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Rettungsfonds: Zahltag bei der Commerzbank

Die deutschen Steuerzahler können aufatmen. Gut zweieinhalb Jahre, nachdem sie Milliarden für die Rettung der Commerzbank zur Verfügung stellen mussten, haben sie einen Großteil des Geldes wieder.

Commerzbank-Gebäude in Frankfurt am Main.
Commerzbank-Gebäude in Frankfurt am Main.
Foto: dpa

Am Donnerstagmorgen überwies das Frankfurter Institut etwa 4,575 Millionen Euro auf das Konto der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung, die den Bankenrettungsfonds Soffin verwaltet. Das war die letzte Rate der Anfang April angekündigten Rückzahlung von 14,3 Milliarden Euro.

Als der Staat die Commerzbank auf dem Höhepunkt der Bankenkrise stützen musste, hätte es kaum jemand für möglich gehalten, dass das Institut so schnell einen Großteil der Hilfe zurückzahlen kann. Das Institut hatte sich wenige Tage vor der Pleite der US-Bank Lehman Brothers entschlossen, die Dresdner Bank zu übernehmen, die damals dem Versicherungskonzern Allianz gehörte. Die Dresdner Bank war nicht nur fast genauso groß wie die Commerzbank, sondern litt wegen der Aktivitäten ihrer Investmentbank Dresdner Kleinwort auch heftig unter den Verwerfungen an den Finanzmärkten. Viele Analysten schüttelten damals den Kopf darüber, dass sich die Commerzbank mitten in der Krise ein derart ambitioniertes Projekt wie die Integration der defizitären Dresdner Bank ans Bein band. Ohne die beiden Finanzspritzen des Rettungsfonds wäre das Institut daran allerdings auch zerbrochen.

Doch die Commerzbank überraschte die Zweifler. Innerhalb von zweieinhalb Jahren schloss sie nicht nur die Integration der früheren Wettbewerberin ab, sondern beglich auch einen großen Teil der Schulden beim Steuerzahler. Völlig ausbezahlt ist der Staat jedoch nicht. Über den Bankenrettungsfonds Soffin bleibt er mit einer Stillen Einlage von 1,9 Milliarden Euro bei der Commerzbank engagiert. In diesem und in jedem künftigen Jahr erhält der Staat dafür eine Gewinnbeteiligung von 170 Millionen Euro – sofern die Commerzbank nach den Bilanzierungsregeln des Handelsgesetzbuches einen Gewinn ausweist. Bis Ende 2014 will das Institut aber auch diese verbleibende Beteiligung zurückgezahlt haben. Dafür sollen künftige Gewinne verwendet werden.

Außerdem bleibt der Bund mit 25 Prozent plus einer Aktie vorerst größter Einzelaktionär. Daran wird sich zumindest bis zum Jahresende auch nichts ändern, weil sich der Bund vertraglich verpflichtet hat, die Papiere vor dem 31.12. nicht zu verkaufen. Das ist als Vorsichtsmaßnahme zu verstehen. Die Beteiligung des Bundes ist groß genug, um Entscheidungen der Hauptversammlung zu blockieren. Auf diese Weise sichern sich die Bundesregierung und die Commerzbank dagegen ab, dass die drittgrößte deutsche Privatbank wegen Turbulenzen des Aktienkurses zum Beispiel in die Hände eines feindlich gesinnten Konkurrenten fällt. Denn um die Steuermilliarden zurückzuzahlen, musste die Commerzbank eine gigantische Kapitalerhöhung über die Bühne bringen, die den Aktienkurs erwartungsgemäß schwer belastete.

Das Institut verkaufte nach eigenen Angaben 2,44 Milliarden neue Aktien an bestehende und neue Aktionäre, so dass sich die Zahl der ausstehenden Aktien auf 5,1 Milliarden nahezu verdoppelte. Für die bestehenden Aktionäre bedeutet das eine extreme Verwässerung: Jeder Euro Gewinn, den das Institut verdient, muss künftig auf doppelt so viele Anteile verteilt werden. „Aus einem Liter Vollmilch werden drei Liter Magermilch gemacht“, so der Kommentar eines Commerzbank-Aktionärs auf der Hauptversammlung im Mai.

Dank der Kapitalspritze der Aktionäre – zu denen nach Informationen aus Finanzkreisen sehr viele internationale Investoren gehören, die am gegenwärtigen Boom der deutschen Wirtschaft teilhaben wollen - spielt die Commerzbank am Aktienmarkt eine gewichtigere Rolle. Der Börsenwert, der im Frühjahr zeitweise auf weniger als sechs Milliarden Euro abgerutscht war, ist durch den rapiden Anstieg der Aktienzahl auf fast 16 Milliarden Euro angewachsen.

Autor:  Anna Sleegers
Datum:  9 | 6 | 2011
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