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14. Dezember 2012

Amtsgericht: Möchtgern-Pilot prellt LH um 150.000 Euro

Um selbst im Cockpit zu sitzen, dazu fehlte dem jungen Mann und seiner Familie das nötige Geld.  

Das Fliegen ist die Leidenschaft eines 22-jährigen Fachoberschülers. Sein Traum von der Piloten-Ausbildung platzt aber aus Geldmangel. Fliegen will er trotzdem - und erschleicht sich mehr als 100 Tickets. Die Lufthansa prellt er damit um 150.000 Euro.

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Zu zwei Jahren Gefängnis wegen Betrugs hat das Amtsgericht Darmstadt einen 22-jährigen Darmstädter verurteilt, der fast 100 Lufthansa-Flüge gebucht hatte, ohne zu bezahlen. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Die Anklageschrift las sich über weite Passagen wie die Anzeigetafel für Flugziele am Frankfurter Flughafen: Paris, Istanbul, Tunis, Nizza, München, Moskau, New York, Prag, Budapest, Barcelona, Berlin, Palma de Mallorca, Madrid, Hamburg, Rom, Zürich, Basel, Antalya, Malta, Amsterdam. Lauter reizvolle Destinationen, die Staatsanwältin Christina König in einer mehr als 100 Punkte umfassenden Auflistung vortrug.

Tatsächlich war viel geflogen worden, stets ab Frankfurt, stets mit der Lufthansa, fast immer Business-Class. Die Flugpreise summierten sich auf mehr als 150 000 Euro. Das Problem: Sie waren nie bezahlt worden. Woher sollte ein Fachoberschüler ohne betuchte Eltern auch so viel Geld nehmen?

Das Fliegen war die Leidenschaft des jungen Mannes. „Ich hatte schon früh den Traum, Pilot zu werden“, hieß es in einer Erklärung, die sein Verteidiger Torsten Fuchs vortrug. Zum Ende der Schullaufbahn meldete sich der junge Mann für eine Piloten-Ausbildung bei der Lufthansa-Tochter Intercockpit an und trat sie im Mai 2011 an. Die Sache hatte jedoch einen Haken: In seine Ausbildung muss ein Pilotenschüler 69 000 Euro investieren. Die Familie des 22-Jährigen besaß das Geld nicht. Nach zwei Wochen kündigte Intercockpit den Ausbildungsvertrag. Der Traum war geplatzt.

Dabei hatte es der Darmstädter sehr genossen, im Bekanntenkreis als angehender Flugoffizier bewundert zu werden. In der Bertolt-Brecht-Schule hielt er im Mai 2011 gar einen Vortrag über den Berufsweg des Piloten.
In diese Zeit fielen die ersten Flugbuchungen. Die Masche klingt verblüffend einfach: Der 22-Jährige eröffnete online ein Miles-and-More-Konto bei der Lufthansa und buchte sein erstes Business-Class-Ticket nach Paris. Der Vorteil dieser gehobenen Flugklasse: Die Lufthansa bietet kostenlose Umbuchungen an.

Das machte sich der Darmstädter zunutze. Er buchte das Ticket für den Flug mehr als acht Tage im Voraus, wie es die Fluggesellschaft zur Kontrolle des Geldeingangs vorschreibt. Nach Empfang des Buchungscodes änderte er jedoch den Termin auf den folgenden Tag. Mit dem Code fuhr er zum Flughafen und hob mit der Lufthansa-Maschine ab.

Bei seinen Ausflügen war er oft in Begleitung junger Frauen. Er sei in einen Kreis reicher Freunde „hineingeraten“, sagte Anwalt Fuchs, „und täuschte vor, da mithalten zu können“. Viele Tickets verschenkte er, für andere verlangte er eher symbolische 50 Euro. Er habe als angehender Pilot Anspruch auf verbilligte Flüge, fabulierte er.

Die Frage, warum das über sechs Monate hinweg funktioniert hat, ohne, dass die Sache aufflog, konnte gestern auch die Fluggesellschaft nicht beantworten. „Wir sehen nicht, dass es im elektronischen Buchungsverfahren eine Lücke gibt“, sagte Lufthansa-Sprecher Boris Ogurski. Der Darmstädter Vorgang sei ein Einzelfall: „Wie es dazu kommen konnte, wird zurzeit noch untersucht.“

Und weil Fliegerei allein nicht satt macht, entwickelte der Darmstädter im Februar ein neues Geschäftsmodell zur Finanzierung des ersehnten Jet-Set-Daseins: Er buchte Tickets unter falschem Namen mit realen, doch nicht ihm gehörenden Kontonummern. Die Bestätigungen verkaufte er über das Netzwerk Facebook für je 150 Euro an Darmstädter Studenten, wobei er sich wieder als angehender Pilot ausgab. Wenn die Käufer Tage später ihre Flüge antreten wollten, waren die Tickets von der Lufthansa längst storniert.

Pech für den 22-Jährigen: Als er Anfang März selbst in Frankfurt zum Flieger eilte, wurde er im Terminal von betrogenen Studenten erkannt. Die alarmierte Polizei nahm ihn fest. Vier Monate saß er in Weiterstadt in Untersuchungshaft. Das Geständnis wurde strafmildernd berücksichtigt. (bad.)

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