Der Aufsichtsrat der Commerzbank beruft eine Krisensitzung ein. Angeblich gibt es eine Kapitallücke von fünf Milliarden Euro. Eine Problemtochter könnte zur Bad Bank des Finanzkonzerns umfunktioniert werden.
Im Kleinen wie im Großen: Reparaturen bei der Commerzbank.
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Im Kleinen wie im Großen: Reparaturen bei der Commerzbank.
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Frankfurt –
Die Commerzbank sucht händeringend nach Auswegen aus der Misere. Nachdem die Neuauflage des europäischen Bankenstresstests Medienberichten zufolge eine Kapitallücke von fünf Milliarden Euro offengelegt hat, kommt der Aufsichtsrat an diesem Freitag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, auf der mögliche Lösungen diskutiert werden sollen.
Wie die Financial Times Deutschland berichtet, plant die Commerzbank Nachrang-Anleihen, die deutlich unter ihrem Nennwert notieren, in eigene Aktien umzutauschen. Auf diese Weise hatte das Institut bereits im Frühjahr sein Kernkapital um 300 Millionen Euro aufgebessert. Diesmal solle eine Entlastung von bis zu einer Milliarde Euro erreicht werden. Die dafür notwendige Ermächtigung der Hauptversammlung für eine bezugsrechtslose Kapitalerhöhung liegt vor, doch die Commerzbank lehnt einen Kommentar ab.
Im Anschluss an die Sitzung wird das teilverstaatlichte Institut möglicherweise auch einen Nachfolger für Finanzvorstand Eric Strutz präsentieren, der Ende März eine Auszeit nehmen will. Nach Informationen des Handelsblatts gibt es einen externen Kandidaten, dessen Berufung auf der Sitzung diskutiert werden soll. Da die Vorstandsgehälter bis auf weiteres auf 500.000 Euro im Jahr begrenzt bleiben, war nicht damit gerechnet worden, dass sich außerhalb der Bank ein geeigneter Kandidat finden würde.
Systemrelevant: Die gefährlichsten Banken
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Systemrelevant: Die gefährlichsten Banken
Nahezu fantastische Zahlen können die japanischen Banken vorweisen, obwohl das Land selbst bei der Staatsverschuldung ganz oben mitmischt. Eine Eigenkapitalquote von 78,36 Prozent hat die Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ - die Bank Sumitomo Mitsui kann 77,64 Prozent vorweisen.
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Ebenfalls aus Japan kommt Mizuho mit einer Eigenkapitalqote von 77,10 Prozent.
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Die erste amerikanische Bank ist die Bank of New York Mellon - hier eine Filiale in Brüssel. Sie hat eine Eigenkapitalqote von 13,41 Prozent - dabei liegt die Bilanzsumme bei einem Bruchteil von dem, was die Deutsche Bank in ihrer Bilanz ausweist. Kurz auf Mellon folgt mit 11,08 Prozent die State Street.
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Auch die nächsten Kandiaten kommen aus USA: Wells Fargo - die im Logo noch an die Postkutschen-Geldtransfers erinnert - kommt auf 10,17 Prozent...
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...das drittgrößte US-Institut Bank of America kommt auf 10,08 Prozent - und damit über die Quote von neun Prozent, welche die europäische Bankenaufsicht bis Mitte 2012 von den Banken dort fordert.
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Die Citigroup - hierzulande bekannt durch ihren Ableger Citibank - verfügt über 8,66 Prozent Eigenkapitalquote.
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Goldman Sachs hat nur ein Drittel der Bilanzsumme der Deutschen Bank, aber 8,58 Prozent Eigenkapitalquote.
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Den Frankfurtern ist die amerikanische Bank JPMorgan Chase vor allem wegen des Marathons bekannt. Doch die New Yorker Bank läuft den deutschen Banken auch mit 8,32 Prozent Eigenkapitalquote weit davon.
