch bei der Vorlage der Jahresbilanz.


Foto: FR-Infografik

Damit gehen auch die Beschäftigten profitabler Unternehmenszweige leer aus. Und solche gibt es bei der vom Staat unterstützten Commerzbank sehr wohl: So sorgten vor allem die Geschäfte mit Privatkunden und dem Mittelstand dafür, dass der Zinsüberschuss der Finanzgruppe 2008 gegenüber dem Vorjahr um 18 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro stieg. Auch das Mittel- und Osteuropageschäft braucht den Vergleich mit dem Rekordjahr 2007 nicht zu scheuen.

Riesige Verluste bescherten der Bank hingegen die Segmente Corporates & Markets und Commercial Real Estate. Dort ist das Investmentbanking angesiedelt, die Staatsfinanzierung und das gewerbliche Immobiliengeschäft, das seit der Übernahme der Eurohypo eine zentrale Rolle bei der Commerzbank spielt und nun neu ausgerichtet werden soll.

Finanzchef Strutz bezeichnete es in einer Telefonkonferenz als "bedauerlich", dass die Belegschaft durchweg auf Boni verzichten muss. Die Mitarbeiter, insbesondere die in den Filialen, hätten 2008 "sehr großen Einsatz" gezeigt. Die Gesamtsituation des Unternehmens lasse aber keine andere Entscheidung zu. Als die heutigen Verlustbringer mit starken Zahlen aufwarten konnten, hätten davon auch alle anderen bei den Bonuszahlungen profitiert. "Wir hatten auch schon Jahre, da war es anders", erinnerte Strutz.

Die Commerzbank hofft, bald wieder Boni zahlen zu können. "Bonuszahlungen sind ja per se nicht schlecht", sagte Strutz. "Über die Jahre ist das System nur durch den einen oder anderen Investmentbanker oder die Investmentbanken deformiert worden." In der Commerzbank habe es allerdings zu keiner Zeit Exzesse gegeben. Der Finanzchef sagte, die Commerzbank arbeite dennoch an einem neuen Anreiz- und Vergütungssystem, das sich stärker am nachhaltigen Geschäftserfolg orientiere. Es soll wennmöglich schon für das laufende Jahr gelten.

Strutz stellte klar, dass die Boni-Entscheidung für die Commerzbank und alle hundertprozentigen Tochtergesellschaften gilt, also auch für die Dresdner Bank, die seit Anfang des laufenden Jahres zur Commerzbank gehört. Dort waren für Investmentbanker der Dresdner Kleinwort im vergangenen Sommer vom damaligen Mutterkonzern Allianz noch Boni in Höhe von 400 Millionen Euro zurückgestellt worden. Ein Drittel des Betrags wurde laut Strutz vertraglich zugesichert.

Der Finanzchef appellierte an die Adresse der Investmentbanker, die Entscheidung des Commerzbank-Managements zu akzeptieren nicht auf die die Boni zu bestehen. Angeblich haben mehrere Investmentbanker bereits gedroht, ihre Ansprüche gerichtlich durchzusetzen.

Strutz rechnet nach der Streichung der Boni nicht mit einem Schwund an Leistungsträgern. "Auch in anderen Häusern sind die Boni zurückgegangen", sagte der Manager. Außerdem baue die Commerzbank nicht auf Angestellte, die vor allem auf ihre eigenen Verdienstmöglichkeiten schauten. Solchen Leuten mangele es an Loyalität.

Für 2009 ist Strutz nach "einem guten Start" verhalten optimistisch. Die Folgen der konjunkturellen Belastungen seien allerdings nicht verlässlich eingrenzbar. Der Finanzchef geht davon aus, dass die Bank ihre Risikovorsorge (2008: 1,85 Milliarden Euro) wegen wachsender Kreditausfälle um zehn bis 20 Prozent wird erhöhen müssen: "2009 wird noch einmal ein sehr schwieriges Jahr."

Autor:  BERND SALZMANN
Datum:  19 | 2 | 2009
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