Die Commerzbank muss bei ihrer in der kommenden Woche beginnenden Kapitalerhöhung dem zuletzt gesunkenen Aktienkurs Tribut zollen. Die neuen Papiere, die ihr die fehlenden 5,3 Milliarden Euro zur Rückzahlung von Staatshilfen einbringen sollen, würden mit einem Abschlag von rund 30 Prozent auf den um den Wert der Bezugsrechte bereinigten Schlusskurs (TERP) vom Freitag ausgegeben, sagten vier mit der Transaktion vertraute Personen Reuters am Donnerstag.
Damit müsste die zweitgrößte deutsche Bank, deren Aktie seit Anfang Mai zwölf Prozent eingebüßt hat, nach derzeitigem Stand mit einem Ausgabepreis von 2,10 bis 2,20 Euro rechnen - rund 45 Prozent unter dem Kurs vom Donnerstag. Das sei ein „verdaulicher Abschlag“, sagte einer der Insider. Die Commerzbank wollte sich zu den Informationen nicht äußern. Am Donnerstag legte die Aktie um vier Prozent auf 3,96 Euro zu.
Der Startschuss für die Kapitalerhöhung wird Kreisen zufolge schon über das Wochenende fallen. Ab Dienstag könnten die neuen Aktien aller Voraussicht nach gezeichnet werden. Die Commmerzbank hatte erklärt, die Kapitalmaßnahme werde spätestens in der kommenden Woche beginnen. Im Juni soll sie abgeschlossen sein. Der geplante Erlös von 3,95 Milliarden Euro wird von einer Vielzahl von Banken garantiert, der Bankenrettungsfonds SoFFin wandelt zudem weitere Stille Einlagen in Aktien um, um seinen Anteil von 25 Prozent zu halten.
Bis Ende Juni will die Bank weitere 7,5 Milliarden Euro an Stillen Einlagen an den SoFFin zurückgeben, von 16,2 Milliarden sollen dann nur noch 1,9 Milliarden Euro übrig bleiben.
Nach der Kapitalerhöhung wird sich die Zahl der Aktien der Commerzbank auf mehr als fünf Milliarden nahezu vervierfacht haben. Bereits der erste Schritt im April - die Platzierung von Pflichtumtauschanleihen - hatte die Zahl der Anteilsscheine auf knapp 2,7 Milliarden verdoppelt. Die Bank steckt in einer Art Teufelskreis: Je niedriger der Kurs, desto größer muss die Zahl der auszugebenden Aktien sein, um den erwarteten Erlös zu erzielen. Doch die Verwässerung drückt wiederum den Aktienkurs.
„Viele Investoren haben Commerzbank-Aktien leerverkauft, um sich bei der Kapitalerhöhung billiger einzudecken“, sagte ein Banker. Die Bank hatte sicherheitshalber den Nennwert ihrer Aktien auf 1,00 von 2,60 Euro gesenkt, da sie nicht unter dem Nominalwert ausgegeben werden dürfen. (rtr)
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