Sprecher der tibetischen Exilorganisation haben einen Zeitplan für den Rückzug des Dalai Lama von seien weltlichen Ämtern bekanntgegeben. Im März werde der 75 Jahre alte Dalai Lama dem Exilparlament im indischen Dharamsala den Rücktritt anbieten. In dem darauffolgenden halben Jahr wolle er „seine Verantwortlichkeiten zurückschrauben“, aber seine geistlichen Aufgaben weiter erfüllen. Im indischen Fernsehen sagte er, er sei anderen Werten verpflichtet, nämlich der Förderung menschlicher Werte, des Friedens und der Harmonie.
Das Exilparlament muss den Rückzug des Dalai Lama aus der praktischen Politik noch billigen, doch schon jetzt steigt die Bedeutung des „Kalön Tripa“ (Premierministers), dem eine entscheidende politische Rolle in der Exilgemeinde zufallen wird. Bei Vorwahlen für die Nachfolge des Amtsinhabers, der routinemäßig ausscheidet, setzten sich im Oktober zwei in den USA lebende Bewerber durch. Wird einer der beiden nächster Exil-Premier, so gerät das Tibet-Problem noch stärker in den Rahmen der nicht gerade spannungsarmen chinesisch-amerikanischen Beziehungen.
Ein enger Vertrauter des Dalai Lama, Lodi Gyaltsen Gyari, hob unterdessen bei einem Vortrag in Singapur das Bemühen des Dalai Lama zum Kompromiss mit der Pekinger Regierung hervor, ausgehend von der Forderung nach tatsächlicher Autonomie Tibets. Gyari war an allen Gesprächen und Kontakten mit Peking beteiligt, die 1979 aufgenommen, von 1987 bis 1993 aber unterbrochen waren, nachdem China mit ungewöhnlicher Härte gegen Protestkundgebungen vorgegangen war.
In diesen Jahren war der gegenwärtige Pekinger Staats- und Parteichef Hu Jintao Chef der Verwaltung in Tibet. Solange er amtiert − bis 2012 −, ist eine gründliche Liberalisierung der Pekinger Tibet-Politik wohl nicht zu erwarten, obwohl in den letzten Jahren Kontakte auf unterer Ebene zugenommen haben.
In kurzen Berichten über den Rückzugsplan des Dalai Lama bezichtigten chinesische Medien ihn in dieser Woche, er habe 1959 einen bewaffneten Aufstand gegen die chinesischen Truppen in Lhasa angeführt. Tatsächlich ist er damals aber nach Indien geflohen, nachdem die chinesische Armee in Lhasa mit Waffeneinsatz gegen einen gewaltlosen Aufstand vorgegangen war.
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