Berlin. Nach heftiger Kritik aus der Politik verzichtet der frühere Chef der hoch defizitären Dresdner Bank, Herbert Walter, auf seine Abfindung in Höhe von 3,6 Millionen Euro. Er begründete den Schritt mit den "massiven Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Dresdner Bank".
Zuvor hatten sich zahlreiche Politiker empört über die Bonuszahlungen in Millionenhöhe für die ehemaligen Manager des inzwischen von der Commerzbank übernommenen Instituts geäußert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich entsetzt darüber, mit welcher Nonchalance sich manche der Manager Bonuszahlungen leisteten und einsteckten.
Aus dem am Freitag vorgelegten Geschäftsbericht der Dresdner Bank geht hervor, dass die zeitweise neun Vorstände trotz eines Milliardenverlusts im vergangenen Jahr eine Vergütung von rund 58 Millionen Euro erhalten haben. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Die Dresdner Bank hatte 2008 einen Verlust von über sechs Milliarden Euro ausgewiesen.
Die Commerzbank befindet sich mittlerweile zu einem Viertel im Besitz des Bundes, nachdem der DAX-Konzern insgesamt 18,2 Milliarden Euro an Staatshilfen bekommen hat. Wegen der vom Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung verlangten Gehaltsdeckelung erhalten die Commerzbank-Vorstände maximal 500.000 Euro pro Jahr.
Walter machte klar, dass er rein rechtlich Anspruch auf eine Abfindung habe, da sein Vertrag noch knapp vier Jahre gelaufen wäre.
Zugleich forderte er eine durchgreifende Reform der Vergütungen im Bankbereich: "Die Bezahlung von Vorständen muss stärker als bisher an den langfristigen Erfolg der Unternehmen gekoppelt werden." Walter fügte hinzu: "Ich kann nachvollziehen, dass die Vergütungssysteme von Banken bei vielen Menschen auf Unverständnis stoßen." Merkel sagte, ein "Stück Anstand" sei auch Teil der sozialen Marktwirtschaft und trage zur Akzeptanz von Wirtschaftsführern bei.
In der Krise dürfe der normale Maßstab nicht verloren gehen. Harsche Kritik am Vorgehen der früheren Dresdner-Bank-Vorstände äußerte Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU): "Ich habe kein Verständnis für maßlose Forderungen von Managern, deren Unternehmen ohne die Hilfe der Steuerzahler heute keine Gehälter und schon gar keine Boni mehr zahlen könnten." Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) bezeichnete die Verantwortlichen als "Totengräber" am Prinzip der sozialen Marktwirtschaft.
Der CDU-Wirtschaftspolitiker und Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand, Michael Fuchs, schlug vor, dass bei Verlusten Prämien für Vorstände künftig ausgeschlossen werden. Gleichzeitig verlangte Fuchs schärfere Haftungsregeln für die Aufsichtsräte.
Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) forderte eine Reform der Vergütungssysteme für Manager. In guten Jahren würden Boni gezahlt, und wenn es dann Verluste gebe, seien die Manager "längst wieder weg", kritisierte Oettinger.
SPD-Generalsekretär Hubertus Heil nannte die hohen Bezüge der Dresdner-Vorstände "maßlos". Damit werde das Vertrauen der Menschen in die soziale Marktwirtschaft geschädigt. Heil forderte, "die steuerliche Abzugsfähigkeit von überzogenen Managergehältern und Abfindungen zu deckeln". Hier müsse die Union endlich mitziehen. (ddp)