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Staatsanleihen: Zahltag bei der Commerzbank

Die Commerzbank will die Staatshilfen früher als geplant zurückzahlen. Von den stillen Einlagen des Rettungsfonds Soffin in Höhe von 16,2 Milliarden Euro sollen bis Juni 14,3 Milliarden zurückgezahlt werden.

Sauberer Durchblick: Fassade der Commerzbank-Zentrale in Frankfurt.
Sauberer Durchblick: Fassade der Commerzbank-Zentrale in Frankfurt.
Foto: REUTERS

Martin Blessing macht Ernst. Erst vor wenigen Wochen hatte der Commerzbank-Chef für dieses Jahr eine signifikante Rückzahlung der Staatshilfen in Aussicht gestellt. Am Mittwoch folgte der detaillierte Plan für eine gigantische Kapitalerhöhung, mit deren Erlös das Institut den größten Teil der Stillen Einlage zurückzahlen will, mit der sie der Bund vor gut zwei Jahren – wenige Monate nach der Übernahme der Dresdner Bank – vor dem Zusammenbruch bewahrt hatte.

Von den 16,2 Milliarden Euro, die der Bund der Commerzbank damals zur Verfügung gestellt hatte, will die Commerzbank nun 14,3 Milliarden Euro ablösen. Das meiste davon will sich Blessing bei seinen Aktionären holen, die eine Kapitalerhöhung um elf Milliarden Euro genehmigen sollen. „Eine Kapitalerhöhung dieser Dimension hat es im deutschen Bankensektor noch nie gegeben“, sagt Dieter Hein vom unabhängigen Analystenhaus Fairesearch.

Nach Heins Berechnungen erhöht sich die Zahl der ausstehenden Commerzbank-Aktien durch den Kapitalschritt um das Drei- bis Fünffache. Mit anderen Worten: Wenn die Commerzbank auf der Basis der heutigen Aktienzahl einen Gewinn von einem Euro pro Aktie macht, wird dieser durch die Kapitalerhöhung auf 20 bis 33 Cent pro Aktie reduziert. Zum Vergleich: Als die Deutsche Bank sich im vergangenen Jahr zehn Milliarden frisches Kapital beschaffte, stieg die Zahl der Aktien um gerade einmal 50 Prozent.

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Damit werden durch die Rückzahlung vor allem jene zur Kasse gebeten, die vor dem Einstieg des Staates in Form von Dividenden an den Gewinnen der Commerzbank teilhatten – und auch daran glauben, dass das Institut in Zukunft wieder Gewinne ausschütten wird. Seit dem Einstieg des Staates hat das Institut keine Dividende mehr gezahlt. Blessing zeigte sich allerdings zuversichtlich, dass für 2012 erstmals wieder eine Dividende ausgeschüttet wird.

Den Rest der Rückzahlung will das Institut aus eigenen Mitteln beisteuern. Dadurch verringert sich das als Risikopuffer vorgehaltene Eigenkapital voraussichtlich um 3,3 Milliarden Euro. Das Institut hält derzeit mit einer Kernkapitalquote von zehn Prozent einen größeren Puffer vor als die meisten anderen Banken. Blessing versicherte aber, dass das Institut auch nach der Rückzahlung über genügend Eigenkapital verfügt, um den Stresstest der europäischen Bankenaufsicht zu bestehen.

Ganz abschütteln wird die Commerzbank den Staat damit allerdings nicht. Der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin bleibt größter Aktionär. Auch wenn sich die Zahl der Aktien durch die Kapitalerhöhung erhöht, will er seine Aktienbeteiligung von 25 Prozent plus einer Aktie stabil halten, indem er teile der Stillen Einlage in Aktien umwandelt.

Außerdem bleibt der Bund mit der restlichen Stillen Einlage von 1,9 Milliarden Euro bei der Commerzbank engagiert. Gelingt es dem Institut, in diesem Jahr auch nach den Bilanzierungsstandards des Handelsgesetzbuchs schwarze Zahlen zu schreiben, wird der Bund dafür erstmals die vereinbarte Zinszahlung von neun Prozent erhalten – allerdings nur auf die deutlich reduzierte Einlage.

Dass dies gelingt, bezweifelt kaum ein Experte. Zum einen ist das Geldinstitut dank der wirtschaftlichen Erholung in Deutschland und zahlreichen osteuropäischen Staaten offenbar gut ins neue Jahr gestartet. Zum anderen haben Blessing und seine Vorstandskollegen ein massives Eigeninteresse an dem Sprung in die schwarzen Zahlen, denn damit endet die gesetzliche Deckelung der Vorstandsgehälter bei 500000 Euro im Jahr.

In den unteren Etagen können sich die Commerzbanker übrigens auch auf einen Geldsegen freuen: Gelingt es dem Institut, mehr als die Hälfte der Staatshilfen zurückzuzahlen, sind erfolgsabhängige Boni wieder erlaubt. Bereits seit Monaten war an den Finanzmärkten über eine bevorstehende Kapitalerhöhung spekuliert worden. Dagegen schien zu sprechen, dass für die Ausgabe neuer Aktien das Plazet der Hauptversammlung nötig ist.

Blessing und sein Finanzchef Eric Strutz umgehen dieses Problem, indem sie statt neuer Aktien in einem ersten Schritt Pflichtumtauschanleihen ausgeben, die erst nach dem Beschluss der Commerzbank-Hauptversammlung in Aktien umgewandelt werden. Danach folgt in einem zweiten Schritt eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht.

Autor:  Anna Sleegers
Datum:  6 | 4 | 2011
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