"Sie verschleudern unser Geld! Pfui! Verziehen Sie sich aus diesem Vorstand und nehmen sie die Dresdner gleich mit", bellt Richard Mayer in Richtung Martin Blessing. "Sehen sie mich gefälligst an, wenn ich mit Ihnen spreche", fordert der Commerzbank-Aktionär in breitem Bayrisch von dem Vorstandsvorsitzenden seiner Bank, der den Blick teilnahmslos durch den vollbesetzten Saal der Jahrhunderthalle im Frankfurter Stadtteil Höchst schweifen lässt.
"Sie haben das ganze letzte Jahr ihren gesunden Menschenverstand ausgeschaltet", schimpft Mayer mit hochrotem Kopf. Applaus und zustimmendes Geraune schwappt durch die Reihen.
Dass es an diesem Freitag bei der Commerzbank-Hauptversammlung, die in weiser Voraussicht auf zwei Tage angesetzt wurde, turbulent zugehen würde, war bereits im Vorfeld erwartet worden. Schließlich sollen die Aktionäre über den Einstieg des Staates bei ihrer Bank beraten.
Das durch die Finanzkrise und die Übernahme der Dresdner Bank in Schieflage geratene Institut will sich die Kapitalspritze des Bundes von zehn Milliarden Euro genehmigen lassen. Dafür soll der Bund eine Aktienbeteiligung an der Bank von 25 Prozent plus einer Aktie bekommen.
Gleich zu Beginn der Hauptversammlung wird aber eines deutlich: Was die rund 2800 Angereisten weitaus mehr interessiert, ist die Übernahme der defizitären Allianz-Tochter Dresdner Bank, die ohne ihre Zustimmung erfolgt war.
"War es wirklich klug und richtig, den chronischen Sanierungsfall Dresdner Bank zu übernehmen?", fragt Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Oder geht es dabei einmal mehr um die Befriedigung von übersteigertem Ehrgeiz?"
Blessing hatte bereits zuvor eingeräumt: "Auch wir haben Fehler gemacht." Man habe aber nicht vorhersehen können, "in welch einem Ausmaß und in welcher Geschwindigkeit sich die in den Büchern der Dresdner Bank enthaltenen Risiken realisieren würden".
Die Commerzbank hatte sich Ende August mit dem Versicherer Allianz auf den Kauf der Dresdner Bank für 4,7 Milliarden Euro geeinigt. Am Ende des Jahres stand bei der Dresdner ein Rekordverlust von 6,3 Milliarden Euro in den Büchern. Und auch zu den roten Zahlen im Auftaktquartal 2009 trug die Dresdner maßgeblich bei.
Entsprechend erzürnt wiesen die Kleinaktionäre das Werben von Blessing um Vertrauen zurück. Nieding forderte im Namen der DSW, die Entlastung des Vorstands zu vertagen, bis eine Sonderprüfung zum Kauf der Beraterbank durchgeführt worden sei.
Damit es zu dieser Untersuchung kommt, müssen 50 Prozent des bei der Hauptversammlung anwesenden Kapitals zustimmen. Dies scheint aber unwahrscheinlich, weil die Kleinaktionären nicht so zahlreich erschienen, wie erwartet.
Die Präsenz lag bei 38 Prozent und die beiden Großaktionäre Allianz (18,8 Prozent) und Generali (6,3) dürften Blessing unterstützen.
Die Abstimmung über den Einstieg des Staates bei der Commerzbank verschob der Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller angesichts einer langen Rednerliste aufgebrachter Aktionäre auf den nächsten Tag.
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