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Krisensitzung: Commerzbank steht am Scheideweg

Der Aufsichtsrat der Commerzbank beruft eine Krisensitzung ein. Angeblich gibt es eine Kapitallücke von fünf Milliarden Euro. Eine Problemtochter könnte zur Bad Bank des Finanzkonzerns umfunktioniert werden.

        

Im Kleinen wie im Großen: Reparaturen bei der Commerzbank.
Im Kleinen wie im Großen: Reparaturen bei der Commerzbank.
Foto: dapd
Frankfurt –  

Die Commerzbank sucht händeringend nach Auswegen aus der Misere. Nachdem die Neuauflage des europäischen Bankenstresstests Medienberichten zufolge eine Kapitallücke von fünf Milliarden Euro offengelegt hat, kommt der Aufsichtsrat an diesem Freitag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, auf der mögliche Lösungen diskutiert werden sollen.

Wie die Financial Times Deutschland berichtet, plant die Commerzbank Nachrang-Anleihen, die deutlich unter ihrem Nennwert notieren, in eigene Aktien umzutauschen. Auf diese Weise hatte das Institut bereits im Frühjahr sein Kernkapital um 300 Millionen Euro aufgebessert. Diesmal solle eine Entlastung von bis zu einer Milliarde Euro erreicht werden. Die dafür notwendige Ermächtigung der Hauptversammlung für eine bezugsrechtslose Kapitalerhöhung liegt vor, doch die Commerzbank lehnt einen Kommentar ab.

Im Anschluss an die Sitzung wird das teilverstaatlichte Institut möglicherweise auch einen Nachfolger für Finanzvorstand Eric Strutz präsentieren, der Ende März eine Auszeit nehmen will. Nach Informationen des Handelsblatts gibt es einen externen Kandidaten, dessen Berufung auf der Sitzung diskutiert werden soll. Da die Vorstandsgehälter bis auf weiteres auf 500.000 Euro im Jahr begrenzt bleiben, war nicht damit gerechnet worden, dass sich außerhalb der Bank ein geeigneter Kandidat finden würde.

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Allerdings ist es gut möglich, dass das künftige Vorstandsmitglied die Finanzen eines deutlich kleineren Instituts verantworten müsste als sein Vorgänger. Wenn es der Commerzbank nicht gelingt, die Kapitalauflagen der europäischen Aufsichtsbehörde Eba zu erfüllen, gilt es als wahrscheinlich, dass sie drastisch schrumpfen muss.

Diskutiert wird unter anderem die Abspaltung der Problem-Tochter Eurohypo. Das Institut, in dessen Büchern neben Milliardenrisiken aus dem amerikanischen Hypothekenmarkt auch jede Menge südeuropäischer Staatsanleihen stehen, könnte mit Hilfe der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung zur Bad Bank des Finanzkonzerns umfunktioniert werden.

Künftig nur noch Mittelstand?

„Der Gedanke liegt nahe, weil dies die meisten Probleme der Commerzbank auf einen Schlag lösen würde“, sagt Dieter Hein, Bankenspezialist des unabhängigen Analystenhauses Fairesearch. Gleichwohl wird der Commerzbank-Vorstand seiner Meinung nach alles tun, um diesen Schritt zu vermeiden. „Die Auflagen, unter denen die EU-Kommission für diese Form der Beihilfen genehmigen würde, wären zu hoch“, sagt Dieter Hein.

Wie viele in der Branche geht Hein davon aus, dass die Wettbewerbshüter im Gegenzug eine drastische Verkleinerung der Bilanz verlangen würden. Denkbar wäre etwa, dass sich die Commerzbank künftig auf das Mittelstandgeschäft konzentriert.

Mit Commerzbank-Chef Martin Blessing wäre ein solch herber Einschnitt allerdings kaum zu machen. Der frühere Partner der Unternehmensberatung McKinsey bewies bereits kurz nach seinem Amtsantritt Wachstumsambition, als er mitten in der Bankenkrise die stark davon betroffene Dresdner Bank übernahm.

Autor:  Anna Sleegers
Datum:  29 | 11 | 2011
Kommentare:  1
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