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Commerzbank

13. März 2013

Kapitalerhöhung: Commerzbank kauft sich frei

 Von 
Die Commerzbank muss ihre Eigenkapitalquote verbessern.  Foto: Andreas Arnold

Die Commerzbank bastelt wieder an einer Kapitalerhöhung. Mit den Mitteln will die Commerzbank offenbar die restliche Staatshilfe zurückzahlen. Commerzbank-Aktionäre dürften nicht amüsiert sein.

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Frankfurt –  

Die Commerzbank schüttelt den Staat ab. Vorstandschef Martin Blessing kündigte am Mittwoch in Frankfurt überraschend die vorzeitige Rückgabe der Stillen Einlagen des Bankenrettungsfonds Soffin in Höhe von 1,63 Milliarden Euro an. Auch auf die Stille Einlage des Versicherungskonzerns Allianz in Höhe von 750 Millionen Euro will Deutschlands zweitgrößte Bank vorzeitig zu verzichten. Das Institut bereitet dafür eine Kapitalerhöhung in Höhe von 2,5 Milliarden Euro vor.

Blessing sagte, die Stille Einlage des Bundes sei von vornherein nur als eine Hilfe auf Zeit gedacht gewesen. Mit der Rückgabe komme die Bank also nur ihrer Verpflichtung gegenüber dem Staat und dem Steuerzahler nach. Auch erhalte die Commerzbank mehr Spielraum bei der Verwendung künftiger Gewinne. Das erhöhe die Chance der Aktionäre auf eine Dividende. Künftig entfielen die Zinszahlungen an den Soffin und die Allianz in einer Größenordnung von 214 Millionen Euro pro Jahr. Zudem gelinge es mit Hilfe der Kapitalerhöhung, die aufsichtsrechtlich wichtige Kernkapitalquote auf 8,6 Prozent zu steigern und so vorzeitig die Zielmarke von neun Prozent zu erreichen.

Bund bleibt zunächst Aktionär

Der Bund war nach der Lehman-Pleite mit insgesamt 18,2 Milliarden Euro bei der Commerzbank eingestiegen. Künftig ist er nur noch Großaktionär. Von der Kursentwicklung hängt es ab, ob der Staat unterm Strich einen Gewinn oder einen Verlust macht. Das verbleibende staatliche Investment bei der Bank gab Blessing mit 3,7 Milliarden Euro an. Der Wert der Aktien lag am Mittwoch knapp unter zwei Milliarden Euro.

Bis heute hat die Commerzbank 11,5 Milliarden Euro an Stillen Einlagen zurückgezahlt. Die restlichen Hilfsgelder sollen nun folgen. Die Verbindung von Staat und Commerzbank ist damit aber noch nicht gekappt. Der Bund, der aktuell 25 Prozent der Aktien plus einen weiteren Anteil hält und damit über eine Sperrminorität bei der Commerzbank verfügt, bleibt zunächst Großaktionär. Im Zuge der geplanten Kapitalerhöhung, mit der der Staat und der Versicherungskonzern Allianz abgelöst werden sollen, schrumpft sein Anteil voraussichtlich jedoch unter 20 Prozent.

Von der Wertentwicklung dieser rund 1,5 Milliarden Aktien hängt es ab, ob der Bund und damit letzen Endes der Steuerzahler bei der Hilfsaktion draufgelegt hat. Wobei in der Rechnung nicht auftaucht, welche Folgekosten entstanden wären, wenn ein systemrelevantes Kreditinstitut wie die Commerzbank zusammengebrochen wäre. Jenseits dieser Frage kommt es in der Gesamtbilanz des Abenteuers Commerzbank nach Blessings Berechnungen darauf an, dass die Aktien eines Tages mindestens einen Gesamtwert von 3,7 Milliarden Euro erreichen. Denn so hoch beziffert der Commerzbank-Chef das verbleibende Investment des Staates von ursprünglich 18,2 Milliarden Euro.

Im Moment sieht es nicht gerade gut aus. „Wenn der Bund jetzt komplett aussteigen würde, würde er einen Verlust machen“, räumt der Vorstandschef ein, der sich noch einmal ausdrücklich für die Hilfe der Politik und des Steuerzahlers bedankte. Auf die Frage, wie hoch der Kurs steigen müsste, um ohne Verlust aus der Affäre zu kommen, antwortete Blessing ausweichend. Die Aktie stürzte am Mittwoch um fast zehn Prozent auf 1,26 Euro ab. Der Kurs müsste sich also ungefähr verdoppeln, soll ein Verlust vermieden werden.

Der Bund hält sich über sein weiteres Vorgehen bislang bedeckt. Er hat sich lediglich verpflichtet, seine Commerzbank-Aktien mindestens noch sechs Monate zu halten. Soffin-Chef Christopher Pleister bekräftigte, Ziel sei, den Ausstieg aus der Ban k möglichst marktschonend zu gestalten.

Konkreter Zeitplan

Bankchef Blessing wurde da gestern schon konkreter. Geplant sei eine Kapitalerhöhung im Volumen von 2,5 Milliarden Euro mit Bezugsrechten für Altaktionäre, berichtete er. Die vom 22. Mai auf den 19. April vorgezogene Hauptversammlung soll das Vorhaben absegnen. Über die Bühne gehen soll die Transaktion von Mitte Mai bis Anfang Juni 2013. Den Aktionären wird bei der Hauptversammlung zudem eine Kapitalherabsetzung durch Zusammenlegung von Aktien im Verhältnis 10:1 zur Entscheidung vorgelegt. Dadurch würde die Zahl der ausgegebenen Aktien vor der Kapitalerhöhung auf 583 Millionen Stück von derzeit 5,83 Milliarden Stück sinken. Das würde den Wert der einzelnen Papiere aufwerten, sagte Blessing.

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