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Commerzbank: Rückzahlung wird Chefsache

4,54 Milliarden Verlust machte die Commerzbank im Krisenjahr 2009. Nun schreibt das Kreditinstitut satte Gewinne und will mindestens zehn Prozent der lebensrettenden Staatsgelder zurückzahlen.

Die Krise scheinbar überwunden: Die Commerzbank will einen Teil der Staatsgelder zurückzahlen.
Die Krise scheinbar überwunden: Die Commerzbank will einen Teil der Staatsgelder zurückzahlen.
Foto: dapd
Frankfurt –  

Die Commerzbank schreibt wieder schwarze Zahlen – zumindest unter Laborbedingungen. Nach einem Verlust von 4,5 Milliarden Euro im Vorjahr konnte Vorstandschef Martin Blessing am Mittwoch mit einem operativen Gewinn von 1,4 Milliarden Euro aufwarten. Müsste das teilverstaatlichte Institut Kapitalkosten zahlen wie jeder andere Wettbewerber auch, hätte diese das Ergebnis komplett aufgezehrt: Für die Stille Einlage des Bundes würden eigentlich 1,5 Milliarden Euro Zinsen im Jahr fällig.

Doch die Unterschiede zwischen der Bilanzierung nach internationalen Standards und der Methode nach dem deutschen Handelsgesetzbuch sorgen dafür, dass die zweitgrößte deutsche Bank für 2010 keine Zinsen an den Bund überweisen muss. Aus dem Gewinn, den das Institut nach dem internationalen Standard ausweist, wird ein Verlust, wenn das Institut die Abschreibungen auf ihre Tochter Eurohypo berücksichtigt, wie es das Handelsgesetzbuch verlangt. Damit hat der Bund keinen Anspruch auf Zinsen.

Das soll sich nach dem Willen des Vorstands in diesem Jahr ändern. „Wir werden alles daran setzen, die Stille Einlage in diesen Jahr zu bedienen und einen signifikanten Teil zurückzuzahlen“, sagte Blessing. Unter signifikant verstehe er einen Anteil von mindestens zehn Prozent. Analysten vermuten jedoch, dass das Institut versuchen wird, deutlich mehr zurückzuzahlen.

Hintergrund ist das Restrukturierungsgesetz, das zu Jahresbeginn in Kraft getreten ist. Darin sind die Begrenzungen für die Vorstandsbezüge der mit Steuergeld gestützten Banken neu geregelt. Institute, die mindestens die Hälfte der Hilfen wieder zurückgezahlt haben, sind demnach nicht mehr daran gebunden, ihren Vorständen maximal 500 000 Euro im Jahr zu zahlen. Auf diese Weise will der Gesetzgeber verhindern, dass aus den Rettungspaketen dauerhafte Subventionen werden.

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Kernkapital als Reserve?

Damit Blessing und seine Vorstandskollegen wieder mehr verdienen dürfen, müsste die Commerzbank in diesem Jahr etwa neun Milliarden Euro zurückzahlen. Zwar wäre eine Kapitalerhöhung dieser Größenordnung wahrscheinlich kaum machbar, doch Finanzvorstand Eric Strutz wies auf eine Reserve hin, die das Institut möglicherweise anzapfen will: Das Kernkapital.

Die Kernkapitalquote der Commerzbank liege mit zehn Prozent überdurchschnittlich hoch. Üblicherweise seien derzeit eher 8,5 Prozent der Kredite mit eigenen Mitteln der Banken gedeckt. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank bezifferte kürzlich ihre Kernkapitalquote auf 8,7 Prozent. Indem sie das vorgehaltene Kapital verringert, könnte die Commerzbank immerhin rund vier Milliarden Euro freisetzen. Die fünf Milliarden Euro, die ihre Vorstände dann noch von einem möglichen Ende der Gehaltsdeckelung trennen, entsprechen in etwa den Summen, die andere europäische Großbanken in den vergangenen Monaten am Kapitalmarkt aufgenommen haben.

Aktienkurs rutscht ab

So platzierte der italienische Banco Popolare im Januar etwa neue Aktien im Wert von zwei Milliarden Euro. Im vergangenen Herbst hatte die spanische BBVA rund fünf Milliarden Euro aufgenommen. Die Deutsche Bank ragte mit einer Kapitalerhöhung von zehn Milliarden Euro für die Übernahme der Postbank weit heraus. Bevor die Commerzbank die Börse erneut anzapfen darf, benötigt sie jedoch noch das Plazet der Hauptversammlung im Mai.

An der Börse wurden die Commerzbank-Zahlen nicht honoriert. Zwar gingen die Papiere mit einem Kursplus in den Handel, weil das Ergebnis leicht über den Erwartungen lag. Als sich dann jedoch herausstellte, dass dies im wesentlichen auf das Ergebnis aus Finanzanlagen zurückzuführen war, rutschte die Aktie ins Minus. Zins- und Provisionsüberschuss gingen erwartungsgemäß leicht zurück.

Autor:  Anna Sleegers
Datum:  23 | 2 | 2011
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