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Mittelstand umgeht Banken: Geld sammeln beim Kunden

Der Mittelstand verschafft sich neues Geld - und zwar am Anleihemarkt statt bei den Banken. Der Immobilienentwickler Golden Gate geht derzeit an die Börse und lockt mit hohen Zinsen. Auch Pellets-Hersteller gehen diesen Weg.

Der Holzpellets-Hersteller German Pellets aus Wismar lockt mit 7.25 Prozent Festzins.
Der Holzpellets-Hersteller German Pellets aus Wismar lockt mit 7.25 Prozent Festzins.
Foto: dpa

Die Golden Gate AG braucht frisches Kapital: Der bayerische Immobilienentwickler hat zwei Ex-Bundeswehrkliniken in Leipzig und Amberg gekauft, die er zu Zentren für septische Chirurgie ausbauen will. Außerdem plant Vorstandschef Uwe Rampold Investitionen in Wohnimmobilien. Das nötige Geld will er sich nicht bei Banken, sondern am Kapitalmarkt besorgen: Golden Gate wird als erstes Unternehmen eine Anleihe im Entry Standard der Frankfurter Börse emittieren.

Seit Mitte Februar gibt es das neue Mittelstandssegment für Anleihen, seit gestern können Anleger die Golden Gate-Anleihe zeichnen. Bei einem Volumen von bis zu 30 Millionen Euro und einem Zins von 6,5 Prozent bei 3,5 Jahren Laufzeit bietet sie deutlich mehr Rendite als Tagesgeld oder die meisten Staatsanleihen. Das Vertrauen der Anleger gewinnen will Rampold durch die doppelte Besicherung der in 1000 Euro stückelbaren Emission – durch eine Grundschuld auf die Leipziger Klinik sowie aus den Mieten für Teile des Gebäudes.

Zudem ließ Golden Gate neben dem vorgeschriebenen Unternehmensrating auch die Anleihe selbst durch Creditreform bewerten. Sie erhielt mit BBB immerhin noch eine durchschnittliche Bewertung, während das Unternehmen mit BB auf Ramsch-Niveau eingestuft wurde.

Den Weg von Golden Gate sind bereits etliche Mittelständler gegangen, seit die Börse Stuttgart im Mai 2010 mit „Bondm“ eine Plattform für Anleihen von mittelständischen Unternehmen geschaffen hat. Seit der ersten, heiß begehrten Emission des Anlagenbauers Dürr haben sich dort 14 Unternehmen über den Kapitalmarkt eingedeckt. Mehr als eine Milliarde Euro haben sie schon eingesammelt. Die meisten Anleihen gingen rasch weg, zuletzt die von German Pellets. Der Holzpellets-Hersteller aus Wismar lockte mit 7,25 Prozent Festzins und konnte die geplanten 80 Millionen in wenigen Tage platzieren.

Die anderen Handelsplätze wollen den Stuttgartern den Markt nicht länger alleine überlassen: Der Schnapshersteller Underberg legte gestern als erster eine Anleihe im neuen Segment Mittelstandsmarkt an der Düsseldorfer Börse auf. Auch die Münchner Börse bietet Unternehmen mit der Plattform „M:Access“ die Möglichkeit, Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen. In Hamburg und Hannover können Unternehmensanleihen sogar ohne Rating aufgelegt werden. Rampold glaubt, dass sich die Frankfurter Börse bei Mittelstandsanleihen langfristig durchsetzen wird: „Wir haben uns mit Frankfurt den wichtigsten und stabilsten Finanzplatz ausgesucht.“

Nicht nur Mittelständler, auch größere Player wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) entdecken Anleihen als Finanzierungsform für sich. Ein Ende des Booms ist nicht abzusehen. „Im April werden wir einen Hype erleben“, prophezeit ein Insider, Kandidaten etwa seien Valensina und Maredo. Für Joachim Heppe von der Commerzbank gibt es mehrere Gründe für den wachsenden Markt. Zum einen sei die Hemmschwelle für Emittenten gesunken, weil sich der Kapitalmarkt immer weiter für Anleihen ohne Rating geöffnet habe. Dadurch sparten die Unternehmen Geld und Management-Ressourcen. Aber auch der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit von Bankkrediten beflügele die Anleihe.

Das sieht man auch bei Dürr so. Mit ihrer 150 Millionen Euro-Anleihe lösten sie eine Altanleihe frühzeitig ab, ein Kreditvertrag mit einem Bankenkonsortium laufe weiter. Die Vertragsbedingungen seien jedoch im Zuge der Krise neu verhandelt worden, so ein Sprecher: „Das kostet Zeit und Geld.“ Auch Uwe Rampold findet es im Gegensatz zu der Zeit vor 2006 „schwer und teuer, Geld von Banken zu bekommen“. Für ihn ist die Kreditklemme real. Aus Sicht von Heppe waren viele Institute in der Krise mit der Konsolidierung der Bilanzen beschäftigt. Dies habe zu Einschränkungen bei der Kreditvergabe geführt.

Die Sparkassen wollen von einer Kreditklemme nichts hören. „Die Bundesbankberichte bestätigen, dass es die nicht gibt“, so der Sparkassenverband.

Autor:  Jutta Maier
Datum:  5 | 4 | 2011
Kommentare:  2
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