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Jahresbilanz: Commerzbank streicht alle Boni

Boni für Banker kommen bei Bürgern und Politikern schlecht an. In der Commerzbank hat auch Chef Blessing ein Interesse daran, dass die Beschäftigten keine Zulagen bekommen. Von Bernd Salzmann

Der Vorstandssprecher der Commerzbank, Martin Blessing.
Der Vorstandssprecher der Commerzbank, Martin Blessing.
Foto: Foto: dpa

Boni für Banker kommen derzeit bei Bürgern und Politikern schlecht an. Vor allem, wenn das betroffene Geldinstitut staatliche Hilfen bekommt. In Sachen Commerzbank freilich hat auch der Chef Martin Blessing ein Interesse daran, dass die Beschäftigten keine Extra-Zulagen bekommen.

Hätte er Boni zahlen müssen, wäre Deutschlands zweitgrößte Bank tief in die roten Zahlen geschlittert, hätte ein Minus von gut 500 Millionen Euro ausgewiesen. So konnte das Institut für das Geschäftsjahr 2008 noch drei Millionen Euro Gewinn (Konzernergebnis nach Anteilen Dritter) verbuchen.

Nach dem untestierten Konzernabschluss, der am Mittwoch vorgelegt wurde, sank der Personalaufwand binnen Jahresfrist um 18,9 Prozent auf 2499 Millionen Euro. Die Differenz zu 3082 Millionen Euro sind "überwiegend Boni", heißt es in Finanzkreisen.

Die Commerzbank hat die Bonuszahlungen für die komplette Belegschaft und den Vorstand gestrichen. "Das Vorsteuerergebnis war negativ. Deshalb werden unsere Mitarbeiter und die Vorstandmitglieder für 2008 keinen Bonus erhalten", erklärte Finanzchef Eric Strutz, als er die Jahresbilanz vorlegte.

Die Beschäftigten bekämen aber eine "individuelle Anerkennung" für Mehrarbeit. Diese Entscheidung gelte für die Commerzbank und alle hundertprozentigen Tochtergesellschaften, betonte Strutz. Seit Anfang des Jahres gehört die Dresdner Bank zur Commerzbank.

Die Dresder-Investmentbanker hatten für 2008 vom früheren Dresdner-Mutterkonzern Allianz noch einen Bonus-Topf von 400 Millionen Euro zugesagt bekommen, den die Commerzbank schon vor Wochen infrage gestellt hatte. Mehrere Dresdner-Banker haben einem Medienbericht zufolge daraufhin damit gedroht, ihre Ansprüche vor Gericht durchzusetzen.

Strutz sagte, die Commerzbank arbeite derzeit an einem neuen Anreiz- und Vergütungssystem. Dieses Modell müsse in allen Geschäftsbereichen zur Leistungsfähigkeit der neuen Commerzbank passen und der Nachhaltigkeit von Erträgen gerecht werden.

Unter dem Strich steht 2008 ein Mini-Gewinn

Die Finanzkrise drückte die Commerzbank im vergangenen Jahr in die roten Zahlen. Vor Steuern stand ein Verlust von 378 Millionen Euro zu Buche nach einem Rekordergebnis von 2,5 Milliarden Euro im Jahr 2007, wie die Commerzbank mitteilte.

Dank eines Steuerertrags schaffte die zweitgrößte deutsche Bank 2008 unter dem Strich noch einen Mini-Gewinn von drei Millionen Euro. Gründe für das Minus waren Abschreibungen infolge der Krise und Milliardenverluste im Geschäft mit Staatsfinanzierungen, die vor allem im Schlussquartal anfielen.

Für das laufende Jahr stellt sich Commerzbank-Chef Martin Blessing auf weitere Belastungen ein. "2009 wird nochmals ein sehr schwieriges Jahr", erklärte Finanzchef Eric Strutz. Zwar sei der Januar gemessen an den Zins- und Handelserträgen gut verlaufen.

Durch die Wirtschaftskrise müsse die Bank aber mit höheren Kreditausfällen rechnen, so dass die Risikovorsorge voraussichtlich noch weiter steigen werde. Diese hatte 2008 bereits um 1,4 Milliarden Euro auf 1,9 Milliarden zugenommen. Die vorgelegten Zahlen beinhalten noch nicht die Ergebnisse der Dresdner Bank, die die Commerzbank Anfang des Jahres übernommen hatte.

Im Segment Staatsfinanzierungen und Handel fuhr die Commerzbank 2008 einen operativen Verlust von 1,7 Milliarden Euro ein nach einem Verlust von 67 Millionen im Jahr zuvor. Hier schlugen sich unter anderem Verluste aus dem Engagement in dem beinahe pleitegegangenen Inselstaat Island nieder.

Zudem kämpft die Commerzbank-Tochter Eurohypo mit einem starken Wertverfall von Staatsanleihen. Blessing hatte in den vergangenen Wochen mehrmals gesagt, die Branche brauche eine Lösung für diese Titel, die in den Büchern zu Abschreibungen führen und das Eigenkapital belasten. Finanzkreisen zufolge erwägt die Commerzbank eine Auslagerung solcher und anderer Papiere in eine sogenannte Bad Bank.

Trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise entwickelte sich das Segment Privat- und Geschäftskunden im vierten Quartal positiv. Der operative Gewinn stieg auf 129 (Vorjahreszeitraum: 67) Millionen Euro. Im Mittelstandsgeschäft sowie in Mittel- und Osteuropa ging das Ergebnis dagegen zurück.

Der Staat musste die Commerzbank bislang mit insgesamt gut 18 Milliarden Euro Eigenkapital und 15 Milliarden Euro Garantien stützen. Dadurch erwirbt der Bund 25 Prozent plus eine Aktie an dem Institut und hat künftig ein erhebliches Mitspracherecht. (mit rtr)

Autor:  Bernd Salzmann
Datum:  18 | 2 | 2009
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