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Die letzte systemrelevante Bank aus den USA ist Morgan Stanley - mit einer Quote von 8,10 Prozent.
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Lange vor der ersten deutschen Bank schaffen es die Italiener auf die Liste der systemrelevanten Banken mit hoher Eigenkapitalquote: Unicredit schafft 7,28 Prozent.
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Doch noch immer keine deutsche Bank - die größte Bank der Euro-Zone ist die spanische Santander Bank. Sie muss bis 2012 ihre Quote von 6,65 Prozent auf neun Prozent steigern.
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Die nächsten auf der Liste sind schon wieder im Ausland: Die Bank of China in Peking hat 6,46 Prozent Quote.
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Obwohl auch die Banken in Großbritannien von der Krise geschüttelt wurden, schafft es die HSBC mit 6,31 Prozent....
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... und selbst die Royal Bank of Scotland mit 5,29 Prozent Eigenkapitalquote noch weit vor die deutschen Banken.
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Die altehrwürdig anmutende englische Lloyds Banking Group kommt auf eine Eigenkapitalquote von 4,73 Prozent.
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Frankreich selbst drohen die Ratingagenturen schon mit Abwertung der Kreditwürdigkeit, aber eine der drei ältesten Banken Frankreichs verfügt bei einer etwas mehr als halb so großen Bilanzsumme wie die der Deutschen Bank über eine Eigenkapitalquote von 4,5 Prozent: Die Société Générale musste dabei sogar jüngst griechische Staatsanleihen im großen Stil abschreiben. Es folgt mit 4,47 Prozent die Credit Agricole.
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Ebenfalls aus Frankreich: BNP Paribas mit 4,29 Prozent.
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Auch die Schweiz hat systemrelevante Banken. Bei der Credit Suisse liegt die Eigenkapitalquote bei 4,38 Prozent, gefolgt von der schwedischen Nordea mit 4,22 Prozent.
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Die britische Barclays Bank hat weniger auf Staatsanleihen als auf Privatkunden gesetzt und hält sich deshalb für weniger gefährdet. Die Quote liegt bei 4,18 Prozent.
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Die Schweizer Bank UBS war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, weil einer ihrer Londoner Broker heimlich Milliarden verzockte. Sie zählt zu den weltweit größten Vermögensverwaltern und hat eine Eigenkapitalquote von 3,94 Prozent.
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Die Schlusslichter bei der Eigenkapitalquote: Die deutsche Commerzbank könnte nach Einschätzung der Ratingagentur Fitch zwar erneut Staatshilfen benötigen, und liegt bei der Eigenkapitalquote mit 3,8 Prozent auf dem viertletzten Platz.
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Die niederländische ING Gruppe hat noch 3,76 Prozent.
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Den letzten Platz macht der Deutschen Bank nur ein Institut streitig, das gerade mit Staatshilfe gerettet werden muss. Den vorletzten Platz bekommt die Deutsche Bank mit 2,64 Prozent Eigenkapitalqote.
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Die belgisch-französische Bank Dexia muss auf Hilfen der belgischen Notenbank zurückgreifen. Ihre Eigenkapitalquote liegt bei 1,89 Prozent - ihre Bilanzsumme ist allerdings nur ein Viertel so groß wie die der Deutschen Bank.
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Die G20-Staaten haben 29 Banken als systemrelevant ausgeguckt: Diese Banken könnten bei ihrem Sturz die Welt erschüttern. Deshalb sollen sie das Polster aus Eigenkapital aufstocken, damit nicht der Steuerzahler bei einer Pleite wieder in die Bresche springen muss. Ein wichtiger Hinweis auf die Gefährlichkeit einer Bank ist ihre Eigenkapitalquote: Sie setzt das Eigenkapital in Beziehung zur Bilanzsumme. Wir zeigen ein Ranking der Banken nach dieser Quote auf Basis von Daten der Agentur Bloomberg.
