Darmstadt
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13. August 2012

Architektur: Ein Traum von Zuhause

Architekt Jörg Krämer liebt sein „Haus am See“.  Foto: Claus Völker

Im Stage Cage stellen Darmstädter Architekten ihre privaten Häuser vor - und zeigen, dass die Klischees selten stimmen.

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Dass Architekten in stuckverzierten Altbauten leben, ist ein Dauerbrenner unter den Klischees. Wie sie wirklich wohnen – zumindest ein Teil der Darmstädter Architekten – erfuhren die Gäste einer kurzweiligen Veranstaltung im Stage Cage am Hauptbahnhof.

Wie man denn nun das eigene Haus nennen wolle, fragte Architekt Felix Waechter seine Kinder, als er nach einem Titel für seinen Kurzvortrag suchte. „Es ist das schönste Haus der Welt“, antwortete Tochter Katharina. Und so überschrieb der Darmstädter Architekt, der mit Ehefrau Sybille, ebenfalls Architektin, und drei Kindern im Paulusviertel wohnt, schließlich seinen Beitrag zum Architektursommer.

Insgesamt elf Architekten zeigten auf der Wiese gegenüber dem Hauptbahnhof, wie sie wohnen. Ganz gleich, ob mit Partner oder Großfamilie, mit Büro im Haus oder eben nicht – was alle verbindet, ist die Tatsache, dass sie sich wohl fühlen. „Unsere Ferien finden täglich ab 18.30 Uhr auf der Terrasse statt“, brachte es Jochen Klie auf den Punkt, der mit seiner Frau im Martinsviertel wohnt.

Immer mit Blick aufs Wasser

In ihren Kurzvorträgen gaben die Architekten binnen fünf Minuten ein Stück ihrer Persönlichkeit preis. Jörg Blume, der die Veranstaltung moderierte, hatte eine große Sanduhr besorgt, die alle Referenten an die Kürze des Vortrags erinnern sollte.

Aber wie wohnen sie denn nun? „Auf keinen Fall in einem Schloss, auch nicht mit Pool“, sagte Blume. Wobei das so auch nicht stimmt. Jörg Krämer etwa hat einen richtigen See zu bieten – und sein Siedlungshaus in Eberstadt folglich „Haus am See“ genannt.

Er zeigte das Haus, das eigentlich aus zwei einzelnen Häusern besteht, von vorne, aus der Vogelsicht, von hinten. Auch einen Blick in Innere ließ er zu. Ob von Esstisch, Jugendzimmer oder Balkon – immer fällt der Blick aufs Wasser. „Früher wohnten die Architekten in sanierten Altbauwohnungen“, sagte Krämer. „Heute, scheint es, wohnen alle im Garten.“

Das ist das zweite, was der Architektursommer-Gast lernt: Gewohnt wird draußen, soweit es das Wetter zulässt. Zumindest aber spielt der Blick ins Grüne eine wesentliche Rolle. Das ist bei Werner Schulz, der unverbaut „zentral im Odenwald wohnt“, nicht wirklich schwer. Die Fenster reichen bis zum Boden, der Blick fällt auf Weiden, Bäume, Blumenwiesen. Es sei ein „schiefes“ Haus, sagt Schulz, und gewährt einen Einblick in große, helle Räume, in denen gelebt und – strikt durch eine farbige Tür getrennt – gearbeitet wird. Klaus Trojan stellte gar nur seinen Garten vor – ganz ohne Haus. „Unseren grünen Salon“ nennt er das Draußen-Zuhause, das durch Hecken, Stein und Holz räumlich wird. Gartendusche, Rasenteppich, Feigenbaum – „unser Salon wird zu einer grünen Galerie“, sagte er.

Angst vor Verdichtung

Etwas schwerer mit der grünen Komponente hatte es da Corinna Bauer, die mitten in der Stadt ein Mehrfamilienhaus gestaltet hat. Das Passivhaus hat ebenfalls das Zentrum im Freien. Ein Innenhof ist der Treffpunkt, in dem Privatheit ebenso gelebt wird wie Gemeinschaft. Was Werner Schulz im Odenwald nicht passieren kann, fürchtet die Darmstädter Architektin: In unmittelbarer Nachbarschaft soll Wohnraum verdichtet werden. „Dann wäre es vorbei mit dem Blick in den Himmel und ins Grüne.“

Diesen haben die eingangs erwähnten Waechters in ihrem Haus in der Osannstraße an allen vier Seiten. Das „schönste Haus der Welt“ war zunächst ein sehr kleines Haus, das die Familie entzückte, mit dem Turm der Pauluskirche in Sichtweite und alten Bäumen im Garten. So, wie die Familie wuchs, tat es auch das Haus: Es bekam Jahresringe, das Neue umschließt nun das Alte. Das Ergebnis ist ein bis ins Detail ausgeklügeltes Wohnhaus, in dem jeder seinen Raum hat.

Ähnlich hat auch Jörg Blume sein Gründerzeit-Haus ständig erweitert, das in der Heidelberger Straße zwischen Fahrschule und Kebab-Laden steht. Er habe nie sein eigenes Haus bauen wollen, sagte Blume. Dafür hat er sein Zuhause mit wachsender Familie erweitert, Wohnungen erstanden und ins Bestehende integriert. In den Zimmern ist steter Wechsel angesagt: Die Kinder ziehen je nach Alter innerhalb des Hauses um. (an.)

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