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Das steht in den Büchern der Banken
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Das steht in den Büchern der Banken
Die Royal Bank of Scotland hat 30,4 Milliarden US-Dollar in die umstrittenen Papiere investiert.
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Die Bank of America selbst hat nur 6 Milliarden US-Dollar in den Büchern. Ihre Sparten dagegen verzeichnen die zusammen die höchsten Werte: Countrywide mit 26,6 Milliarden und Merrill Lynch mit 24,8 Milliarden US-Dollar.
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Auch die Deutsche Bank muss sich für missglückte Hypotheken-Geschäfte zu Zeiten der Finanzkrise verantworten. Sie hat laut Gerichtsakten 14,2 Milliarden US-Dollar in den Büchern.
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Credit Suisse: 14,1 Milliarden US-Dollar.
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Goldman Sachs Group Inc: 11,1 Milliarden US-Dollar
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Morgan Stanley 10,58 Milliarden US-Dollar.
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HSBC: 6,2 Milliarden US-Dollar, dicht gefolgt von der Ally Financial mit 6 Milliarden.
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Barclays: 4,9 Milliarden US-Dollar.
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Citigroup Inc: 3,5 Milliarden US-Dollar
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Für die Bank Nomura Holdings Inc nennen die Gerichtsakten zwei Milliarden, für die französische Societe Generale 1,3 Milliarden US-Dollar.
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First Horizon National Corp: 0,883 Milliarden US-Dollar.
General Electric Co: 0,549 Milliarden US-Dollar.
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Zu den Ursachen der Finanzkrise zählen Experten Wertpapiergeschäfte, die mit Hypotheken besichert waren. Banken sollen dazu falsche Angaben gemacht haben. Die Klage gegen 17 Banken in USA nennt auch Zahlen dazu, wie viel die betroffenen Wertpapiere in den Büchern der Banken wert sind. Bei JPMorgan Chase & Co sind es 33 Milliarden US-Dollar.
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Allerdings ist es gut möglich, dass das künftige Vorstandsmitglied die Finanzen eines deutlich kleineren Instituts verantworten müsste als sein Vorgänger. Wenn es der Commerzbank nicht gelingt, die Kapitalauflagen der europäischen Aufsichtsbehörde Eba zu erfüllen, gilt es als wahrscheinlich, dass sie drastisch schrumpfen muss.
Diskutiert wird unter anderem die Abspaltung der Problem-Tochter Eurohypo. Das Institut, in dessen Büchern neben Milliardenrisiken aus dem amerikanischen Hypothekenmarkt auch jede Menge südeuropäischer Staatsanleihen stehen, könnte mit Hilfe der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung zur Bad Bank des Finanzkonzerns umfunktioniert werden.
Künftig nur noch Mittelstand?
„Der Gedanke liegt nahe, weil dies die meisten Probleme der Commerzbank auf einen Schlag lösen würde“, sagt Dieter Hein, Bankenspezialist des unabhängigen Analystenhauses Fairesearch. Gleichwohl wird der Commerzbank-Vorstand seiner Meinung nach alles tun, um diesen Schritt zu vermeiden. „Die Auflagen, unter denen die EU-Kommission für diese Form der Beihilfen genehmigen würde, wären zu hoch“, sagt Dieter Hein.
Wie viele in der Branche geht Hein davon aus, dass die Wettbewerbshüter im Gegenzug eine drastische Verkleinerung der Bilanz verlangen würden. Denkbar wäre etwa, dass sich die Commerzbank künftig auf das Mittelstandgeschäft konzentriert.
Mit Commerzbank-Chef Martin Blessing wäre ein solch herber Einschnitt allerdings kaum zu machen. Der frühere Partner der Unternehmensberatung McKinsey bewies bereits kurz nach seinem Amtsantritt Wachstumsambition, als er mitten in der Bankenkrise die stark davon betroffene Dresdner Bank übernahm.